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Besser schmal als nix!

27.09.17
Kategorie: Verkehrsplanung, RheinBerg-Oberberg

© Bernhard Werheid, Auf der Kölner Straße



© Bernhard Werheid, ein schöner langer Radweg



© Bernhard Werheid, mit "Aufgeblasene Radstreifen" für Linksabbieger vor der Bahn



© Bernhard Werheid, Hier fehlt (nicht nur) wegen der naheliegenden Grundversorgung mit Nahrung ein Zebrastreifen



© Bernhard Werheid, "Aufgeblasene Radstreifen" für Linksabbieger



© Bernhard Werheid, Na - welcher Radfahrer ist so mutig und stellt sich jetzt noch vor den LKW?



© Bernhard Werheid, An dieser Stelle ignorieren 9 von 10 Kraftfahrer den sicheren Aufstellbereich für Radfahrer



© Bernhard Werheid, Noch ein Kuriosum an der Kölner Straße



© Bernhard Werheid, Super Platz für eine Reihe von Pollern



© Bernhard Werheid, Super Platz zum Parken


ADFC-Position zu den weiteren Maßnahmen des MobiK GL

Im Rahmen der nächsten Sitzung des AUKIV (Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr), verschoben auf den 10.10.2017, werden weitere Maßnahmen zum MobiK (Mobilitätskonzept Bergisch Gladbach 2030) beschlossen. Nachdem der SPLA (Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss) die Entscheidung dem AUKIV zugeschoben hat (Begründung: MobiK ist eine schon im SPLA beschlossene Sache), stehen als Beschlussvorschlag unter Tagesordnungspunkt „Lückenschluss Vorrangroutennetz Bergisch Gladbach“ jetzt folgende Punkte an:

·        Erhalt der Schutzstreifen auf der Kölner Straße

·        Markierung von Schutzstreifen auf der Buddestraße

·        Markierung von Parkständen auf der Ferdinand-Stucker-Straße.

Die positive Position des ADFC zu diesen Maßnahmen des MobiK hat sich nicht geändert. Wir verurteilen die Störversuche der verschiedenen Gruppierungen, bereits die ersten kleinen Maßnahmen zurückzunehmen oder zu ändern, aufs Schärfste. Gleichzeitig fordern wir vehement die zeitnahe Umsetzung der weiteren beschlossenen, aber noch ausstehenden 68 Maßnahmen. Insbesondere fordern wir die Verwaltung und den Rat der Stadt Bergisch Gladbach auf, schnellstmöglich einen verbindlichen Zeitplan für die noch offenen Maßnahmen vorzulegen. Apropos zügig: Die meisten Maßnahmen sollten in 2017 schon erledigt sein, lt. Plan aber in die weite Zukunft verschoben worden. Beispielsweise sollte die Friedrich-Offermann-Straße, eine schon vom Rat abgesegnete Maßnahme, in 2017 markiert werden – neues Ziel ist 2020!

Um die Verkehrsprobleme in naher Zukunft in den Griff zu bekommen, wird ein zusammenhängendes Radwegenetz benötigt, denn nur dieses wird diejenigen motivieren, auf das Fahrrad umzusteigen die heute noch mit dem Auto in oder durch die Stadt fahren. Und „zusammenhängend“ heißt hier: lückenlos zusammenhängend.

 Dies wird aber nicht reichen. Der ADFC setzt sich außerdem für eine Tempo-30- Beschränkung in der gesamten Innenstadt ein. Die Differenzgeschwindigkeit zwischen Kraft- und Radverkehr ist sonst zu hoch. Dies macht Radfahrer unsicher, wie auch der Fahrrad-Monitor 2017 des Bundesinnenministeriums bestätigt. Weiterhin fordert der ADFC, dass die Innenstadt für gewerblichen Schwerlastverkehr gesperrt wird. Der Weg durch Bergisch Gladbach wird seit geraumer Zeit als Umgehung des Staus vor dem Leverkusener Kreuz genutzt. Eine enorme Anzahl von Lkw fahren von der A1 in Burscheid ab, um im Frankenforst wieder auf die A 4 aufzufahren. Dies ist u. a. billiger, weil in Bergisch Gladbach keine Maut anfällt.

Zu der Kritik an den bisherigen Maßnahmen des MobiK an der Kölner Straße in Bensberg nimmt der ADFC wie folgt Stellung:

1-Forderung nach Wiederherstellung der Parkplätze an der Kölner Straße

Der ADFC will eine Flächengerechtigkeit erreichen. Platz gibt es genug, denn die meisten Straßen sind breit genug für Radstreifen. Das Abstellen von Privateigentum im öffentlichen Straßenraum darf nicht länger zu Lasten der Sicherheit von Radfahrern, also fehlender Radverkehrsanlagen, gefördert werden. Wir erleben z.Zt. eine Landflucht mit einer hohen Verdichtung des Wohnraumes in den Städten, welches ein stark anwachsendes Verkehrsaufkommen zur Folge hat. Jeden Tag werden 66 Hektar (entspricht 94 Fußballfelder) in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. Das kann so nicht weiter gehen. Ein Großteil der Menschen wünscht sich mehr Platz für aktive Mobilität und attraktive Aufenthaltsorte. Gefragt, woher der gewünschte Platz genommen werden soll, antworten die meisten (49,8 Prozent) „vom Autoverkehr“.

2-Änderung der bestehenden Markierung auf der Kölner Straße, Wegfall der Markierungen in Bergab-Richtung

Sicher gibt es einige "erfahrene Profiradler", die auf beidseitige Markierungen nicht angewiesen sind und sich auf den Straßen von PKWs, Bussen und LKWs ihren Platz nicht nehmen lassen. Aber das Ziel des MobiK ist es, 4 % mehr Autofahrer dazu zu bewegen, in Zukunft tagtäglich Rad zu fahren und dafür sind sicherere Radverkehrsführungen erforderlich. Diese Umsteiger gehören dann wohl eher nicht zu den Profifahrern, sondern eher zu den Alltagsradlern oder Freizeitradlern, die adäquate Fahrrad-Infrastruktur erwarten dürfen.

Radfahrstreifen wie auch Schutzstreifen…

·        ...bieten Sicherheit, da Radfahrer für Autofahrer besser sichtbar sind, besonders an Kreuzungen und Zufahrten. Hier ereignen sich auf Radwegen die meisten Unfälle. Gegenüber dem Mitfahren auf der Fahrbahn haben  Radfahrstreifen und Schutzstreifen den Vorteil, dass Radfahrer an wartenden Autos (z. B. an Ampeln) bequemer vorbei fahren können. Dies ist für die Verkehrssicherheit von Bedeutung, da die Radfahrer so aus dem „Toten Winkel“ der Autofahrer heraus in deren Blickfeld vorfahren können.

·        ...verhindern Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern, wie sie auf Radwegen oder bei erlaubter Nutzung des Gehweges auftreten können.

·        ...sorgen für Ordnung, da Radfahrer weniger häufig in der falschen Richtung, d. h. links der Fahrbahn, fahren. Gegenläufig fahrende Radfahrer (Falschfahrer) sind überdurchschnittlich oft an Unfällen beteiligt, weil Autofahrer an Einmündungen nicht mit ihnen rechnen.

·        ...bieten hohen Fahrkomfort und die Möglichkeit, schnell voranzukommen. Straßen werden in Deutschland besser gewartet, als die daneben liegenden Fuß-/Fahrwege. Auf Straßen stehen keine Schilder im Weg und Poller wie Drängelgitter sind auch nicht so häufig anzutreffen.

·        … haben sichere Aufstellflächen vor der Haltelinie der Kraftfahrzeuge an Lichtsignalanlagen und Bahnübergängen. Sie ermöglichen im Staubereich der Kraftfahrzeuge Radfahrern das Vorbeifahren bis zur Haltelinie, wo sie im Sichtbereich der Kraftfahrer – ohne Belastung durch Abgase -  warten können. Diese „aufgeblasenen Radfahrstreifen“ vergrößern damit Sicherheit und den Komfort. Leider gibt es solche dedizierte Aufstellplätze in Bergisch Gladbach viel zu selten.

3-Änderung der Wegeführung des Vorrangroutennetz

Für die nächste Sitzung des AUKIV haben einige Parteien bereits angekündigt, Anträge für eine Verlagerung des Vorrangroutennetzes einzureichen. Der ADFC meint, die Zeit der Planung für das MobiK war 2016. Die neuen Anträge dürfen nicht zu einer weiteren Verzögerung der Umsetzung führen. Wer die Verlagerung von der Buddestraße weg fordert, hat im Übrigen das Konzept nicht verstanden.

 Ob Bergisch Gladbach wirklich noch beliebig viel Zeit hat, ist fraglich. Längst beschäftigt sich die Verwaltung und die Politik mit dem nächsten Projekt: Der FLNP (Flächennutzungsplan) wird die Verkehrsprobleme noch vergrößern. In unserer Umgebung wird intensiv über Mobilitätskonzepte nicht nur nachgedacht (Planung des Mobilitätskonzeptes für den RBK), sondern auch gehandelt. Die Stadt Rösrath wird in den kommenden Monaten auf ihren Hauptverkehrsstraßen Radschutzstreifen auftragen und Leverkusen setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass ihre Mobilität neu geregelt werden muss und hat z.B. die Fußgängerzonen begrenzt für Radfahrer freigegeben.

 Erfreulicherweise gibt es auch hier im Rat der Stadt Bergisch Gladbach Anregungen zu mehr Radfreundlichkeit. Gemeinsam haben die SPD- und die CDU-Fraktion einen Ergänzungsantrag zum Mobilitätskonzept eingereicht. Hier geht es um den Aufbau eines Radwegenetzes parallel zu den schon geplanten Hauptverbindungsstrecken. Die Wege hierzu sind bisher für den Stadtteil Refrath skizziert, bei der weiteren Planung wird der ADFC die beiden Fraktionen bzw. die Verwaltung tatkräftig unterstützen.


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