#Klimanotstand? ADFC Münsterland und andere Verbände gegen Ausbau Eschstraße (Wolbeck)

06.12.19
Kategorie: Münster, Warendorf, Verkehrsplanung, Verkehrspolitik

Bereich des Bebauungsplans Nr. 591 (ADFC: Screenshot Stadtplanungsamt)



Idyllische Münster-Werbung: "Wolbeck entdecken" (Bild: muenster.de/muenster.org)



In einem Bild: Initiative "Rettet-den-Esch e.V." veranschaulicht die Planung.


Ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts hatte im Februar 2017 den geplanten Ausbau der Eschstraße (in Münster Wolbeck) gestoppt. Dabei ging es im Kern um die Höhe von Lärmschutzwänden. Zahlreiche Umweltgruppen, die grüne Ratsfraktion oder auch der Verein „Rettet-den-Esch“ sind aus zahlreichen Gründen – Klimakrise, Mobilitätswende, Verminderung des motorisierten Individualverkehrs, Aufenthaltsqualität, Verkehrssicherheit – aber auch grundsätzlich gegen einen Ausbau. Im Januar 2020 dürfte die Offenlegung des Bebauungsplans erfolgen. Zusammen mit dem VCD und dem Umweltforum Münster hat der ADFC Münsterland eine fachliche Stellungnahme zum „Vorentwurf Bebauungsplan Nr. 591“ eingereicht, die wir hier dokumentieren.

 

Am 13.11.2019 fand im Schulzentrum Wolbeck eine Bürgeranhörung zu den Details des geplanten Bauvorhabens – das seit fast einem Jahrzehnt stockt – statt. Siehe Bericht in den Westfälischen Nachrichten Eschstraße: Geplant in engen Grenzen (15.11.2019). Ein paar Tage später positionierten sich die Grünen in Münster mit einer eindeutigen Pressemitteilung: GRÜNE gegen Ausbau der Eschstraße. Die Interessenvereinigung Rettet den Esch e.V. kämpft seit Jahren engagiert und mit lokalem Wissen: „Unterstützt den ländlichen Charakter, der als einer der großen Vorzüge Wolbecks geschätzt und von der Politik angepriesen wird gegen einen Ausbau.“ Die Initiative dokumentiert auf einer gut gepflegten Webseite – u.a. mit Videos – warum sie sich so vehement gegen die Pläne der Stadtplanungsverwaltung einsetzt.

Deren Vertreter, der Verkehrsplaner Michael Milde, machte bereits 2015 gegenüber der Lokalpresse 2015 die amtliche Sichtweise deutlich:

Ohne die Anbindung der Eschstraße kann die Umgehungsstraße in Wolbeck ihre entlastende Wirkung nicht voll entfalten.“

Sein Planungskollege Guido Koops betonte – laut WN sogar gebetsmühlenartig , dass der Ortskern des Wigbold Wolbeck nicht beruhigt werden könne, ohne eine vermeintliche Reduzierung des Verkehrs durch weiteren Straßenausbau. Und erntete dafür in der Bürgerversammlung Gelächter.

Wir können den Wigbold nicht beruhigen, ohne vorher den Verkehr zu reduzieren.“

Stellungnahme Vorentwurf Bebauungsplan Nr. 591

Der ADFC Münsterland wurde – wie auch andere Fachverbände – zu einer Beteiligung beim B-Planverfahren eingeladen. Zusammen mit dem VCD Münsterland und dem Umweltforum Münster haben wir am 5.12.2019 eine Stellungnahme an die Verwaltung geschickt. (Der BUND lehnt in einer eigenen Stellungnahme den Ausbau ebenfalls ab. Zitat: „Wir lehnen die Planung ab. Sie dient im wesentlichen der Erleichterung des Autoverkehrs aus dem östlichen Münster und dem Kreis Warendorf zur Fahrt nach Münster.“

Der ADFC Münsterland verweist in der Stellungnahme neben verkehrspolitischen Argumenten auch auf das Thema Klimaschutz (Masterplan 100% Klimaschutz 2050 - V/0689/2017) bzw. die Ausrufung des Klimanotstands in Münster – V/483/2019).

 „Der Ausbau der Eschstraße wird – neben einer deutlichen Belastung der Anwohnerïnnen – auch die „Abtrennung“ eines Stadtteils, die Kappung von sicheren Wegebeziehungen sowie zusätzlichen Autoverkehr zur Folge haben. Für den Kfz- und Schwerlastverkehr entsteht zudem eine attraktive Abkürzung von der Alverskirchener Straße über den Borggarten zur Umgehungstraße. Der Kfz-Verkehr wird beschleunigt; die Erreichbarkeit der Ortsmitte wird so für den motorisierten Individualverkehr attraktiver und führt dort zu steigendem Kfz-Verkehr. Nach dem Motto: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“

So werden Münsters Klimaziele konterkariert.

Der ADFC Münsterland fordert statt eines Ausbaus der Eschstraße eine Neugestaltung des Ortskerns unter Anwendung von verkehrsberuhigenden Maßnahmen, entsprechend der Shared-Space-Modelle der Städte Bohmte oder Rudersberg. Ziel muss es sein, den Ortskern städtebaulich aufzuwerten, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, die Situation für den Fuß- und Radverkehr zu verbessern sowie den Kfz-Durchgangsverkehr nachhaltig einzuschränken.“

Soweit der Auszug aus unserer Stellungnahme; der komplette Text gibt hier als PDF zum Download.

Weitere Informationen: Website Stadtplanungsamt Münster Bauleitplan für die Eschstraße


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