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Korkenziehertrasse und liebliche Bachtäler

26.05.19
Kategorie: RheinBerg-Oberberg, Radtouren

© Sabine Krämer-Kox, Krüdersheide



© Sabine Krämer-Kox, Rododendren



© Sabine Krämer-Kox, Segelflieger in Wiescheid



© Sabine Krämer-Kox, Engelberger Hof



© Sabine Krämer-Kox, Lochbachtal



© Sabine Krämer-Kox, Gesenkschmiede...



© Sabine Krämer-Kox, ...Hendrichs



© Sabine Krämer-Kox, Fabrikantenvilla



© Sabine Krämer-Kox, Blechritter



© Sabine Krämer-Kox, Schräger Vogel



© Sabine Krämer-Kox, noch einer



© Sabine Krämer-Kox, Torflügel



© Sabine Krämer-Kox, Korkenziehertrasse



© Sabine Krämer-Kox, Südpark



© Sabine Krämer-Kox, Plagiarius



© Sabine Krämer-Kox, Zwillingswerk



© Sabine Krämer-Kox, Mühlen und ...



© Sabine Krämer-Kox, ... Kotten



© Sabine Krämer-Kox, Weinsberger Bachtal



© Sabine Krämer-Kox, Eis am Schluss



ADFC-Tour am 26.05.2019 ab Leichlingen

Der Startpunkt liegt am Bahnhof Leichlingen. Wir warten die Ankunft der RB aus Köln ab. Derweil können wir uns das Denkmal für die 20 Opfer des Bomberangriffs auf den Leichlinger Bahnhof am 04.10.1944 ansehen.

„Der Zoch kütt“ und es kann losgehen: Zunächst radeln wir durch die Wald und Feld in Richtung Ohligser Heide.

Haus Graven, ein Segelflugplatz und ein Landhaus
Unser erster Stopp ist an der Wasserburg „Haus Graven“. Das Café im Innenhof lockt zu einer Pause. Aber leider sind wir gerade erst gestartet, deshalb fahren wir weiter. Am Segelflugplatz Wiescheid halten wir kurz inne, um sehnsüchtig den Seglern nachzuschauen, die lautlos durch die Lüfte schweben. Eine kurze Trinkpause mit Blick auf einen von blühenden Rhododendren umgebenen Landsitz in der Krüdersheide und schon geht’s weiter zum nächsten Augenschmaus.

Schlesische Schänke Engelsberger Hof
1901 wurde der Ohligser Architekt Otto Franz mit dem Entwurf und dem Bau eines Wohn- und Wirtschaftshauses beauftragt, 1906 erfolgte die Fertigstellung des Rohbaus und 1907 eröffnete das Restaurant. Im selben Jahr ging der Engelsberger Hof in den Besitz der Stadt Ohligs über. Sogenannte „Notstandsarbeiten“ schafften während der Rezession Beschäftigung für zahlreiche erwerbslose Klingenschleifer. Das Anwesen erhielt einen Springbrunnen, Teiche sowie Gartenanlagen. Das Restaurant ist seit über 100 Jahren ein beliebtes Ausflugsziel – heute mit polnisch-deutsch ausgerichteter Küche.  Bedauerlicherweise ist es immer noch zu früh für eine Mittagseinkehr. Deshalb: weiter nach Solingen-Ohligs. Im Vorbeifahren erhaschen wir Blicke auf einige schöne Jugendstilfassaden, schnell passieren wir den Bahnhof und schon erreichen wir das idyllische Lochbachtal.

Das Lochbachtal
Der Lochbach entspringt mehreren Quellen bei Solingen-Gräfrath und mündet nach ca. acht Kilometern bei Ohligs in die Itter. Dabei überwindet er gut 150 Höhenmeter. Da wir bachaufwärts fahren, müssen wir diesen Höhenunterschied leider auch bewältigen. In leichtem Auf und Ab radeln wir am (in Fließrichtung betrachtet) linken Bachufer entlang. Früher standen hier zahlreiche Schleifkotten. Heute deutet noch eine kleine Ortschaft, durch die der Radweg führt, auf die industrielle Vergangenheit des Bächleins hin. Zeugnisse bedeutender industrieller Tätigkeit dagegen bietet die Gesenkschmiede Hendrichs, die nach einem steilen Anstieg in 600 m Entfernung erreicht werden kann (nur wenn alle Teilnehmer motorisiert sind).

Gesenkschmiede Hendrichs
 „Eine Werkstatt für die Welt“ – das war die Stadt Solingen mit ihrer Schneidwarenherstellung Ende des 19. Jahrhunderts. Noch heute kann in der Gesenkschmiede Hendrichs des LVR-Industriemuseums in Solingen erlebt werden, wie die rot glühenden Spaltstücke unter lautem Getöse zu Scherenrohlingen geschmiedet werden, wie es knallt und zischt. Dabei erfährt man Spannendes über die Geschichte der berühmten Solinger Schneidwarenindustrie“. Leider müssen wir aus Zeitgründen eine eingehende Besichtigung auf einen anderen Tag verschieben. Wir fahren – nachdem wir einige imposante Exponate im Außenbereich  sowie die Fabrikantenvilla aus dem Jahr 1896 bestaunt haben – zurück ins Tal des Lochbaches. Vorher gönnen wir uns allerdings noch eine Erfrischung im Museums-Café.

Auf der Mauer auf der Lauer
Im Lochbachtal warten schon einige „schräge Vögel“ auf uns, die eine nähere Betrachtung wert sind. Mit viel Geschick und Fantasie haben dort Jugendliche einer Hilfe-Werkstatt  kuriose Geschöpfe hergestellt, die ihrerseits wiederum die Passanten von einer Mauer herab neugierig beäugen. Sehr schön gestaltet sind die - im wahrsten Sinne des Wortes - „Flügel“ des Eingangstores. Noch ein Anstieg und wir haben den höchsten Punkt unserer Tour erreicht.

Die Korkenzieher-Trasse
In Höhe des Botanischen Gartens erreichen wir die sog. Korkenzieher-Trasse. Die ehemalige Bahntrasse windet sich „korkenzierhergleich“ 15 Kilometer von Gräfrath zur Solinger-Südstadt. Auch diese Radstrecke haben wir der fortschreitenden Industrialisierung des Bergischen Landes im 19. Jahrhundert zu verdanken. Seinerzeit nutzte man die Bahnstrecke zum Transport von Rohstoffen und Waren. 1995 wurde der letzte Teilabschnitt still gelegt. Die Radtrasse wurde zwischen 2004 und 2007 in vier Bauabschnitten fertiggestellt. Aufgrund der unerwartet regen Nutzung musste der ursprüngliche Belag durch Asphalt ersetzt werden. Nach und nach wurden Info-Tafeln, der sog. „Pfad der Menschenrechte“ und eine Gedenkstätte ergänzt.

Südpark Solingen
Bald haben wir die „Endstation“ der Korkenziehertrasse erreicht, den „Südpark Solingen“. Hier wurde 1890 ein Bahnhof errichtet, der zunächst hauptsächlich der Nutzung für Güterverkehr diente, 1913 erhielt er den Namen „Hauptbahnhof“. (Der heutige Hauptbahnhof befindet sich in SG-Ohligs.) Die Fläche des Südparks wurde im Rahmen der Regionale 2006 umgestaltet. Für uns gibt es jetzt die langersehnte Einkehr im Restaurant Stückgut oder ein Picknick auf der grünen Wiese. Wer möchte, kann auch sich in einer der Kunstgalerien umschauen, die in den ehemaligen Güterschuppen eingerichtet wurden. Für einen Besuch des 2007 eingerichteten Museums Plagiarius ist die Zeit leider zu knapp. Wir werfen vor der Weiterfahrt noch einen Blick auf  das „Forum Produktdesign“, das seit 2006 im ehemaligen Bahnhofsgebäude ansässig ist. Der Bahnhof wurde im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört, sodass heute nur noch ein Altbauteil und die Wartehalle aus den 1950er Jahren zu sehen sind. Ebenfalls interessant ist die historische Fassade der Zwillingswerke, an der vorbei uns unser Weg aus dem Stadtgebiet Solingens hinaus führt.

Weinsberger Bachtal
Nach so viel Industriekult(o)ur folgen wir jetzt wieder dem Lockruf der Natur und rollen mehr oder weniger entlang des Weinsberger Bächleins unserem Ziel Leichlingen entgegen. Doch auch im heutigen Naturschutzgebiet begegnen wir Relikten früher industrieller Tätigkeit. Heute sind die ehemaligen Produktionsstätten, Mühlen und Kotten liebevoll restaurierte, schmucke Wohnhäuser. Mit seinen sanften Hängen und Schafweiden erinnert das Tal an das England des 19. Jahrhunderts. Noch zwei Anstiege und eine rasante Abfahrt und wir sind wieder in Leichlingen an der Wupper!

Friedrichsaue
Sollte noch genügend Zeit und Muße vorhanden sein, können wir noch einen kleinen Schlenker entlang der Wupper zum Gasthof Friedrichsaue machen, um dort eine Pause im idyllischen Biergarten unter großen Bäumen einzulegen, bevor es zurück zum Bahnhof geht.


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