Radfahrschule: Trainerseminare in Münster

10.09.18
Kategorie: Sicherheit, Seminar

Teilnehmende des Trainerseminars No. 11 im August 2018 (ganz rechts: Ernst Metzler)



Schulungsgruppe: Trainerseminare seit 2016 beim ADFC in Münster



Schulungsräder: Ein Blick in unseren Fahrradkeller



Radfahrschule im ADFC Münsterland (Bilder: Andreas K. Bittner)


Seit Jahrzehnten gibt es die Radfahrschule des ADFC im Münsterland – für Einzeltrainings und Gruppen. Seit 2016 bieten wir mit Erfolg auch Trainerseminare an – ein Angebot für Multiplikatoren und eigentlich ein Selbstläufer.

 

Ich halte Dich am Gepäckträger fest und du bleibst im Gleichgewicht und irgendwann lass’ ich dich dann los,“ so oder ähnlich sieht eine selbstgestaltete Trainingsstunde aus, wenn Erwachsene das Fahrradfahren lernen sollen. Findet so ein Vorhaben dann noch unter Eheleuten statt, dann vergehen nur wenige Minuten bis das gutgemeinte Unternehmen scheitert.

Über 100 Trainerinnen und Trainer ausgebildet

Da begibt man sich doch besser in die Hände von Fachleuten, von speziell ausgebildeten Fahrradtrainern. Und die lernen ihr Handwerk zum Beispiel in der Radfahrschule des ADFC in Münster in einem Trainerseminar. Einhundertfünfzehn Interessierte sind seit 2016 ausgebildet worden. Sie kamen aus ganz NRW und selbst aus Hamburg hat eine junge Frau den Weg nach Münster gefunden, um in der Hansestadt Unterricht zu erteilen.

Die Ausbildung ist kompakt. Sie ist gefüllt mit viel Wissen und Erfahrung des Seminarleiters und lässt an zwei Tagen die Köpfe der Teilnehmenden ordentlich rauchen. Kurs­organisation, Auswahl eines Geländes, Haftungsfragen, Personaldisposition, sind die ersten Themen eines Seminartages. Es folgt ein fundierter medizinischer Vortrag über die Gleichgewichts- entwicklung beim Radfahrenlernen. Inzwischen macht dies Frau Dr. Fister, eine Ärztin, für uns. Fehlendes Gleichgewicht und eingeschränkte Motorik – daraus können Probleme während der praktischen Ausbildung resultieren.

Grundregel. Es wird niemand festgehalten, niemand wird angefasst. Wie das geht? Das lernen die Teilnehmenden im zweiten Kursabschnitt, auch anhand praktischer Demonstrationen. Da helfen Kreiselkräfte, aber wie wirken die? Und die Ängste der Lernenden, wie geht man damit um? Wie kann man ernste Gleichgewichtstörungen erkennen? Wie kann der Drehimpuls beim Pedalieren im Kopf des Fahrschülers verankert werden? Viele Fragen tauchen auf – und beinahe auf jede gibt es eine Antwort.

Zum guten Schluss des Tages steht noch die Straßenverkehrsordnung (StVO) auf dem Plan. Die zukünftigen Kursleiter müssen sich durch radfahrspezifische Verkehrsschilder kämpfen. Wie erklärt man einer afghanischen Fahrschülerin die Radwegebenutzungspflicht? Auch dafür gibt es im Trainerseminar Lösungen und Antworten.

Tag 2: Praxistraining im geschützten Raum

Das Fahrrad als Laufrad benutzen ist Thema des zweiten Tages. Alle zehn Grundübungen für Anfänger müssen die Teilnehmer selbst „durchleiden“. Nur so bekommen sie ein Gefühl für die Anforderungen, die sie an ihre Fahrschüler stellen. Hier fließen viele Erfahrungen des Seminarleiters mit ein, die oft ungläubiges Staunen der Teilnehmer auslösen, was so alles zu bedenken ist. Zur Auflockerung gibt es einige Zitate aus einem alten Literaturfund. Eigentlich hat sich in der Radfahrerschulung nichts Wesentliches geändert: Mühe und Schweiß waren schon damals gefordert und professionelle  Fahrradtrainer gab es 1895 auch schon.

Bleibt noch zu erwähnen, dass die Nachfrage nach weiteren Trainerseminaren besteht. Es reißt nicht ab! Packen wir´s an!

Seminare für Migrantinnen: Ich will das können!

Die Radfahrschule des ADFC Münsterland veranstaltet schon seit mehreren Jahren Fahrradkurse für Migranten und Migrantinnen. In einmonatigen Kursen erlernen die Teilnehmende nicht nur den Umgang mit dem Fahrrad, sondern sie erkennen auch nebenbei die kulturelle Bedeutung des Fahrrades, vor allem hier in Münster. Die Frauen lernen mit sehr großen Engagement und viel Anstrengung. "Ich will das können!", das hören die Trainer immer wieder und  beobachten, wie die Teilnehmerinnen unermüdlich üben. Aus ihren Bemühungen kann man deutlich den Wunsch nach Integration erkennen und sei dieses  Mosaiksteinchen "Fahrradfahren" auch noch so klein, die Lernenden wissen sehr wohl, dass sie mit Radfahren schneller ein Bestandteil der Gesellschaft werden können. Wie groß der Wunsch von Migranteninnen nach Radfahrkursen ist, kann der ADFC in Münster sehr deutlich mit Zahlen belegen. Und genau wegen dieser zahlreichen Wünsche aus den Flüchtlingsunterkünften, Anfängerkurse zu abzuhalten, entschloss sich der ADFC Fahrradtrainer auszubilden. Mittlerweile sind zehn Seminare durchgeführt worden, ein elftes Seminar ist ausgebucht, und über einhundert Absolventen können nun die Arbeit zur Integration vor Ort unterstützen.

Weitere Informationen zu unserer Radfahrschule hier.


© 2018 ADFC Kreisverband Münsterland e. V.