Steverlandroute (Betatest)

12.07.17
Kategorie: Aktionen, Aktuelles, Kreisverbände, Münster, Presse, Tourismus

Logo der Steverlandroute



Start der Steverlandroute Bauerschaft Uphoven in den Baumbergen



Der ADFC Münsterland schilderte den Betatest aus



Einkehr (v.l.) Cathrin Kaehler (Projektmanagerin), Bürgermeister Borgmann (LH), Regionale Geschäftsführerin Ute Schneider, Landrat Dr. Schulte-Pellengahr, Bürgermeister Täger (Senden)



Dreibogenbrücke (Alte Fahrt bei Olfen)



Wilhelm Sendermann, Bürgermeister von Olfen und brandneues ADFC Mitglied, nimmt das XXL-Logo entgegen von Cathrin Kähler



Peter Mehmke, OG Sprecher Olfen, in einem der weißen Pavillons



Abschildern mit Steverlandgänsen


Auf einer Länge von 58 Kilometern fließt die Stever durch das westliche Münsterland. Für die Regionale 2016 schilderte der ADFC Münsterland die geplante Steverlandroute aus und begleitete eine Probetour von der Quelle bis zum Stever-Auenfest in Olfen. Während der Streckenverlauf weitestgehend bekannt ist – macht der neue Themenradweg den Weg des Wassers neu erlebbar. Sozusagen vom Regentropfen bis zum Wasserhahn.

Die Regionale 2016 ist ein Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen für das Westmünsterland; beteiligt sind die Kreise Borken und Coesfeld sowie einige Gemeinden in angrenzenden Kreisen – wie zum Beispiel die Stadt Selm. Die Regionale 2016 steht unter dem Motto „ZukunftsLAND“. Ein zentrales Thema ist die Weiterentwicklung der Münsterländer Parklandschaft vor dem Hintergrund konkurrierender wirtschaftlicher, ökologischer und touristischer Interessen. Aus einem komplexen Bewerbungsverfahren hat sich eine Reihe von Projektideen herauskristallisiert, die von einer Agentur mit Sitz in Velen koordiniert werden.
Radtouristisch interessant ist vor allem die übergreifende „Gesamtperspektive Flusslandschaften“, die sich den Entwicklungschancen der Lippe-Flussauen mit ihren Zuflüssen Heubach und Stever im Süden und Osten, Issel, Bocholter Aa, Schlinge, Berkel und Ahauser Aa im Westen sowie Dinkel und Vechte im Norden des Fördergebietes widmet. Dabei werden alle Facetten – Ökologie, Hochwasserschutz, Landschafts- bzw. Naturschutz, städtebauliche Aspekte und Flusserleben – miteinbezogen.

Wege des Wassers erlebbar machen

Am 25. Juni, einem Sonntag, kam das Wasser zunächst von oben, als sich eine kleine Schar von Radfahrenden in der Bauerschaft Uphoven traf und von Bürgermeisterin Manuela Mahnke begrüßt wurde. Nördlich von Nottuln und südlich des Longinusturms, dort wo die Quellen der Stever zu Tage treten. Rund ein Jahr vor der geplanten Eröffnung der Steverlandroute wollten Kommunalpolitiker, Touristiker, Umwelt- und Wasserschutzexperten sowie ein paar Neugierige den geplanten Themenradweg erkunden. Wirklich neu ist die Steverlandroute nicht, nimmt sie doch größere Teile der bekannten Sandsteinroute und der beliebten Schlösserroute auf. Neu ist indes der thematische Bezug: das Projekt folgt den Spuren des Wassers. Von den Quellen der Stever bis zu ihrer Mündung (in die Lippe bei Haltern) soll eine „Lernlandschaft“ entlang einer 76 km langen Radroute entstehen. Artenvielfalt, Naturschutz, Erholung. Sechs Städte und Gemeinden werden so direkt verbunden; kleine Exkursionen nach Seppenrade oder Nordkirchen-Capelle sind zusätzlich möglich. Der Radweg soll zudem Bindeglied zwischen bereits bestehenden (über)regionalen Themenrouten sein: Berkelroute, Römer-Lippe-Route und Bocholter Aa-Radweg. Ziel der Pionierfahrt war Olfen, wo an diesem Tag auch das Stever-Auenfest stattfand  – und wo die jüngste Ortgruppe des AFDC Münsterland im März 2017 gegründet wurde.

Sechs Gemeinden, zwei Kreise, ein Logo

Ein Fluss macht nicht vor Gemeinde- und Kreisgrenzen halt. Die Steverlandroute beginnt in Nottuln, führt durch das Stevertal über Appelhülsen, Senden, Lüdinghausen, macht einen kleinen Schlenker in den Kreis Unna (Richtung Selm) und geht über Olfen, entlang der Halterner Stauseen bis zur Mündung in die Lippe bei Haltern am See.
Auf die erste Ampel trifft man im Zentrum von Appelhülsen; bei der Ortsdurchfahrt könnte die Streckenführung noch attraktiver werden – kurz danach geht es vorbei an den alten Rieselfeldern und der modernen Kläranlage unmittelbar an der Stever entlang (ein nach dem Heimatdichter Josef Uhlenbrock benannter Weg). Vorbei an Wasserrosen und Gänsefamilien durch die verträumten Steverauen. Erster Stopp war im Bürgerpark von Senden. Bürgermeister Sebastian Täger reichte Erfrischungen und Informationen zu den geplanten Veränderungen: umfassender Umbau der innerörtlichen Stever, Aufwertung der Kanaluferpromenade, Umgestaltung der Stauwehre und eine Renaturierung der Alten Fahrt am Dortmund-Ems-Kanal. Wie bei allen weiteren Stationen wurde das neue Routenschild symbolisch überreicht.
Vorbei an der Burg Kakesbeck, die Stever mehrfach kreuzend, rollte es weiter nach Lüdinghausen, wo nicht nur Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr, sondern auch ein Mittagsimbiss im Pferdestall wartete. Bürgermeister Richard Borgmann nannte die geplante Steverlandroute schon in einer Kategorie mit den ADFC-zertifizierten Qualitätsrouten in Bayern. Nun; das Spannende in Lüdinghausen ist, dass die Themen Wasser und Geschichte qwasi zusammenfließen; auch wenn aktuell daran noch schwer gebaut wird. Burg Vischering, die ungefähr auf halber Strecke der Steverroute liegt, soll zu einem Wissens- und Erlebnismuseum umgebaut werden. Zudem soll in Lüdinghausen der Landschaftsraum zwischen den Burgen und der Altstadt als Natur- und Naherholungsraum attraktiver gestaltet werden. Denn die Stever ist auch für die Burg Vischering und die Burg Lüdinghausen mit ihren Gräftensystemen (Mühlen-, Oster- und Vischering Stever) prägend und von historischer Bedeutung. Frisch gestärkt ging es dann durch die Altstadt, vorbei an Strucks Kuh und der sogenannten Rialtobrücke – und danach entlang des wohl schönsten Steverstücks.
Frisch asphaltierter und markierter, glatter Untergrund für den Radfahrer, eine dichte Wasserrosendecke auf der Stever, zwischen Radweg und den allgegenwärtigen Maisfeldern eine bunte Ausgleichsfläche aus Wildblumen (Kuckuckslichtnelke, Bocksbart, Schafgarbe, Hauhechel, Klappertopf oder Wiesendost). Auf einer zugewucherten Brücke sogar ein Strandkorb – der Richtung Sonnenuntergang blickt.
Schon bald wird zunächst Lüdinghausen und kurzfristig auch der Kreis Coesfeld verlassen. Der Kreis Unna wird touchiert. (Anmerkung: Der bisherige Stever-Routenplan zum Ternscher See, der zweimal vorsieht, eine vielbefahrene Landstraße zu kreuzen, ist nach ziemlich einhelliger Meinung der Betatester, noch nicht optimal.) Am See wartete bereits die nächste Delegation, angeführt von Bürgermeister Mario Löhr, der die Truppe auf der letzten Etappe nach Olfen begleiten will. Nun heißen die Themen: Wasserzwischenräume und Freizeitnutzen.

Zwischen Selm und Olfen und dem 2Stromland

Die Städte Selm und Olfen erarbeiten  (gemeinsam mit Moritz Graf vom Hagen-Plettenberg vom nahem Schloss Sandfort, dem einige Seegrundstücke gehören) ein “interkommunales Konzept zur ökologischen und gestalterischen Aufwertung und Entflechtung des hochfrequentierten Erholungsraums zwischen Ternscher See, Stever, Selmer Bach und Dortmund-Ems-Kanal“, wie das in bestem Projektdeutsch heißt. Mit anderen Worten: Hier ist viel los – aber es fehlte bislang die Infrastruktur.
Aus einem stacheldrahtgesäumten Trampelpfad haben die beiden Srädte in gemeinsamer Arbeit einen gut ausgebauten Weg geschaffen. Der verläuft unter dem Dortmund-Ems-Kanal und auf Olfener Gebiet unter der historischen Dreibogenbrücke (Achtung, sehr enge Stelle!) bis hin zu den Steverauen. Geplant sind u.a. noch eine Vergrößerung des Ternscher Sees, Aussichtstürme und eine Modernisierung des Campingplatzes. Auch in Olfen soll ein Stellplatz für Campingmobile entstehen; einen großen Biergarten in Stevernähe gibt es hier schon. Und eine prächtige renaturierte Auenlandschaft in der Heckrinder, Konikpferde und einige Poitou-Esel leben. Auch lustige Floßfahrten sind möglich. Mit Geld und Know-how der Regionale 2016 soll an der Füchtelner Mühle ein Außerschulischer Lernort zum Thema „Wasser und Landschaft“ am Steverauenweg entstehen. Zwischen Lippe und Stever, zwischen Olfen und Haltern am See, zwischen dem Ruhrgebiet und dem Münsterland liegt ein fast vergessener Raum – inzwischen 2Stromland genannt. Vom Hof Schulze Kökelsum führen die Letzen Kilometer der Steverlandroute Richtung Hullern und Halterner Stausee. Der genaue Streckenverlauf wird noch abgestimmt.

Diesmal war allerdings an der „magentafarbenen Himbeere“ der Regionale Schluss. Zwischen 4.000 bis 5.000 Besucher kamen an diesem Sonntag zum Stever-Auenfest und tummelten sich zwischen den weißen Pavillons. Nachdem auch Bürgermeister Wilhelm Sendermann das Radweg-Logo (in XXL) von Catharina Kähler, Projektmanagerin der Wasserwege Stever, entgegengenommen hatte, gab es ein Glas Sekt und gute Laune. Regionale-Geschäftsführerin Ute Schneider hatte ihre Freude.

Bürgermeister Sendermann - neues ADFC Mitglied

Bester Dinge war Peter Mehmke, Sprecher der frisch gegründeten Ortsgruppe Olfen, auch wenn er noch im „Leihzelt“ der Nachbarn aus Lüdinghausen saß. (Der Vorsitzende des ADFC Münsterland sagte noch vor Ort eine eigene Beschilderung zu!Unverzagt warben die Olfener bereits einige neue Mitglieder – unter ihnen Bürgermeister Sendermann!

Fazit: Die Steverlandroute verspricht eine abwechslungsreiche, chillige Themenroute entlang des Wassers zu werden. Während der Einstieg (Quellen in Nottuln) nicht ganz so leicht mit dem Zug zu erreichen ist (hier bietet sich am ehesten Billerbeck an), ist die Rückfahrt vom Zielort Haltern (oder Sythen) problemlos. Am Wegesrand gibt es schon jetzt viel Abwechslung: Naturbeobachtung und Geschichte, verträumte Auen und zahlreiche Einkehrmöglichkeiten, Badeseen und Aussichtspunkte. Wir sind gespannt, was das Regionale 2016-Projekt – außer der Beschilderung – bis zum nächsten Jahr noch hinzufügt. (www.wasserwege-stever.de)

Text und Bilder: Andreas K. Bittner


© 2017 ADFC Kreisverband Münsterland e. V.