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ADFC-Stresstest: Mit dem Rad durch das Strundetal

31.08.19
Kategorie: RheinBerg-Oberberg, Mobilität

Bild 1: Alle Bilder © ADFC/Bernhard Beckermann



Bild 2: Strecke Herrenstrunden bis Spitze



Bild 3:



Bild 4: Zu schmaler Sandweg am ehemaligen Schwimmbad



Bild 5: Benutzungspflichtiger Gehweg - für Fußgänger only



Bild 6: Für Radler gefährliche Straßenkante und Schotterfeld an Bushaltestelle



Bild 7: Engstelle zwischen Poller, Bordsteinkante und Stromkasten



Bild 8: Nur für Fußgänger, oder ???



Bild 9: Freigegeben für Radfahrer in beide Richtungen?



Bild 10: Böschungsschaden an Einmündung Hombachstraße



Bild 11:



Bild 12: Aufhebung Tempolimit vor Kurve



Bild 13: Zu schmaler Pfad



Bild 14: Überholen vor Kurve an durchgezogener Mittellinie



Bild 15: Pfad wird von Gras überwachsen



Bild 16: Begin breiter asphaltierter Radweg an der Eulenburg



Bild 17: Loch + Schlag = Schlagloch



Bild 18: Gehweg rutscht in die Strunde



Bild 19: Asphaltaufbrüche an Einfahrten



Bild 20: Kaputter Gehweg gefolgt von Baumstumpf


Im Tal der Strunde verbindet die Landstraße L286 die Innenstadt Bergisch Gladbachs mit dem Stadtteil Herrenstrunden und dem Ortsteil Spitze der Gemeinde Kürten. Das Tal weist einen hohen Freizeitwert auf (Naturschutzgebiet an der Strunde, landschaftlich schöne Seitentäler, Industriemuseum, Baudenkmäler, Gastronomie). Die Strecke wird sehr stark von Autofahrern frequentiert und lässt teilweise Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h zu. Das Radfahren auf der Straße ist möglich, wird aber durch enge Fahrspuren, unübersichtlich Kurven und drängelnde PKWs oft zu einem Angst-Erlebnis. Der ADFC ist die Strecke in beide Richtungen zwischen Bergisch Gladbach und Spitze abgefahren, um die Fahrradtauglichkeit zu prüfen.

 

Foto-Reportage: Mehr Stresstest Stundetal

 

Bild 1: Die Karte zeigt den Streckenabschnitt von Einkaufszentren „Strundepark“ bis Herrenstrunden. Die gelbe Markierung zeigt als verantwortlichen Baulastträger für die Verkehrssicherheit, die Instandhaltung und den Ausbau die Stadt Bergisch Gladbach; grün: Verantwortlich NRW mit Straßen NRW.

Diesen Abschnitt fahren wir zunächst stadtauswärts. Bis Herrenstrunden ist es nur erlaubt, zusam­men mit PKWs, Bussen und LKWs auf der rechten Straßenseite zu fahren. Das ist für Radfahrende oft gefährlich und angsterzeugend, wenn sie von KFZ mit großer Geschwindigkeit und mit engem Abstand auf teilweise kurviger Strecke überholt werden. Ebenso gefährlich und unzulässig ist aber auch die Benutzung des sehr schmalen linkseitigen Gehweges, wie es oft beobachtet werden kann.

Zu diesem Streckenabschnitt wird im Mobilitätskonzept 2016 vorgeschlagen, hier zusammen mit dem Landesbetrieb Straßen-NRW rechtsseitig einen separaten Radweg anzulegen. In der Planungsliste von Straßen-NRW für RheinBerg ist dieser Weg auf Platz 50 (!) gelistet. Derzeit wird von dieser Liste aber pro Jahr nur eine Maßnahme umgesetzt (2019 keine!). Wenn sich hier Prioritäten und Budgets nicht deutlich erhöhen, wird es mit der Umsetzung noch mehrere Jahrzehnte dauern.

Also weiter auf der Straße bis zum Ortsende Herrenstrunden. Von hier bis zum Ortseingang Spitze (Bild 2) ist die Benutzung des linksseitigen Gehweges für Radfahrer in beide Richtungen erlaubt. Der Weg ist sogar mit einer Straßenbeleuchtung ausgestattet und ermöglicht somit auch die Benutzung in der dunklen Jahreszeit. Der Radweg ermöglicht aber wegen einiger Schäden (Schlaglöcher, Wurzelaufbrüche) auf dem Gehweg aber kein zügiges Fahren. Dies gilt insbesondere stadteinwärts, wo sich durch das Gefälle Geschwindigkeiten zwischen 20 und 30 km/h anbieten, die aber ohne volle Konzentration und deutliche Geschwindigkeitsreduktion nicht gefahrlos möglich sind.

Auf dem Rückweg von Spitze nach Gladbach gibt es unverständlicherweise erst nach ca. 1000 m, kurz vor Ortsteil Unterthal, ein Schild, das den Radfahrern die Benutzung des Gehweges erlaubt (Bild 3). Wer - wie die meisten Radler - schon vorher auf dem Gehweg fährt, begeht somit rechtlich einen Verstoß gegen die StVO und trägt im Falle eines Unfalles mit Fußgängern oder querenden Motorfahrzeugen ein hohes Haftungsrisiko.

Innerhalb des Ortsbereiches Herrenstrunden ist die Benutzung der Straße aufgrund der Straßenbreite und des Tempolimits von 50 km/h unproblematisch.

Das ändert sich aber am Ortsausgang nach Gladbach an der Einmündung Bücheler Weg. Hier führt die Straße in eine Linkskurve, Autos können bei Gegenverkehr einen Radfahrer nicht mit dem empfohlenen Sicherheitsabstand von 1,5m überholen. Als Radfahrer werden wir genötigt, gefährlich nahe an die Leitplanke entlang zu fahren.

Der Gehweg hinter der Leitplanke (Bild 4) ist laut Beschilderung nur für Fußgänger erlaubt (Bild 5) und darf von Radlern nicht benutzt werden. Er ist bis zum Freibad allerdings auch sehr schmal und die gleichzeitige Nutzung mit Fußgängern nicht mit ausreichender Sicherheit möglich. Hier wäre eine Verbreiterung des Gehweges technisch machbar und würde dann eine Mitbenutzung durch Radfahrer (mit angepasster Geschwindigkeit) ermöglichen.

An der Bushaltestelle am alten Freibad besteht der Gehweg aus Schotter und es hat sich eine gefährliche Kante am Straßenrand gebildet (Bild 6). Wenn man derzeit als Radfahrender bis hier hin die Straße nutzt und auf den kurz dahinter beginnenden Strunde-Radweg wechseln möchte, ist eine vorsichtige Orientierung angesagt. Etwas unscheinbar und unerwartet mündet direkt hinter dem alten Freibad von rechts der Strunderadweg „von der Quelle bis zur Mündung“ in den Sandweg.

Info zum Strunderadweg: Die mit öffentlichen Mitteln geförderte Route ist als touristischer Radweg konzipiert worden, der auch den Fußgängern offen stehen und möglichst bach-nah verlaufen soll. In manchen Abschnitten, wie hier zwischen Burg Zweiffel und Freibad, ist er daher zum zügigen Radfahren zu schmal und für Radpendler nicht geeignet. Langsames Befahren ist aber erlaubt und Absteigen kann das Naturerlebnis intensivieren.

Auf dem folgenden Abschnitt vom alten Freibad an der Landesstraße entlang sollte der Strunde-Radweg aber durchgängig so breit sein, dass neben Wanderern und Genuß-Radlern auch Radpendler zügig vorankommen. Denn hier ist er gleichzeitig auch Teil der Knotenpunktroute der RadRegion Rheinland. Sicheres Fahren ist aber direkt hinter dem alten Freibad nicht möglich. Der Strunde-Radweg hier führt durch einen Engpass zwischen Poller, Bordsteinkante und Stromkästen (Bild 7, Breite nur 1 m, viel zu schmal bei Begegnung mit Fußgängern und entgegenkommenden Radfahrern). Direkt danach folgt eine recht­winklige, unübersichtliche Kurve. Die Poller auf dem Radweg wurden übrigens nicht zum Schutz von Radfahrern und Fußgängern gegenüber PKWs und LKWs angelegt sondern dem der Stromkästen.

Der jetzt folgende Abschnitt an Gut Schiff vorbei (Bild 8 und 9) bis zum Hombach ist deutlich breiter als vorher und wird in beide Richtungen – insbesondere an Wochenende – intensiv von Wanderern und Radfahrern genutzt, zumal er einen gehörigen Abstand von der Landstraße bietet. Das Fußgängerschild (Bild 8) steht etwas zu abseits an der Straße und erlaubt eine Benutzung nur für Fußgänger, nicht für Radfahrer. Da wir aber auf dem Strunderadweg sind, muss ein Benutzungsrecht mit dem eindeutigen Zusatz: „Radfahrer frei“ dokumentiert werden. Mit Hinsicht auf die intensive Nutzung und die häufige Frequenz von entgegenkommenden oder zu überholenden Fußgängern und Radfahrern ist der Weg aber immer noch zu schmal. Nach ERA (Emfehlungen für Radfahranlagen, 2010) sollten gemeinsame Geh-Radwege eine Breite von 2.5 m aufweisen. Auf diesem Abschnitt könnte der Gehweg relativ einfach entsprechend verbreitert und für Radfahrer freigegeben werden.

Gegenüber der Einmündung der Hombach-Str. gibt es einen Schaden an der Böschung (Bild 10). Die Böschung ist stark ausgewaschen. Die steile Kante an der Straße und einem Gasversorgungsdeckel, kann für Radfahrer, die auf der Straße fahren, zu einem gefährlichen Sturz führen. Am unteren Ende der Auswaschung ergießen sich Geröll und Sand auf den Geh-Radweg und behindern sowohl Radfahrer als auch Fußgänger.

Kurz hinter der Brücke über den Hombach zweigt der Strunderadweg nach rechts ab und führt bis zum Vollmühlenweg auf schmalem Weg direkt an der Strunde entlang. Hier folgen wir nicht dem Strunderadweg sondern der Landstraße (Bild 11) und fahren weiter geradeaus auf der Knotenpunktroute der RadRegion Rheinland. Von der Fahrbahn der L286 schwenken wir auf den durch einen kleinen Grünstreifen von der Fahrbahn abgetrennten mittelbreiten und zunächst gut befahrbaren Sandweg ein. Der Grünstreifen bietet etwas Schutz vor schnell fahrenden Autos, die kurze Zeit später, direkt vor einer unübersichtlichen Kurve (Bild 12) nicht mehr an das 70 km/h Tempolimit gebunden sind.

Auch auf diesem Abschnitt ist wieder einmal unklar, ob Radfahren auf dem Sandweg überhaupt erlaubt ist, zumal es ja keinen Hinweis gibt, dass wir nicht mehr auf dem Strunderadweg fahren. Hier fehlt offensichtlich wieder das Verkehrsschild für Fußwege mit dem Zusatz „Radfahrer frei“. Von der Intuition her fahren die meisten Radler hier auf den Sandweg. Hier fühlen wir uns sicherer als auf der Straße, wo wir Angst bekommen, wenn wir von drängelnden PKWs, LKWs oder Bussen an unübersichtliche Kurven überholt werden.

Aber: Für zügiges Fahren durch Pendler, Mountain-Biker oder Rennradfahrer ist der Weg nicht geeignet. Denn im weiteren Verlauf wird der Sandweg immer schmaler und zu einem Pfad, der zunehmend von Gras und Brennnesseln zugewuchert wird. Konflikte mit entgegenkommenden oder zu überholenden Fußgängern sind vorgezeichnet.  Oft wird der Weg auch stadtauswärts von entgegenkommenden Radfahrern genutzt wird. Der gesamte Abschnitt (Bild 13-15) müsste deutlich verbreitert werden.

Etwa 500 m vor der Eulenburg erweitert sich der Geh-Radweg auf komfortable Ausmaße und bietet sogar eine fahrradfreundliche Bitumenfläche (Bild 16). Da kommt Freude auf. Die Freude ist aber nur von sehr kurzer Dauer, wenn man direkt hinter der Eulenburg infolge eines plötzlichen Aufschlages in einem etwa 10 cm runden und 3 cm tiefen Schlagloch aufgeschreckt wird (Bild 17).

Hier und an weiteren noch folgenden Schadstellen müssen die zuständigen Straßenbaulastträger (Stadt BGL und das Land NRW) dringend ausbessern und sanieren. Insbesondere ca. 200 m vor der Einmündung der Dombach-Sander-Straße heißt es, aufzupassen: Der Hang am Rande des Gehwegs rutscht in die Strunde (Bild 18). Die Stelle ist ordnungsgemäß als Gefahrenstelle ausgewiesen inkl. nächtlicher Beleuchtung. Es stellt sich nur die Frage, wann die Beseitigung erfolgt? Im weiteren Verlauf wird der Gehweg aufgrund des schlechten Zustandes zunehmend beschwerlicher für Radfahrer und das Fahren auf der mit Tempolimit versehen Landstraße bietet sich an, zumal im Bereich des Museums oft viel Fußverkehr herrscht. Bei Einfahrten ist die Decke des Gehwegs durch querende KFZ stark lädiert worden (Bild 19). Eine große Pappel wurde gefällt, aber der verbliebene Baumstumpf stellt sich quer und seine aufragenden Wurzelaufbrüche in den Weg und in die Höhe (Bild 20). Spätestens hier gilt nur noch Absteigen, Wechsel auf Straßenfahrbahn.

Fazit des Streckenbefahrung: Der Stresstest „Radfahren im Strundetal“ ergibt ein deutliches „Mangelhaft“ sowohl bei Befahrung in Richtung Spitze als auch von Spitze in Richtung Innenstadt. Weder zügiges noch entspanntes Fahren ist stressfrei möglich, das Risiko für Konflikte mit Fußgängern oder KFZ ist hoch. Maßnahmen und Lösungsmöglichkeiten sind:

  1. Eindeutige Beschilderung „Radfahrer frei“ an den geeigneten Abschnitten

  2. Sanierung der Schadstellen

  3. Tempolimit maximal 70 km/h zwischen Hombachstraße und Dombach-Sander-Straße

  4. Verbreiterung der Geh/Radwege (stadteinwärts rechtsseitig von Herrenstrunden bis GL)

  5. Anlegen eines separaten Radwegs oder zusätzlichen Radstreifens (stadtauswärts rechtsseitig zwischen GL und Herrenstrunden, ggfs. auch bis Spitze)

Übrigens: Wie entspannt das Radfahren auf einer breiten, autofreien Straße sein kann, ist auf dem Strundetalfest am 1.09.2019 zu erfahren.


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