Jubiläumsbesuch in Monastir – Tunesische Radaktive suchen Kooperation mit Münsters Leezenfreunden

01.11.19
Kategorie: Radtouren, Radreisen, Tourismus

Start zur westfälisch-tunesischen Fahrradrally am Golf von Hammamet im Oktober 2019 (Bild: Thomas Kollmann)



Radsportfreund Mohamed Ali Bdeoul aus Monastir überreicht Thomas Kollmann aus Münster einen holzgeschnitzten Radfahrer. ((Bild: Thomas Kollmann)



Tunesisches Traumziel für eine Radtour: Die Strandpromenade von Al Qurayyah (Bild: Wikipedia https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Monastir-_Al_Qurayyah_beach.jpg)



"Goldenes Jubiläum": 50 Jahre Städtepartnerschaft Münster-Monastir (Bild: Thomas Kollmann)



Oberbürgermeister Markus Lewe (mit Amtskette) nimmt ein holzgeschnitztes Fahrrad von Ali Bdeoul in Monastir entgegen (Bild: Thomas Kollmann)



Sicher durch Monastir? Die tunesischen Fahrradfreunde Mohamed Ali Bdeoul (links) und Mahmoud Banaoues bekommen von Ratsherrn Thomas Kollmann neon-gelbe Warnwesten geschenkt. (Bild: Thomas Kollmann)



Klima- und Städtepartnerschaft: Plakat derr Nachhaltigkeitswoche in Monastir im Juli 2019


Seit dem Ratsbeschluss zu einer engeren Zusammenarbeit mit der Geemente Enschede im Oktober 2019 pflegt die Stadt Münster nun zwölf „formalisierte Städtebeziehungen“. Erste Partnerstadt wurde das britische York im Jahr 1957; drei Jahre später folgte Orléans. Für viele überraschend dürfte sein, dass die intensiven persönlichen und kommunalen Verbindungen zur tunesischen Hafenstadt Monastir bereits seit 1969 bestehen. Thomas Kollmann – ADFC-Mitglied, Ratsmitglied Stadt Münster und Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Münster-Monastir – kehrte just von einer Bürgerreise anlässlich dieses „Goldenen Jubiläums“ zurück. Er wünscht sich mehr Kontakte und Kooperationen zum Thema Fahrrad. Tunesische Radler sprachen bereits eine Einladung aus. Und der ADFC Münsterland hat schon mal nachhaltige Anreisemöglichkeiten nach Nordafrika recherchiert.

 

Ein Blick zurück

50 Jahre Städtepartnerschaft Münster-Monastir. Im Jahre 1966 besuchte der tunesische Gouverneur von Sousse und Nabeule, Amor Chéchia, den Münsteraner Kaufmann Egbert Snoek. Der Ausbruch des arabisch-israelischen Konflikts am 5. Juni 1967 verzögerte jedoch zunächst eine Entscheidung über eine engere Partnerschaft. Ende 1967 befasste sich dann der Rat der Stadt Münster erneut mit dem Wunsch von Monastir. Im Juni 1968 berichtet Eberhard Voigt, Kenner des islamischen und arabischen Raumes, dem Hauptausschuss des Rates über das Ergebnis seiner Reise an den Golf von Hammamet. Das Freundschaftsangebot der Stadt Monastir wurde vom Rat einstimmig und dankbar angenommen. Am 11. März 1969 wird die Partnerschaftsurkunde im Friedenssaal des Rathauses zu Münster zwischen Bürgermeister Bechir Charmine und Oberbürgermeister Dr. Albrecht Beckel unterschrieben.

Während im September nun das 50-jährige Jubiläum im Erbdrostenhof gefeiert wurde, organisierte der SPD Ratsherr Thomas Kollmann, gleichzeitig Vorsitzender des Freundeskreises Münster-Monastir, für den Oktober eine mehrtägige Delegations- und Bürgerreise in die nordafrikanische Hafenstadt. Neben Oberbürgermeister Markus Lewe (ADFC-Mitglied), Nina Dohr, Projektkoordinatorin kommunale Entwicklungspolitik der Stadt Münster, und dem Ratsherrn Philipp Hagemann sowie weiteren Münsteranerïnnen gehörte auch die Musikband Undercover zur Reisegruppe.

Thomas Kollmann berichtet

Bei einmal mehr überragender Gastfreundlichkeit gab es viele Programmpunkte. Die Münsteraner Gruppe besuchte die Ribat-Festung, das Bourgiba-Mausoleum und das Kunstmuseum, sie war Gast bei Auftritten des Monastir Chorale-Jugendchors und beim tollen Konzert von Undercover mit arabischen Künstlern vor 500 Gästen. Ein Ausritt mit Kamelen gehörte ebenso zum Programm wie der Besuch der schützenswerten Insel Kyriat mit dem Release einer Meeresschildkröte und einem gemeinsamem Barbecue.

Eine große Fahrradrally mit 70 Teilnehmer*innen, an der auch fünf Radler aus Münster teilnahmen, zeigte die hohe Motivation der Radsportfreunde in Münsters tunesischer Partnerstadt, vor Ort für ihr umweltfreundliches Verkehrsmittel einzutreten.

Informationsveranstaltungen der Jugendkunstschule, der Umweltorganisation Notre Grand Bleu und dem Säuglingsprojekt ‚Voix de L‘enfants‘ hatten ebenso eine gute Teilnahme wie eine gemeinsame Fahrradrally. Nun werden die gemeinsamen Projekte ausgewertet. Mit jeweiligen Partnern in Münster im Schul-, Sport- und Musik- und Kulturbereich sollen in 2020 ebenfalls Besuche von Gruppen aus Monastir und umgekehrt ermöglicht und gefördert werden. Zudem ist in 2019 eine Klimapartnerschaft zwischen Münster und Monastir vereinbart worden.

Eine Pressemitteilung der Stadt nennet weitere Details: „Im Mittelpunkt des fachlichen Austauschs standen Gespräche mit Bürgermeister Mondher Marzouk und weiteren Repräsentanten zur Kommunalen Klimapartnerschaft. Beide Städte wirken hier zusammen, insbesondere in den Bereichen "Resilienz gegen Starkregen", "Planung einer wachsenden Stadt in Zeiten des Klimawandels", "Trennung und Wiederverwertung von Abfällen".

Zwei Kilometer Küstenradweg

Fahrradfreund Kollmann hatte zudem die Radinfrastruktur in Monastir im Blick und stellt fest: „Aktuell gibt es nur einen 2 km Radweg entlang der Küste.“ Jedenfalls sind die Verantwortlichen in Monastir, namentlich Mohamed Ali Bdeoul und Mahmoud Banaoues (rechts im Bild) sehr an einem Austausch und weitergehender Kooperation interessiert und schenkten Markus Lewe und Thomas Kollmann jeweils einen holzgeschnitzten Radfahrer. Das Gegengeschenk aus Münster (ebenfalls rechts im Bild) ließ nicht lange auf sich warten. Kollmann schreibt: „ … wobei die Münsteraner einige reflektierende Münster-Fahrradwesten überreichen konnten, die man hoffentlich bald mal gemeinsam nutzen kann.“

Der Fahrradclub in Monastir ist an einer Kooperation sehr interessiert, würde ADFC-Aktive gern einladen und Quartiere für Radfahrïnnen aus Münster stellen. Ob das mit dem Flugzeug sein muss, wird sich zeigen. Klaus Benning vom ADFC Münsterland, der schon einige Partnerstädte von Münster mit dem Fahrrad besucht hat, war jedenfalls sofort begeistert und recherchierte sogleich mit Bahn-App und Routenplaner. Eine erste Idee:

Per Zug über Dortmund nach München – hier: schnelle Brezel und Weizen – weiter per Nightjet NJ 295 nach Rom – nach einem schnellen Espresso per Rad Richtung Civitavecchia (75km) – nach einem schnellen Rotwein – mit Grimaldi Lines per Fähre nach Tunis (19 Stunden Überfahrt). So könnte am 3. Tag bereits Tunis erreicht werden. Ein Flug von Köln dauert übrigens keine 3 Stunden – und kostet günstigstenfalls hin und zurück etwa so viel, wie die preiswerteste multimodale Lösung (Bahn-Fähre-Leeze) für einen Weg. Soviel zur Suffizienz und Klimapartnerschaft.

Ab Tunis – nach einem schnellen Pfefferminztee und einer Dattel – gäbe es die Möglichkeit per Zug nach Sousse und von dort mit der S-Bahn nach Monastir zu fahren. Die letzten rund 180 Kilometer ließen sich natürlich auch in zwei Etappen per Rad zurücklegen.

Der ADFC Münsterland wird das bei einem seiner Clubabende im Winter vertiefen und freut sich über die Initiative von Thomas Kollmann und die Einladung aus der Partnerstadt.


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