Park statt Parkplatz Aktionsbündnis ruft zum Internationalen PARK(ing) Day am 15. September auf.

21.08.17
Kategorie: Aktionen, Aktuelles, Gesundheit, Münster, Presse, Verkehr


Seit September 2005 findet jeweils am dritten Freitag im September der internationale PARK(ing) Day statt. Für kurze Zeit erobern Menschen den öffentlichen Raum ihrer Stadt von den Autos zurück. Rollrasen statt Blechwüste. Liegestuhl statt SUV. Parkplätze werden spontan zum Park.

In diesem Jahr hat sich ein Aktionsbündnis aus verschiedenen Vereinen und Initiativen zusammengetan, um diese kreative Aktion erstmals in Münster stattfinden zu lassen. Simon Chrobak von der IG Fahrradstadt Münster: „Wir wollen etwas gegen die Dominanz der Autos tun und uns für lebenswertere Städte einsetzen“. Andreas K. Bittner vom ADFC Münsterland ergänzt: „Wir glauben, dass ein wesentlicher Aspekt der Verkehrswende eine Neuverteilung des zunehmend knappen urbanen Raumes ist. Der PARK(ing) Day lädt dazu ein, unsere Stadt aus einem neuen Blickwinkel kennenzulernen.“

Mehr Grün- und Begegnungsflächen für die Stadtgesellschaft

Warum dürfen sich private Fahrzeuge auf öffentlichen Flächen so breit machen? Haben Fahrzeuge mehr Rechte als Menschen? Ist es nicht absurd, in Zeiten explodierender Mieten, Lebensraum für den ruhenden Individualverkehr zu verschwenden? Ein durchschnittlicher PKW benötigt ca. 15 qm Stellfläche; dies entspricht in etwa dem Flächenbedarf von acht Fahrrädern. Hinzu kommt der zunehmende Parksuchverkehr, der bis zu 30% des Verkehrs in Großstädten ausmacht. Laut einer Untersuchung der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 parkt jedes Auto durchschnittlich 23 Stunden am Tag – Planer sprechen deshalb längst vom „Stehzeug“. Die Folge ist, dass das Auto die schönsten Plätze zum Sitzen, Spielen, Flanieren oder Tagträumen blockiert. In Münster wird für das oberirdische Parken im erweiterten Innenstadtbereich eine enorme Fläche beansprucht. Diese Verschwendung von begrenztem öffentlichem Raum ist grotesk, inzwischen allerdings so weit verbreitet und alltäglich, dass kaum noch jemand diese Zustände hinterfragt.

Das Auto ist zu 96% ein Stehzeug

Um wieder ein Bewusstsein für alternative Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen, beteiligen sich weltweit immer mehr Menschen am PARK(ing) Day. An verschiedenen Orten in Münster, sowie gleichzeitig in vielen anderen Städten in Deutschland und weltweit, werden Anwohner, Passanten und Touristen eingeladen, eine kleine Pause im Grünen zu machen – inmitten ihrer Stadt. Am 15. September widmet der ADFC Münsterland zusammen mit der Interessengemeinschaft Fahrradstadt Münster, dem Unternehmen Stadtteilauto, dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie der Initiative „Lasse - dein Lastenrad“ öffentliche Parkplätze in temporäre Parks um. Vielleicht rollen sie grünen Rasen aus, stellen Stühle zum Ausruhen und grüne Pflanzen auf. Ein kleiner Stadtgarten? Ein Lastenrad-Café? Ein öffentlicher Leseraum? Ein kleiner Minigolf-Platz? Eine Galerie? Platz für Yogamatten oder eine Slackline? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auf den ersten Blick wirken diese Aktionen vielleicht skurril. Aber ist es nicht viel eigenartiger, dass wir immer mehr und größeren Fahr- bzw. Stehzeugen unseren öffentlichen Raum überlassen? Dabei geht es nicht nur um ökologische Aspekte, Gesundheitsbelastungen oder Lärm. Es geht um grundsätzliche Fragen einer wiederzuentdeckenden urbanen Lebensqualität, um eine am Menschen und an seinen sozialen Bedürfnissen orientierte Stadtplanung, um eine neue politische und ökologische Dynamik im Stadtraum.

Kostbarer urbaner Raum, neu gedacht!

Am 16. November 2005 schwebte der kalifornische Künstler- und Aktivistengruppe REBAR eine Art Schnellkurs in Guerilla-Stadtplanung vor. Nach Berechnungen von REBAR waren 70% der öffentlichen Fläche im Zentrum von San Francisco privaten Kraftfahrzeugen vorbehalten. „Einer der kritischen Faktoren im öffentlichen urbanen Raum ist der fehlende Platz für Menschen, die ausruhen, entspannen oder einfach nichts tun möchten.“ (REBAR) Die simple Idee: Durch das Lösen eines Parktickets war es möglich, eine der raren, teuren Innenstadtimmobilien für kurze Zeit anzumieten und alternativ zu nutzen. Der Stellplatz sollte zur grünen Ruhe- und Kommunikationsfläche werden. Die Aktivisten rollten ein Stück Kunstrasen aus und stellten eine Parkbank und einen Baum auf. Dann fütterten sie die Parkuhr vorschriftsmäßig für zwei Stunden. So entstand ein winziger öffentlicher Park, der zugleich Natur, Sitzgelegenheit und Schatten bot.

Unser Ziel war es, den Parkplatz in einen PARK-Platz umzuwandeln, um damit vorübergehend die öffentliche Sphäre zu erweitern und die Qualität des menschlichen Lebensraums zu verbessern – zumindest, bis die Parkuhr abgelaufen war. Nach unseren Berechnungen hatten wir der Öffentlichkeit zusätzliche 24.000 Quadratfuß-Minuten [square-foot-minutes] verschafft,“ so einer der Initiatoren.

Nachdem zunächst ein Blogger erste Fotos verbreitet und REBAR ein kurzes Video veröffentlicht hatte – Kernprinzipien: vergesst nicht die Parkuhr zu füttern, keine kommerziellen Aktivitäten wie den Verkauf von Tapas oder Kaffee – ging die Idee rasch um die Welt.
Im Jahr 2017 ist sie nun auch in Münster ankommen.


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