Überwiegend heiter – das Fahrradklima in Deutschland - Münster ist 2012 wieder auf dem 1. Platz

06.02.13
Kategorie: Münster, Presse, Rad in den Medien, Verkehr

Fahrradklimatest 2012 - Christian Schowe, Peter Wolter, Karin Reismann und Ulrich Syberg(v.l.n.r.) Foto: PW


2012 wurde der fünfte (seit 1988) bundesweite Fahrradklimatest vom ADFC und dem Bundesverkehrsministerium durchgeführt. Münster kam bei den Städten über 200.000 Einwohnern wieder auf den 1. Platz, vor Freiburg und Karlsruhe. Der Vorsprung war aber längst nicht mehr so klar wie noch 2005. Viele Städte haben enorm aufgeholt und Münster verharrt leider auf hohem Niveau.

332 Städte und 79.000 Teilnehmer haben beim Fahrradklimatest 2012 mitgemacht. Rund 74.000 dabei per Internet und 5.000 per Fragebogen. Das besonders erfreuliche, NRW ist vor Baden-Würtemberg dabei ganz vorne. In der Kategorie bis 200.000 Einwohner belegte Hamm den 3. Platz und bis 100.000 Einwohner sind gleich alle drei Städte aus NRW auf dem Treppchen: 1. Bocholt, 2. Rees und 3. Rehde. Damit sind aus dem Münsterland mit Münster, Bocholt und Rehde gleich 3 Städte beim Fahrradklimatest ausgezeichnet worden. „Darauf bin ich für unseren ADFC Kreisverband Münster / Münsterland besonders stolz!, sagt hocherfreut der Vorsitzende des Kreisverbandes Peter Wolter bei der Verleihung.

Am 1. Februar fand die Preisverleihung im Bundesverkehrsministerium in Berlin statt. Im Rahmen der Feierlichkeiten nahm Frau Bürgermeisterin Karin Reismann für die Stadt Münster die Auszeichnung vom ADFC Bundesvorsitzenden Ulrich Syberg entgegen.

Jan Mücke, Parlamentarischer Staatsekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sagte: „Viele Städte wurden in ihrem Engagement für die Radverkehrsförderung bestätigt. Und Städte, die erst am Anfang der Radverkehrsförderung stehen, werden zur Nachahmung motiviert. Die Testergebnisse zeigen aber auch, dass es noch vieles zu verbessern gibt. Daran wollen wir gemeinsam arbeiten. Der Bund leistet seinen Beitrag hierzu mit dem „Nationalen Radverkehrsplan 2020.“

Die Durchschnittsbewertung verschlechterte sich allerdings im Vergleich zum letzten Fahrradklima-Test 2005: Die Radfahrer bewerteten ihre Kommunen insgesamt schlechter als vor sieben Jahren. Dass sich die Situation für Radfahrer tatsächlich verschlechtert hat, ist allerdings kaum anzunehmen. Der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg sagte: „Wir nehmen an, dass sich in den letzten Jahren ein stärkeres Bewusstsein für die Probleme von Radfahrern gebildet hat.“ Zu enge Radwege oder mangelnde Abstellmöglichkeiten sorgen für schlechtere Bewertungen. „Das Fahrrad steht zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit. Schlechte Bedingungen für den Radverkehr werden nicht mehr als unveränderlich hingenommen. Radfahrer entwickeln ein neues Selbstbewusstsein und fordern ihre Rechte ein“, betonte Syberg.

Auffällig ist, dass die Städte weit vorne in der Rangliste landen oder sich stark verbessern, die sich die Förderung des Radverkehrs explizit auf die Fahnen geschrieben haben. So haben sich neben Karlsruhe auch München und Frankfurt am Main deutlich zum Positiven entwickelt. Beide Städte engagieren sich, um Menschen aufs Rad zu bringen: München mit seiner Radlhauptstadt-Kampagne, Frankfurt setzt mit seinem Radfahrbüro Standards der Radverkehrsförderung.

In den Beiträgen bei der Verleihung der Preise wurde auch öfters das Stichwort Intermodalität genannt, also die intelligentere Verknüpfung aller Verkehrsarten untereinander als Lösung für die Zukunft. Beispiel Düsseldorf-Card, eine Karten für alle und alles, von der Bezahlung im Bus bis zum Bezahlen im Parkhaus oder der Ausleihe von Fahrrädern. Städte wie Koppenhagen, Paris, London oder Barcelona setzen einseitig massiv auf das Fahrrad, weil die Menschen am MIV (Motorisierter IndividualVerkehr) im wahrsten Sinne des Wortes zu ersticken drohen.

Prof. Beckmann vom Deutschen Institut für Urbanistik DIFU, stellte erfreulich fest, dass der Trend bei den jungen Menschen weg geht vom Auto. Als Statussymbol zählt heute eher das IPhone oder IPad. So lag die Autonutzung junger Menschen 1999 bei 65%, in 2008 dagegen nur noch bei 47%. „Natürlich spielt bei den Städten auch die Verfügbarkeit von attraktiven Nahverkehrsmitteln eine enorme Rolle, so gibt es auf 1000 Einwohner in Düsseldorf gut 500 Autos in Berlin sind es gerade mal 324. Das ist z.B. auch dem enorm vielfältigen Verkehrsangebot mit U- und S-Bahnen geschuldet“, so Beckmann weiter.

Am Rande der Veranstaltung sprachen Christian Schowe, Leiter des Stadtplanungsamtes und Peter Wolter, Vorsitzender des ADFC Münster / Münsterland e.V. darüber, wie Münster angesichts der angespannten Kassenlage der Stadt dennoch neue Impulse zur Fahrradförderung und zur weiteren Verbesserung des Fahrradklimas setzen könnte. Eine Idee, die in den nächsten Wochen konkretisiert werden soll, ist es, einen „Runden Tisch Umweltverbund“ (Arbeitstitel) für das Rad, Bus, Fuß und Bahn, einzurichten. Dieser Runde Tisch (alle sprechen auf Augenhöhe), soll weitere Synergieeffekte ausloten und neue kostengünstige Ideen entwickeln. Alle Gruppen und Vereine, wie z.B. Stadt, Stadtwerke, ADFC, VCD, ACE, ADAC, Fuß e.V., DB, usw. sollen dazu eingeladen werden. Klar war man sich auch, dass daneben eine Lösung für die Infrastrukturprobleme, Radschnellwege aus der City ins Umland darstellen würden. Jedoch ist diese Realisierung, aufgrund der knappen öffentlichen Kassen, eher mittel- bis langfristig anzusehen. Der ADFC wird im Leezen-Kurier und über seine Homepage über den weiteren Vorgang berichten.

Peter Wolter
Vorsitzender des ADFC Münster / Münsterland e.V

 


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