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Aufbruchstimmung beim ADFC NRW

02.07.17

Der ADFC debattierte im Neusser Rathaus.



53 Delegierte aus den Kreisverbänden in NRW waren angereist.


In Neuss als Gastgeberstadt der Landesversammlung 2017 debattierten die Delegierten mit großem Engagement. Und es gab einige Überraschungen.

Eine Überraschung gab es am 20. Mai 2017 bei  der Landesversammlung des ADFC Nordrhein­Westfalen in Neuss. Der Landesvor­stand hatte den 53 Delegierten aus den Kreis­- und Ortsverbänden in NRW einen Dringlich­keitsantrag für die Unterstüzung des neuen Bündnisses „Aufbruch Fahrrad: Verkehrswende für NRW“ vorgelegt, das im Umfeld des Kölner Fahrrad­Thinktanks Radkomm entstanden ist (www.radkomm.koeln).

Vorbild für diese neue Initiative ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin (www.volks­entscheid­fahrrad.de), der ein Fahrradgesetz für das Land Berlin etablieren will. Der ADFC hatte sich anfangs durch sein ablehnendes Verhalten gegenüber den Initiatoren des Volksentscheids blamiert. Diesen Fehler wollte der  NRW­Landesvorstand  nicht  wiederholen Sein Antrag wurde kontrovers diskutiert: Man­ches ADFC­Mitglied gab an, diese Initiative nicht zu kennen, auch wurde Angst laut, der ADFC könne von politischen Parteien unter­ wandert werden. „Wir müssen uns als ADFC nicht hinter denen verstecken“ monierte ein Mitglied.  Michael  Kleine­Möllhoff  vom  Vor­stand hielt dagegen, dass das Aktionsbündnis Fahrrad NRW keiner politischen Partei zuzu­ordnen sei. „Es geht auch nicht darum, immer in allen Punkten mit dieser Gruppe übereinzu­stimmen. Wenn wir die unterstützen, können wir mitwirken, bei den Formulierungen mitbe­stimmen. Wenn wir nur von außen zusehen, dann verpassen wir eine große Chance.“

Alle einig: Aktionsbündnis Fahrrad unterstützen!

Diese Chance liegt auch darin, dass viele Mit­glieder von Aufbruch Fahrrad NRW jünger sind als der ADFC­Durchschnitt. Seit Jahren kämpft der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in  nahezu  allen Landesverbänden mit der Überalterung  seiner  aktiven  Mitglieder.  Die Zusammenarbeit   beider   Radlobby­Gruppen bringt neuen Wind in die Arbeit eines jahr­zehntelang aktiven Vereins. Die Wirkung nach außen darf auch nicht unbeachtet bleiben: Wer Unterstützer und aktive Mitglieder für die ei­gene Ehrenamtsarbeit braucht, muss auch sei­nen jüngeren Mitgliedern das Gefühl geben, dass sie in ihren Interessen vertreten werden. Nach einer lebendigen Debatte wurde dem Dringlichkeitsantrag des Landesvorstandes auf Unterstützung des Aktionsbündnisses mit großer Mehrheit zugestimmt.

Frauennetzwerk gegründet

Auch vorgestellt wurde das bereits im März gegründete Frauennetzwerk im ADFC. Derzeit gehören drei Kreisverbände aus dem benach­barten Niedersachsen und einige aus NRW dem Netzwerk an. Isabelle Klarenaar  (stv. Ge­schäftsführerin beim Landesverband NRW) und Annette Quaedvlieg (Landesvorstand NRW) er­läuterten die Ziele dieses Frauennetzwerkes: Frauen müssen im ADFC noch stärker zu Wort kommen. Oft werde nicht bemerkt, wo Frauen im ADFC arbeiten würden. Neue Zielgruppen sollen angesprochen, einzeln arbeitende Mit­glieder zusammengebracht werden – und das für Leute, die das Gefühl haben, nicht die volle Stimme zu haben.“ (Annette Quaedvlieg).

Frauen sollen Kontakte zueinander aufbauen, Potenziale entwickeln und in Vorstandsposi­tionen gestärkt werden.

Dienstfahrräder für private Nutzung?

Hitzig diskutiert wurde der Antrag des Kreis­verbandes Bielefeld, dass öffentliche Arbeitge­ber  in  NRW  ihren  Beschäftigten geleaste Fahrräder oder Pedelecs gegen Gehaltsum­wandlung zur dienstlichen und privaten Nut­
zung überlassen können. Ein Delegierter aus Wuppertal sieht darin nicht die erhoffte Ver­drängung von Abgas erzeugenden vierrädrigen Dienstwagen, vielmehr würde  aufgrund der steuerrechtlichen Bestimmungen viel Geld verloren gehen. Der Sachverhalt ist sehr kompli­ziert, weil öffentliche Arbeitgeber mit Steuermitteln arbeiten und die Tarifverträge im  öffentlichen Dienst ein Leasing von Dienstfahrrädern nicht unbedingt zulassen. Der Antrag wurde dennoch mehrheitlich angenom­men.

Ein großes Dankeschön geht an den ADFC Rhein­Kreis Neuss für die gute Wegweisung vom Hauptbahnhof zum Tagungsort, dem Rathaus und der Stadt Neuss für die Bereitstellung des Tagungsraumes. Wenn es dann auch mal noch mit der Fahrerlaubnis für Fahrräder vom Haupt­bahnhof Richtung Rathaus und zurück klappt, freut sich jede/r Radler/in – vor allem, wenn sie oder er Neusser Bürger/in ist.

 

 

 

Angelika Steger, ADFC Dortmund

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