Aktuelles

Für Stiftungsprofessur „Radverkehr erfahren“

27.08.20
Kategorie: RheinBerg-Oberberg, Rad in den Medien

Das ist der Staffelstab "RADVERKEHR ERFAHREN"



Uni Sommertour "RADVERKEHR ERFAHREN"



Für den Radverkehr ist es noch lange nicht "fünf vor zwölf"



Gedankenaustausch mit Vereinen, Interessensgruppen und natürlich dem ADFC



Wissentschaftliche Mitarbeiterin der Uni Wuppertal beim "Praxistest Biergarten"



Mobilitätsknoten Hilgen Raiffeisenplatz



Stiftungsprofessur Thema K18, Sabine Krämer-Kox stellt vor


 

 

 

Hochschul-Sommerradtour von Karlsruhe nach Berlin

 

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat sieben Universitäten für die Förderung einer Stiftungsprofessur „Radverkehr“ ausgewählt, u. a. die Bergische Universität Wuppertal. Doch grau ist alle Theorie. Deshalb schwangen sich Verantwortliche der Hochschulen im Rahmen einer Sommertour unter dem Motto „Radverkehr erfahren“ auf ihre Räder. In sieben Etappen wollten sie zwischen dem 6. und 28.08.2020 von Karlsruhe bis Berlin radeln, um Eindrücke am (Rad)wegesrand zu sammeln. Zahlreiche Gespräche mit Vertretern von Kommunen, Interessensverbänden, Vereinen und Alltagsradlern sollten Erkenntnisse von der Basis „in sito“ vermitteln.

 

Der verbesserte Radweg ist das Ziel

Die Radtour wurde als Staffelfahrt von einer der sieben Hochschulen mit BMVI-Stiftungsprofessur zur nächsten durchgeführt mit Weitergabe des Staffelstabes am jeweiligen Etappenziel. In Berlin erfolgte die Übergabe des Staffelstabs mit den unterwegs gesammelten Wünschen und Anregungen an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Somit soll Verbesserungspotenzial der Radverkehrsinfrastruktur aufgezeigt werden.

 

Etappe 4: Von Köln zur Bergischen Universität Wuppertal

Die 4. Etappe führte am 21.08.2020 vom Rhein ins Bergische nach Wuppertal. Erster Stopp war in der Bahnstadt Opladen, wo derzeit ein innovativer Campus entsteht. Über den Panorama-Radweg Balkantrasse erreichte die Gruppe den ehemaligen Bahnhof Pattscheid, wo Gerald Völker, Förderverein Balkantrasse e. V., aufschlussreiche Erläuterungen zum knapp 5 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Opladen und der Stadtgrenze zu Burscheid gab.

 

Streckenabschnitt Balkantrasse Burscheid - Wermelskirchen

Ab „Ortsgrenze“ Burscheid „eskortierte“ der ADFC RheinBerg-Oberberg die Akademiker. Frank und Ulla Schopphoff sowie Sabine Krämer-Kox (Ortsgruppe Wermelskirchen/ Burscheid) informierten die Wissenschaftler umfassend und wiesen sie auf Besonderheiten im folgenden Streckenabschnitt hin.

 

„Schmalspurbahn“

Als erstes verringert sich an der „Grenze“ zwischen Leverkusen und Burscheid die Breite des Bahntrassen-Radweges von 4 auf 3 Meter. Über eine nachträgliche Verbreiterung denken die Verwaltungen von Burscheid und Wermelskirchen jedoch bereits nach.

 

Rampe mit „Skywalk“ (IEHK)

Nächster Halt war an der geplanten Rampe zwischen den Brücken Friedrich-Goetze-Str. und Hauptstraße in Burscheid. Hier soll im Rahmen des IEHK (Integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept) für 536 T€ eine Rampe sowie eine Aussichtsplattform entstehen. Die Fördergelder stehen bereit, die Bäume wurden im Januar d. J. abgeholzt. Die Rampe soll Nutzern der Balkantrasse direkten Zugang zur Hauptstraße bzw. der projektierten Aussichtsplattform ermöglichen. Mit 7,9 % Steigung wird diese Rampe nicht barrierefrei sein. Es ist fraglich, ob Radfahrer*innen aus Richtung Wermelskirchen eine 180-Grad-Kehre beschreiben, um die Rampe hochzufahren.

 

Biergarten Alter Bahnhof

Als Beispiel für gelungene Gastronomie direkt an der Trasse wurde der Biergarten „Alter Bahnhof Burscheid“ einem „Praxistest“ unterzogen. Nach Stärkung und intensivem Informationsaustausch ging es weiter bis zum Mobilitätsknoten Hilgen-Raiffeisenplatz.

 

Mobilitätsknoten Burscheid-Hilgen, Raiffeisenplatz

Hier wurden ein Gemüsebeet von Bündnis 90/Die Grünen mit „Veggies-to-go“, die Verweilzone und die Rampenlösung zur Querung der B 51 begutachtet. Sabine Krämer-Kox erläuterte, weshalb zugunsten einer Rampe auf eine „Tunnellösung“ verzichtet wurde. Auf besonderes Interesse stieß die im Rahmen des Mobilitätskonzeptes des Rheinisch-Bergischen Kreises gerade eröffnete Pedelec-Verleihstation „Bergisches e-Bike“ mit 8 Rädern der Firma Nextbike. Insgesamt gibt es 10 dieser vollautomatisierten E-Bike-Stationen an ÖPNV-Haltestellen mit zunächst 81 rund-um-die-Uhr verfügbaren Pedelecs: In

  • Bergisch Gladbach (S-Bahnhof),
  • Bergisch Gladbach-Bensberg (Busbahnhof),
  • Burscheid-Hilgen (Raiffeisenplatz),
  • Kürten (Karl-Heinz-Stockhausen Platz),
  • Leichlingen (Bf),
  • Odenthal (Zentrum),
  • Altenberg,
  • Overath (Bf),
  • Rösrath (Bf),
  • Wermelskirchen (Bus-Bf)

sowie 20 virtuelle Rückgabepunkte. Der Kooperationspartner nextbike war den auswärtigen Gästen bereits ein Begriff.

 

Gefahrenpunkt Hilgen, Bahnhofstraße/Ziegeleiweg

Dort, wo der Panorama-Radweg die Bahnhofstraße (Ziegeleiweg) kreuzt, ereignete sich im Juli d. J. ein Unfall. Als Folge hat der ADFC die Stadt Wermelskirchen gebeten, eine Furt für den Radweg zu markieren, um den Radfahrenden Vorrang einzuräumen und den Radweg für den Kraftverkehr deutlich kenntlich zu machen.

 

Dauerzählstelle

Wenige Meter weiter befindet sich seit Juli 2015 die Dauerzählstelle (Kontaktstreifen) unweit des ehemaligen Bahnhofs Hilgen. Im April dieses Jahres wurde hier mit fast 32.500 Radfahrenden (beide Richtungen) ein „Rekord“ verzeichnet. Im Vergleichsmonat des Vorjahres waren es knapp 14.000 Radbewegungen. Am 26.04. wurden mit 2.413 die bisher meisten Radbewegungen pro Tag gezählt.

 

Kreisstraße 18 zwischen Hilgen und Dabringhausen

Unweit der Dauerzählstelle führt der Panorama-Radweg auf einer Brücke über die K 18. Ein guter Platz, um über die Bestrebungen und Probleme der Umwidmung der Kreisstraße zur Fahrradstraße zu berichten. Während der Ausführungen konnten die Verkehrsexperten einen kritischen Blick auf den MIV (motorisierten Individualverkehr) werfen, der unter der Brücke „Paradebeispiele“ dafür lieferte, weshalb die Straße umgewidmet werden sollte.

 

Knicke, Steigungen, Verschwenkungen und Umfahrsperren

Im weiteren Verlauf des Panorama-Radwegs gab es noch den Damm, die Umfahrsperre und die Querung in Höhe Löh zu kritisieren. Des Weiteren wurde die Verschwenkung in Höhe Lehn kritisch betrachtet, wo der Panorama-Radweg über einen Damm und die Zuwegung zu einem Wohnhaus geführt wird, wodurch sich ein 90-Grad-Knick in der Wegführung ergibt. Die Situation wird durch zwei Umfahrsperren zusätzlich erschwert. Am Ende/Anfang des Bahntrassen Radweges in Höhe der B 51 machte wiederum eine Verschwenkung, eine unübersichtliche Engstelle sowie eine fehlende Absturzsicherung deutlich, wie wichtig eine sichere Verkehrswegeplanung und –führung sind. Auch hier hatte sich im Juli d. J. ein schwerer Unfall ereignet.

 

Ortsdurchfahrt Wermelskirchen

Die Ortsdurchfahrt Wermelskirchen bot zu viele Ansatzpunkte. Deshalb fuhr die Uni-Truppe ohne Zwischenstopp durch – immerhin fand sie anhand der Beschilderung selbständig den Weg bis zur Fortsetzung der Trasse. Nach einem letzten kurzen Hinweis auf die geplante Verlängerung des Bahntrassen-Radweges zwischen „Am Wasserturm“ und „Zenshäuschen“, setzten die akademischen Radler ihren Weg zum Etappenziel Wuppertal - um viele Eindrücke bereichert - fort.
 

Neuer Studiengang an der Uni in Wuppertal

Die Ergebnisse der Sommertour sollen als Handlungsempfehlung in das Curriculum der neuen Fachrichtung „Radverkehr“ an der Uni Wuppertal sowie der sechs weiteren Hochschulen einfließen. Der Start des neuen Studiengangs ist für das Sommersemester 2021 vorgesehen. Derzeit läuft die Einstellung von Professoren. Interessenten können sich über den neuen Studiengang informieren.


© 2020 ADFC KV RheinBerg-Oberberg