Ich geb` Gas, ich will Spass ??

01.06.02
Kategorie: StVO

LK Nr. 60 2/2002, Münster. Mit modernen Fahrrädern erreicht man leicht Geschwindigkeiten von 30 - 40 km/h, bei entsprechender Fitness auch mehr. Eine durch Verkehrszeichen angeordnete Geschwindigkeitsbeschränkung muss der Radfahrer beachten. Die nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften gilt aber nur für Kraftfahrzeuge. Radfahrer dürfen also schneller fahren.

Für sie gelten jedoch die allgemeinen Beschränkungen, wonach jeder Fahrzeugführer nur so schnell fahren darf, dass er sein Fahrzeug noch beherrscht. Die Geschwindigkeit ist daher den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den eigenen Fähigkeiten anzupassen. Außerdem gilt das allgemeine Gebot ständiger Vorsicht und gegenseitiger Rücksicht. Kommt es daher bei hoher Geschwindigkeit des Radfahrers zu einem Unfall, hat er nach der Rechtsprechung oftmals das Nachsehen, da ihm eine Mitschuld angelastet wird. So zu finden in einer Entscheidung des OLG Karlsruhe vom 24.1.1990 (Az. 1 U 94/89): Hier war der Radler nach Gutachterangaben mit 42 km/h innerhalb einer geschlossenen Ortschaft unterwegs und kollidierte mit einer Fußgängerin, die auf die Fahrbahn trat. Die Richter gaben dem Radfahrer eine Mitschuld. Nach ihrer Ansicht brauchen die übrigen Verkehrsteilnehmer nicht damit zu rechnen, dass Radfahrer mit Geschwindigkeiten fahren, die normalerweise nur von motorisierten, führerscheinpflichtigen Fahrzeugen erreicht werden. Radfahrer seien optisch und akustisch weniger leicht wahrzunehmen als Kraftfahrzeuge. Sie böten eine schmale Silhouette, die umso niedriger werde, je stärker sich der Radfahrer in Rennfahrerhaltung über den Lenker beuge. Die Fortbewegung erfolge praktisch geräuschlos, Der Radfahrer dürfe deshalb nirgends unangemessen schnell fahren; er müsse sich an Geschwindigkeiten orientieren, die andere Verkehrsteilnehmer von einem Radfahrer erwarten.


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