Nachlese: 39. ADFC-Bundeshauptversammlung in Darmstadt

19.11.18
Kategorie: Verkehrspolitik, Mobilität

ADFC-Bundeshauptversammlung 2018 in Darmstadt; Der neu gewählte ADFC-Vorstand: v. l. n. r.: Ralf Puslat, Michael Schroeren, Ludger Koopmann, Birgit Kloppenburg, Ulrich Syberg, Frank Hofmann, Rebecca Peters, Dr. Gereon Broil. Es fehlt: Mario Junglas © ADFC/Reimold



Ausgelassene Delegation des ADFC Landesverband NRW – in Genderlaune



Delegation des ADFC Landesverband NRW – vor den Toren der Bundeshauptversammlung in Darmstadt



Kandidatinnen-Präsentation Darmstadt in: Rebecca Peters (22), Studentin – dahinter das Tagungspräsidium und ganz links: Ludger Koopmann.



ADFC-Garderobe in Darmstadt



Blick vom Delegiertentisch: Andreas K. Bittner und Peter Wolter waren für den ADFC NRW und das Münsterland dabei (Bilder: Andreas K. Bittner)


Der ADFC hat am zweiten November-Wochenende bei seiner Bundeshauptversammlung (BHV) erste Schritte unternommen, um sich als zukunftsfähiger Verband aufzustellen. Rund 140 Delegierte wählten in Darmstadt einen neuen Bundesvorstand und stimmten über eine neue Satzung ab. Aus dem Münsterland waren zwei Delegierte mit dabei.

 

Auf der 39. ADFC-Bundeshauptversammlung sollten die Weichen für die Verkehrswende und ein ambitioniertes Wachstum – eine Million Mitglieder bis 2025, aktuell rund 175.000 – des Fahrradclubs gestellt werden. Mit vier neuen Vorstandsmitgliedern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, einer modernisierten Satzung und einer Frauenquote für den Bundesvorstand sieht sich der weltgrößte Fahrradclub für die politische Debatte zur Zukunft der Mobilität gerüstet.

Bundesvorsitzender Ulrich Syberg, Ingenieur für Vermessungstechnik aus Herne, wurde im Amt bestätigt. Syberg: „Deutschland hat die Verkehrswende schon fast verschlafen, jetzt müssen schnell Lösungen her – aber die Politik hat noch nicht verstanden, dass das nur mit weniger Autos geht. Der Radverkehr bietet jede Menge ungehobenes Potenzial, jetzt müssen wir ihm den Platz verschaffen, den er braucht. Mit frischem Wind im Vorstand, einer zukunftsfähigen Verbandsverfassung und einer klaren Vision für die Verkehrswende mit dem Rad im Zentrum wird uns das gelingen!“

Neu zusammengesetzter Bundesvorstand

Mit Ulrich Syberg starten Ludger Koopmann, früher Sozialarbeiter aus Bremen, Mario Junglas, zuletzt Leiter des Berliner Büros des Caritasverbandes aus Berlin, Birgit Kloppenburg, Controllerin aus Kiel sowie Dr. Gereon Broil, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Bonn aus Sankt Augustin, in eine weitere Amtszeit.

Neu in den ADFC-Bundesvorstand gewählt wurden:

Rebecca Peters, Studentin aus Bonn. Die 22-jährige Kölnerin hat sich auf Stadtentwicklung und Verkehrsgeographie spezialisiert. Sie sieht die Verkehrswende als Prozess, der nicht Morgen oder Übermorgen am Ziel ist. Deshalb brauche es die nachfolgenden Generationen und genau hier wolle sie ansetzen.

Ralf Puslat, Unternehmensberater und ehem. Geschäftsführer der PUKY GmbH & Co KG, aus Solingen. „Ich will mich dafür einsetzen, dass die Fahrradindustrie den ADFC als Lobbyisten und Partner noch mehr wahrnimmt“, sagte er. Außerdem liegt ihm auch das Thema Familien und Kinder am Herzen.

Michael Schroeren, ADFC-Mitglied seit dem Gründungsjahr 1979, zuletzt Kommunikationschef im Bundesumweltministerium, aus Berlin. Schroeren will die Wahrnehmung des ADFC bei den Medien verstärken.

Frank Hofmann, Marketingdirektor 4yourbooking, aus Burgdorf. Er ist seit 1990 im ADFC-Fachausschuss Tourismus aktiv und leitet ihn seit 2017. Hofmann war bereits von 1994 bis 2002 Mitglied im Bundesvorstand. „Der Radtourismus kann einen entscheidenden Beitrag leisten, um das ausgerufene Ziel, die Mitglieder des ADFC bis 2025 auf eine Million zu erhöhen, zu erreichen“, sagte er vor seiner Wahl zu den Delegierten

Für Diskussionen sorgte zuvor die Frage, ob ein neues Organ mit eigenständigen Befugnissen anstelle des Bundesvorsitzenden treten sollte. Das Organ könnte den Titel Präsident bzw. Präsidentin tragen. Die Delegierten sprachen sich mit knapper Mehrheit gegen ein eigenes Organ sowie mit großer Mehrheit gegen die Bezeichnung Präsident/in aus. Dem ADFC steht also weiterhin der Bundesvorstand mit seinem Vorsitzenden vor.

Mehr Frauen und junge Menschen im Verband

Die Bundeshauptversammlung verabschiedete in einem zähen Beratungsprozess eine neue Satzung; Novum ist eine Frauenquote für den Bundesvorstand, für die sich vor allem der ADFC Landesverband NRW stark gemacht hatte. Diese Regelung gilt ab dem Jahr 2019. Syberg: „Wir wollen das Radfahren für alle voranbringen – deshalb müssen auch unsere Gremien diverser werden. Mit einer Frauenquote für den Vorstand und einer Fachgruppe Junge Menschen im ADFC stellen wir hierfür die richtigen Weichen.“

Mehr Platz für’s Rad

Nahezu  einstimmig wurde der Leitantrag „Mehr Platz fürs Rad“ angenommen, in dem – wenig überraschend –  bestätigt wurde, dass der ADFC die Verkehrswende mit dem Fahrrad im Mittelpunkt fordert. Der Antrag dient auch den Vorbereitungen zur Kampagne zum Jubiläumsjahr 2019. Der ADFC feiert dann sein 40-jähriges Bestehen.

Symposium: Innovationen und Experimentierfreude gefragt

Am 9. November 2018 fand im Vorfeld der Bundeshauptversammlung ein Verbandssymposiums in Darmstadt statt. Hier wurde der Entwurf für eine neue ADFC-Satzung, die Verkehrswende aus Sicht des ADFC sowie weitere Themen diskutiert.

Es können auch kleinere Innovationen sein, die Radfahrenden zu Gute kommen, wie Ampeln mit Sensoren, die bei Regen Radfahrenden mehr und längere Grünphasen einräumen. Aber es braucht zudem Mut und Experimentierfreude in Politik und Verwaltung, beispielsweise um ein Rund-um-Grün für Radfahrende (wie aus den Niederlanden bekannt) an Kreuzungen einzurichten.

Die Debatte in Darmstadt zeigte, dass noch viele Widerstände zu überwinden sind. Lösungen nach Vorbild der Niederlande einfach mal auszuprobieren, das scheitert häufig an Verwaltungsbestimmungen und am weiterhin stark autozentrierten Denken. Der Radentscheid Darmstadt beispielsweise, einer von drei Initiativen in Hessen und von inzwischen über einem Dutzend bundesweit – hatte mehr als 11.000 Unterschriften gesammelt – deutlich mehr als benötigt. Dennoch wurde das Bürgervotum von der Stadt aus formalen Gründen abgelehnt. Die Stadt kündigte indes ein Sonderinvestitionsprogramm für den Radverkehr an. Es gibt Gespräche zwischen der Initiative und der Stadt; diese werden zum Teil vom ADFC moderiert.

Wandel nicht verschlafen

Ludger Koopmann machte deutlich, dass eine Verkehrswende nicht ohne schmerzhafte Einschnitte gelingen könne – und diese müssten beim Autoverkehr stattfinden. Es geht um mehr Platz fürs den Radverkehr, weil dieser die meiste Entlastung für die Städte verspricht.

Mehr Platz fürs Rad ist auch das Motto der Kampagne, die der ADFC 2019, 40 Jahre nach seiner Gründung, starten wird. „Der ADFC hat lange nach der Devise seines Gründers Jan Tebbe agiert und lieber in den Rathäusern für bessere Radverkehrsbedingungen gearbeitet, als vor ihnen demonstriert. Jetzt ist es an der Zeit, mit unseren Ideen an die Öffentlichkeit zu gehen, und den Menschen auf den Straßen zu zeigen, was zu verbessern ist“, so Ludger Koopmann. Es geht dabei nicht nur um das Fahrrad, sondern um die Lebensqualität in unseren Städten.

Überall ist spürbar, dass Menschen einen Wandel in den Städten wollen und sich nicht länger mit einer autozentrierten Politik in den Verwaltungen zufriedengeben. Diesen Wandel will der ADFC vorantreiben.

Für den ADFC Münsterland nahmen Peter Wolter und Andreas K. Bittner als Delegierte an der BHV teil. Die nächste Bundeshauptversammlung wird im Herbst 2019 wieder in Berlin stattfinden.

 

 


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