Zukünftiges Oxford-Quartier: Uninspiriertes Minimalprogramm

07.11.18
Kategorie: Mobilität, Verkehrsplanung, Münster (OG)

Freie Fahrt? – Oberbürgermeister Markus Lewe am 28. Oktober 2018 an der ehemaligen York-Kaserne (Bild: Martina Kocik)



Lageplan – Oxford-Quartier (Plan: Stadt Münster)



Zweirichtungsradweg Roxeler Straße, Radfahren absurd: Wer nachts bei Regen von Roxel stadteinwärts radelt, sollte zu seiner eigenen Sicherheit schieben (Bild: Udo Puteanus)



Fahrradstadt? Schlimmer geht’s nimmer: Kopfsteinpflaster ...



... und Wurzelaufbrüche auf dem Zweirichtungsradweg an der Roxeler Straße (Bilder: Udo Puteanus)


Jahrzehntelang waren die Oxford-Kaserne in Gievenbeck und die York-Kaserne in Gremmendorf für die Bürgerschaft unzugänglich. Nach zähem Ringen hat die Stadt die Kasernengelände vom Bund gekauft, zwei neue Stadtquartiere sollen hier entstehen. Während die Stadt sich feiert und die geführten Spaziergänge am 28. Oktober 2018 komplett ausgebucht waren, scheinen Fragen von Wohnen und Mobilität nach bewährtem Münsterstandard behandelt zu werden. Vauban ist weit weg. Über autofreies Wohnen wurde wohl kaum nachgedacht. Udo Puteanus, Mitglied der Fachgruppe Radverkehr im ADFC Münsterland hat sich, die (derzeitige und nach derzeitigem Planungsstand bekannte) Anbindung des Oxford Quartiers für Radverkehr näher angeschaut: sein Fazit: uninspiriert und armselig.

 

Jetzt ist es endlich amtlich: auf dem ehemaligen Gelände der Oxford-Kaserne in Münster-Gievenbeck werden 1250 Wohneinheiten entstehen, so der Ratsbeschluss vom 10. Oktober 2018 (Gestaltungsleitlinien zum Bebauungsplan 579, V 0772/2018 III, und V 0362/2018 III. Informationen der Stadt Münster zur Konversion der Oxford-Kaserne)

Damit soll ein „urbanes, vielfältig durchmischtes Stadtquartier mit eigener Identität und vielfältigen visuellen und atmosphärischen Qualitäten entwickelt“ werden. Hört sich irgendwie gut an. Und  zumindest das vorgestellte Wasserkonzept scheint durchdacht zu sein. Doch ambitioniert wäre etwas anderes gewesen, viele Erwartungen wurden nicht erfüllt: Keine zukunftsweisende Energieversorgung für das Quartier, kein Leuchtturm für preiswertes Wohnen, kein Beispiel für tatsächliche Bürgerbeteiligung. Es war eher Münster pur: Wir machen, was vorgeschrieben ist – und nicht mehr.

Mobilitätsplanung von gestern

Wen wundert‘s, dass auch das Thema Mobilität hausbacken bleibt. Immerhin werden die rechtlichen Möglichkeiten genutzt, die Mindestanzahl der Autostellplätze unter 1 pro Wohneinheit zu drücken, Carsharing-Plätze mit E-Anschluss zu planen und sogar über 3000 Fahrradabstellplätze vorzusehen – allerdings lediglich 40 auf Leezenbox-Niveau. Ist das innovativ?

Völlig unbefriedigend – und das kann in der #Fahrradstadt nicht wundern – sind die Planungen zur Anbindung des zukünftigen Radverkehrs aus dem ehemaligen Kasernengelände an die Innenstadt und nach Westen Richtung Roxel. Es bleibt an der Roxeler Straße alles wie es ist: Zweirichtungsradweg in beide Richtungen. Wer in Gegenrichtung zum Autoverkehr – also von Roxel zur Innenstadt – mit maximal 2 Metern Abstand zum KfZ-Verkehr unterwegs ist, wird bei Dunkelheit und Regen absteigen müssen. Denn er wird durch den entgegenkommenden Verkehr stark geblendet und nicht mehr erkennen können, ob vor ihm eine Gefahrenstelle lauert. Für Pendler aus Roxel zur Innenstadt geradezu gruselig: Es wird eine neue Ampel am Eingang des Quartiers errichtet, und die Ampelschaltung soll den Kraftfahrzeugen bei Tempo 50 eine Grüne Welle bescheren. Für Radfahrende bedeutet dies ab der Tankstelle auf 750 Metern stadteinwärts Stopp an vier unterschiedlichen Ampeln, es sei denn, es gelänge, die Strecke mit einer Durchschnitts- geschwindigkeit 50 km/h zu bewältigen.

Zum Glück gilt der Ratsbeschluss vom 10. Oktober nur für das ehemalige Kasernengelände, sodass wir die Hoffnung nicht begraben wollen, dass in absehbarer Zukunft doch noch eine radfahrfreundliche Lösung gefunden wird. Denn zum gegenwärtigen Stand bleibt die Radverkehrsplanung meilenweit hinter den eigenen Ansprüchen der „Entwicklungsziele im stadtregionalen Alltagsradwegenetz“ aus dem Jahr 2016, dem „Radverkehrskonzept Münster 2025“ oder dem „Velorouten“-Konzept aus dem gleichen Jahr zurück. Was der ADFC damals schon als völlig unzureichend kritisierte, wird mit den für das Oxford-Quartier vorliegenden Planungen nochmals deutlich unterboten.

Konstruktive ADFC-Vorschläge schon 2015

Wie es an der Roxeler Straße anders gehen könnte? Dazu hat der ADFC-Münster bereits im März 2015 im Leezenkurier anlässlich der Eröffnung des DB-Haltepunktes Roxel Stellung genommen (z. B. Leezenkurier 111/1-2015): Weg mit dem Zweirichtungsradweg, Neuaufteilung der Fahrbahn mit Fahrbahnverengung für den Kfz-Verkehr, Geschwindigkeitsbegrenzungen auf maximal 50 km/h auf der gesamten Strecke von Roxel zur Innenstadt. Die Anbindung des neuen Oxford-Quartiers mittels Ampel hätte damit zumindest für die Radfahrenden Richtung Innenstadt keine Bremswirkung. Denn für sie könnte bei den insgesamt vier Ampeln „Radfahrer frei“ beschildert werden – wie beim Vorbild Hammer Straße.

Doch die Planungen, die die Stadt zurzeit vorsieht, sind radverkehrspolitisch armselig und bedienen allein die Interessen der Autofahrer. So wird das nichts mit der Mobilitätswende.


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