Digitalisierung und Radfernwege? Modellprojekt Römer-Lippe-Route

13.08.19
Kategorie: Tourismus, Technik

Logo der Römer-Lippe-Route



Entlang der Lippe: Wasser und Geschichte (Bild: komoot)



Das Zeitalter der Digitalisierung macht auch nicht vor den Radfernwegen halt. Interaktive Karte (Bild: Römer-Lippe-Route/Dennis Stratmann)



Barrierefreiheit bedeutet "Reisen für Alle" – auch auf Radfernwegen (Bild: Römer-Lippe-Route/Dennis Stratmann)


Die Römer-Lippe-Route, ein 479 km langer Radfernweg in Nordrhein-Westfalen, wurde im Jahr 2013 eröffnet. Sie führt entlang der Lippe zwischen Detmold und Xanten mit den Themenschwerpunkten „Römerkultur“ und „Wassererlebnis“. Im Rahmen eines Modellprojekts soll in Deutschland erstmalig entlang eines kompletten touristischen Radfernweges die Installation und Anwendung standortbezogener Dienste erprobt werden. Ein Einstieg in digitale Servicepunkte im Radtourismus. Das Projekt wird im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit einem Gesamtvolumen von 390.00 Euro gefördert.

 

Der Radfernweg Römer-Lippe-Route (RLR) verbindet fünf touristische Regionen in Nordrhein-Westfalen: den Teutoburger Wald, das Sauerland, das Münsterland, die Metropole Ruhr und den Niederrhein. Die Länge der Hauptroute beträgt 295 km. Zusätzlich verfügt die Route über zwölf thematische Wegeschleifen mit einer Gesamtlänge von 184 km zum Thema Römerkultur und Wassererlebnis, die sich in Kombination mit der Hauptroute für Tagesausflüge eignen. Die RLR verläuft auf dem landesweiten Radverkehrsnetz NRW. meist auf separat geführten und autofreien Radwegen entlang der Lippe durch grüne Auenlandschaften, vorbei an antiken Römerstätten und historisch reizvollen Städten. Hinter dem RLR steht eine Kooperationsgemeinschaft aus insgesamt 39 Partnern, bestehend aus den Anrainerkommunen- und Kreisen sowie weiteren Institutionen und Verbänden.

Barrierefreiheit und „Reisen für Alle“

Nach der Anschubfinanzierung zur Einrichtung und Eröffnung der Route (2011-2014) hat sich die RLR als Newcomer unter den Radfernwegen inwzischen auf dem deutschen Radtourismus-Markt etabliert. Im Rahmen eines Förderprojekts des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung „Barrierefreiheit im Radtourismus am Beispiel der Römer-Lippe-Route“ (2016-2019) befasste sich die RLR intensiv mit dem Aspekt barrierefreiens Radfahren. In Zusammenarbeit mit „Reisen für Alle“ wurden am Beispiel der RLR einheitliche und praktikable Vorgaben zu Barriereabbau und -freiheit im Radtourismus definiert bzw. bestehende Standards weiterentwickelt. Die RLR ist damit der erste Radfernweg in Deutschland, der nach „Reisen für Alle“ zertifiziert wurde inklusive entsprechend zertifizierter Angeboten entlang der Strecke.

Zielsetzung des Projekts

Neue und interaktiven Anreize im Radtourismus sind nicht nur für eine jüngere und technikaffine Zielgruppen interessant, sondern werden auch durch den fortschreitenden Qualitäts- und Serviceanspruch von Radreisenden immer relevanter. Ziel des Projektes ist es, das radtouristische Leistungsangebot der RLR mithilfe von innovativen, digitalen Informations- und Kommunikationsmedien zielgruppenspezifisch attraktiver zu gestalten. Entlang der RLR sollen flächendeckend  ca. 50-100 kleine Sender, die auf der Bluetooth-Technik basieren – sogenannte Beacons – installiert werden. Es sollen also entlang eines kompletten touristischen Radfernweges, unter Einbindung von touristischen Leistungsträgern (Gastronomie, Hotellerie, Freizeiteinrichtungen, Museen usw.), die Installation und Anwendung standortbezogener Dienste. Das mit Mitteln des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) geförderte Modellprojekt hat folgende Charakteristika:

  • Verbindung von fünf verschiedenen touristischen Regionen auf einer Strecke von 479 km: Teutoburger Wald, Sauerland, Münsterland, Metropole Ruhr und Niederrhein
  • Spezielle Entwicklung für die Zielgruppe der Radtouristen, mit deren besonderen Anforderungen
  • Aktive Einbindung touristischer Leistungsträger entlang der gesamten Strecke. Angefangen bei Touristinformationen, Museen und Freizeiteinrichtungen bis hin zu Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben sowie Fahrradservices
  • Bündelung zusätzlicher Schnittstellen (Wetterwarnungen, Radinfrastruktur z.B. Baustellen, touristische Angebote usw.) und individuelle Bereitstellung der Informationen je nach Standort.

Laut ADFC gibt es aktuell mehr als 200 überregionale Radfernwege in Deutschland, die ein über 50.000 langes Radroutennetz umfassen. Die im Projekt „Digitaler_Radfernweg“ gewonnenen Erkenntnisse u.a. in den Bereichen Technologie (Hardware und Software), Installation, Bereitstellung und Integration von zielgruppenspezifischen Inhalten, Einbindung touristischer Leistungsträger und Kommunikation lassen sich im Wesentlichen auf alle Radfernwege übertragen. Das Projekt endet im Juni 2022. Man darf gespannt auf die Evaluierung sein – und ob die Digitalisierung von Radwegen – gleiches wäre ja auch bei den Velorouten im Münsterland denkbar – das Fahrradfahren (noch) spannender, bequemer und vielleicht auch sicherer macht.

Karte: Übersichtskarte der Römer-Lippe-Route


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