Wolbecker Straße: ADFC Münsterland und IG Fahrradstadt Münster begrüßen Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht

29.05.20
Kategorie: Verkehrspolitik, StVO, Sicherheit, Mobilität

Aufbruch Fahrrad: ADFC-Aktive vor der Geschäftsstelle – rund 222 Meter von der Wolbecker Straße entfernt.



Nicht mehr benutzungspflichtig: Radweg an der Wolbecker Straße mit Fahrradlobbyisten



Ob Lasten- oder Faltrad: Fahrradaktivisten freuen sich über die freie Fahrt (auch im Bild: ortstypisches Vergehen: Radwegparken)



Aktive von ADFC und VCD auf der "entpflichteten" Wolbecker Straße. 1,5 m Abstand!


„Fahrrad-Highway“ (Promenade) und der famose „Ludgerikreisel“ haben in den letzten Jahren immer wieder die Gemüter der Fahrradfreundïnnen und -aktiven in Münster bewegt. Gleiches gilt für die legendäre erste Fahrradstraße in Münster, die Schillerstraße, und die dazu parallel verlaufende Wolbecker Straße im Hansakiez. Am 18. Mai 2020 wurde nun – endlich – die Radwegebenutzungspflicht (RWBP) auf rund 800 Metern zwischen Servatiiplatz und Hansaring aufgehoben. Im Umfeld des ADFC Münsterland haben sich besonders Rasmus R. (bis vor das Verwaltungsgericht) sowie Nils H. (mit faktenreichen, unermüdlichen Eingaben an die Verwaltung) um diesen Meilenstein verdient gemacht. Eine halbe Meile: ein kleines Stück für die Menschheit, aber ein großer Schritt für Münster. Dies wurde am 26. Mai 2020 von einigen Fahrradaktivistïnnen und Lastenradfreunden in situ gefeiert (siehe Fotos). Der ADFC Münsterland und die IG Fahrradstadt Münster gaben zu diesem Anlass eine gemeinsame Pressemitteilung heraus, die wir hier dokumentieren.

 

Am Dienstag, den 26.05.2020, haben der ADFC und die IG Fahrradstadt gemeinsam die Wolbecker Straße zwischen Servatiiplatz und Hansaring mit unterschiedlichsten (Lasten-)Fahrrädern befahren. Anlass war, die dortige Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht zu begrüßen und andere Verkehrsteilnehmer*innen darauf aufmerksam zu machen, dass Fahrräder ab sofort auch die Fahrbahn mitbenutzen dürfen.

Der ADFC und die IG Fahrradstadt bemängeln bereits seit vielen Jahren, dass der schmale Radweg an der Wolbecker Straße zu den ausgesprochen unfallträchtigen Radwegen in Münster gehört. Besonders viele Schwerverletzte gab es auf diesem Abschnitt bei Unfällen zwischen Radfahrer*innen und Fußgänger*innen, da auch der Gehweg zu schmal für den hohen Fußverkehr ist, entlang der vielen, teils hochfrequentierten Geschäfte und Restaurants.

Die beiden Fahrrad-Interessenverbände teilen daher die Einschätzung der Polizei Münster, dass die jetzigen Radwege an der Wolbecker Straße eher kontraproduktiv für die Verkehrssicherheit seien. Die StVO sieht eine Radwegebenutzungspflicht nur ausnahmsweise bei einer besonderen, örtlichen Gefährdungslage vor. Diese für eine Radwegebenutzungspflicht notwendige Gefährdungslage ist spätestens 2019 mit der Temporeduzierung auf 30 km/h weggefallen. Bei Tempo 30 ist es aus Sicht des ADFC und der IG Fahrradstadt für Radfahrer*innen an der Wolbecker Straße sicherer, die Fahrbahn zu nutzen als den mangelhaften Radweg. Insbesondere die Trennung von Radverkehr und Fußverkehr sowie die besseren Sichtbeziehungen zum Kraftverkehr tragen hierzu erheblich bei.

Um mögliche Konflikte zu vermeiden und über die Neuregelung aufzuklären, ist eine Umsetzung begleitender Maßnahmen förderlich. “Wir fordern von der Stadt Münster hier zeitnah tätig zu werden und für eine Eingewöhnungsphase Schilder aufzustellen, die auf die geänderte Benutzungspflicht aufmerksam machen.” so Joachim Bick von der IG Fahrradstadt.

Besonders erfreut sind beide Interessenverbände darüber, dass sich die Verwaltung bei der Umsetzung der Maßnahme an das „Radverkehrskonzept Münster 2025“ gehalten hat: Die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht an der Wolbecker Straße und die jetzt umgesetzte „duale Führung“ wurde im Jahr 2016 auf Antrag von CDU und Grünen explizit als Maßnahme in das neue Radverkehrskonzept der Stadt aufgenommen.

Der Abschnitt der Wolbecker Straße wird schon heute mit durchschnittlich etwa 11.000 Radfahrer*innen pro Tag von deutlich mehr Fahrrädern als Autos befahren. Die jetzige Aufteilung des Straßenraums an der Wolbecker Straße trägt dieser Nutzungsaufteilung jedoch nur unzureichend Rechnung. Die Stadt Münster wird daher für diesen Abschnitt der Wolbecker Straße noch dieses Jahr ein Bürgerdialogverfahren zur Neuaufteilung des Straßenraums durchführen.

Siehe Ratsvorlage V/0062/2020 Stadtverträgliche Mobilität: Moderiertes Dialogverfahren zur Neuaufteilung des Verkehrsraums an der Wolbecker Straße.

ADFC und IG Fahrradstadt werden sich hier für deutliche Verbesserungen zugunsten von Radfahrer*innen und Fußgänger*innen einsetzen. Wir gehen davon aus, dass sich damit nicht nur die Verkehrssituation verbessern wird sondern auch die Wolbecker Straße, als städtischer Raum, an Lebensqualität gewinnen wird.

Bilder: Norbert Bieder

 

 


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