Viele Radwege in Münster sind nicht breit genug

07.12.09
Kategorie: Münster, Aktuelles, Presse, Verkehr, StVO, Sicherheit

Am 3. Dezember referierte im Forum der Münster Arkaden Roland Huhn, der Rechtsreferent im Bundesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), vor rund 50 Besuchern über die Neuerungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) für Fahrradfahrer.

Zu dieser Informationsveranstaltung hatte der ADFC Münster im Rahmen der Ordnungspartnerschaft Verkehrsunfallprävention eingeladen. Huhn zeigte sich mit den  Änderungen der StVO ab dem 1. September 2009 für die Fahrradfahrer zufrieden, konnte doch der ADFC im Vorfeld viele seiner Vorstellungen beim Gesetzgeber durchsetzen.

Erfreulich ist, dass es nun ein generelles Parkverbot auf den Fahrradschutzstreifen gibt. Zudem gibt es keine Bevorrechtigung von Bordsteinradwegen mehr, diese sind den Fahrradstreifen auf der Fahrbahn und den Schutzstreifen gleichgestellt. Die Anordnung der Radwegebenutzungspflicht für Bordsteinradwege ist nur noch der Ausnahmefall: Die blauen Radwegschilder, die zum Benutzen des Radwegs verpflichten, darf die Stadt nur dann aufstellen, wenn das Befahren der daneben liegenden Straße unverhältnismäßig gefährlich wäre. Bei Verschmutzung der Bordsteinradwege mit Laub, Schnee etc. darf ohnehin auf die Fahrbahn gewechselt werden.

Die schwer verständlichen Regeln zur Benutzung von Ampeln wurden auf zwei Kernaussagen reduziert: Für Radler auf der Fahrbahn gilt künftig die Fahrbahnampel und für Radler auf Radwegen die Fahrradampel. Deutliche Worte fand Huhn zu Fahrradampeln ohne Gelbphase. Hier müssen Radler, wenn das Rotlicht sie kurz vor dem Passieren der Ampel  überrascht, keine Notbremsung machen, sondern dürfen weiterfahren - ähnlich wie Fußgänger, die auch beim Umspringen der Ampel auf Rotlicht nicht mehr auf der Fahrbahn umkehren müssen, sondern ihren Weg auf die andere Straßenseite fortsetzen dürfen. In den Räumzeiten der Ampel sind dafür ca. zwei Sekunden als imaginäre  Gelbphase  einkalkuliert.

In Fahrradstraßen gilt künftig einheitlich 30 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Auf Gehwegen und in Fußgängerzonen, die für den Fahrradverkehr freigegeben sind, heißt es künftig nicht mehr mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren, sondern mit angepasster Geschwindigkeit. Huhn:  „Schrittgeschwindigkeit war eine weltfremde Forderung, bei der der Fahrradfahrer sich nur durch Schlangenlinienfahrt auf dem Rad halten konnte, um nicht umzufallen!“

In der abschließenden regen Diskussion, an der sich auch Vertreter der Polizei beteiligten, wurde der Rechtsreferent immer wieder gefragt, was unter angepasster Geschwindigkeit oder ausreichendem Abstand zu fahrenden oder parkenden Autos zu verstehen sei. Huhn verwies darauf, dass der Gesetzgeber hierzu keine festen Regeln erlassen habe, da es immer auf den Einzelfall ankomme. Zu parkenden Autos sei ein Mindestabstand von 75 - 125 cm und zum rechten Fahrbahnrand ein Abstand von 50 - 100 cm angemessen.  Überholende Autos müssen nach der Rechtsprechung einen Mindestabstand von einem Meter und außerorts von 1,50 Meter einhalten. Bei schnellen Lkw außerorts kann sogar ein Abstand von 2 Metern zum Fahrradfahrer angemessen sein. Ein Diskutant wollte wissen, ob es für die Fahrradfahrer eine Höchstgeschwindigkeit gäbe. Auch diese Frage blieb an diesem Abend nicht unbeantwortet: Die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts gilt nur für Kraftfahrzeuge, Geschwindigkeitsbeschränkungen durch Schilder wie Tempo 30 sind aber auch für Radfahrer verbindlich.

Die Frage nach Mindestbreiten von Radwegen beantwortete Huhn wie folgt:  „Diese Maße stehen nicht mehr in der Verwaltungsvorschrift zur StVO. Stattdessen weist sie auf die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) hin.“ Nach diesen Empfehlungen muss ein einseitiger Radweg oder Fahrradstreifen für  überholende Radfahrer oder Radfahrer mit Anhänger eine Mindestbreite von 1,60 Meter haben. Diesen Mindeststandard bieten in Münster viele der vorhandenen Bordsteinradwege leider nicht. Dem sollten die Planer und Politiker mehr Rechnung tragen, da die sehr unterschiedlichen Fahrradfahrer, vom Kind bis ins hohe Alter, ganz individuelle Bedürfnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten haben. Daraus, dass sie unterschiedslos zum gemeinsamen Fahren auf schmalen Bordsteinradwegen verpflichtet werden, ergeben sich viele Unfälle der Radfahrer untereinander.

Abschließend gab Huhn den Zuhörern noch die Leitlinie des ADFC mit auf den Weg, sich im Straßenverkehr als Fahrradfahrer selbstbewusst nach außen und defensiv nach innen zu verhalten, um so sicher und gesund nach Hause und durchs Jahr zu kommen.


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