Der 3. Juni ist Internationaler Weltfahrradtag!

01.06.18
Kategorie: Mobilität, Verkehrspolitik

World Bicycle Day: Logo des UN-Weltfahrradtages



Jeder Tag ist Fahrradtag: Leeze in Münster (Bild: Andreas K. Bittner)



Radfahren in deutschen Städten (Bild: ADFC/ Gerhard Westrich)


Jeweils am Pfingstmontag wird der Deutsche Mühlentag begangen, es gibt einen Welt-Tapir-Tag (27. April) und den Weltbienentag (20. Mai), der 21. März ist der Welttag der Poesie – nun wird erstmals am 3. Juni der UN World Bicycle Day gefeiert.

 

Aksoltan Töreýewna Ataýewa, ständige Vertreterin Turkmenistans bei den Vereinten Nationen (UN), stellte am 12. April dieses Jahres den Antragsentwurf zur Einführung eines World Bicycle Day (document A/72/L.43) vor. Sie führte dabei aus, dass Fahrradfahren schon heute einen Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDG) leiste und eine herausragende Rolle für die Weltbevölkerung spiele. Immerhin gäbe es über eine Milliarde Radfahrende weltweit.

Primär geht es am World Bicycle Day jeweils am 3. Juni eines Jahres darum,  das Fahrrad zu feiern. Als weiteres Ziel wird die weltweite Vereinigung  der Fahrradenthusiasten genannt, um diese Fortbewegungsart als eine Lösung für die globalen Herausforderungen herauszustellen; namentlich: Transport, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Armut, Gesundheit und Qualitätsausbildung. Angesichts der zu bewältigen Last, wäre ein World Cargobike Day möglicherweise sinnvoller gewesen.

Weitgehend unbemerkt von der europäischen Fahrrad-Gemeinde wird – seit 1998 –am 3. Juni eines Jahres des Europäische Tag des Fahrrades gefeiert. Angesichts der zahlreichen bemerkenswerten Gedenktage, die von der UN begangen würden, heißt es: „das Fahrrad als ein loyales Instrument der Menschheit, verdient ebenfalls einen eigenen Tag der Anerkennung.“ Die UN-Vollversammlung verabschiedete die Resolution den 3. Juni als World Bicycle Day festzulegen. Weitgehend unbemerkt von der globalen Leezen-Community hatte Turkmenistan im April 2017 in seine Hauptstadt Aşgabat zu einem Radfahr-Event eingeladen. 

Vereinte Fahrrad-Nationen

Die Resolution wurde von den Fahrradnationen Belarus, Ekuador, der Russischen Föderation, Tadschikistan, der Türkei, Turkmenistan und Vietnam eingebracht. In einer Pressemitteilung ordnete der ADFC-Bundesvorsitzender Ulrich Syberg Deutschland in der globalen Fahrrad-Hierarchie ein:

„Deutschland steht im Vergleich zu den USA, China, Russland und vielen afrikanischen oder osteuropäischen Ländern beim Radverkehr noch relativ gut da. Aber wir sind weit davon entfernt, ein fahrradfreundliches Land zu sein. Die Überzeugten fahren trotz widriger Infrastruktur – aber die Unentschlossenen haben wir noch nicht gewonnen. Anders als die Niederlande, Dänemark und Flandern hat Deutschland noch nicht damit begonnen, die Städte vom Rad aus neu zu denken. Unser Denken und politisches Handeln ist auf eine ungesunde Weise immer noch vom Autofahren dominiert. Radfahrende werden auf minimalistische Restflächen oder an den Rand der Fahrbahn gedrängt. So lockt man keine Menschen aus dem Auto auf das Rad, so wird die Verkehrswende nicht funktionieren. Deutschland muss die Fahrrad-Bremse lösen, dem Fahrrad mehr Platz einräumen, dann klappt’s auch mit der Stau-, Stress- und Schadstoffentlastung!“

Der ADFC Berlin lädt am 3. Juni zur weltweit größten Fahrrad-Sternfahrt ein, um für das erste fahrradfreundliche Mobilitätsgesetz Deutschlands zu demonstrieren. Bundesweit sieht der ADFC noch viel Nachholbedarf, bis das Fahrrad sein volles Potenzial zur Entlastung der Städte entfalten kann. Er fordert mehr Platz für das Rad und 30 Euro pro Bundesbürger und Jahr für bessere Radwege und Abstellanlagen.       

Radverkehrsanteil verdoppeln, das geht!

Deutschland hat einen Radanteil von etwa 11 Prozent am Gesamtverkehr, die Niederlande mit 27 Prozent mehr als das Doppelte. Dass auch Deutschland in solche Dimensionen vorstoßen könnte, zeigt ein Blick in die Verkehrsstatistiken. Laut einer – schon älteren – Studie des Fraunhofer ISI auf Basis von „Mobilität in Deutschland 2008“ sind etwa 50 Prozent der Autofahrten kürzer als 5 Kilometer. Etwa 25 Prozent sogar kürzer als 2 Kilometer. Das bedeutet: Jedes vierte Auto auf der Straße ist weniger als 2.000 Meter unterwegs. Der ADFC schätzt, dass jede dritte Autofahrt ohne Komfort-Einbußen durch eine Rad-Fahrt ersetzbar ist.

Mehr Platz und Komfort für das Rad

Der ADFC-Bundesvorsitzende konkretisierte seine Forderungen: „Damit die Menschen gern und häufig das Auto stehen lassen, muss das Radfahren komfortabel und ohne Angst möglich sein. Dafür brauchen wir in den Städten durchgängige Netze für den Radverkehr, großzügige Abmessungen und guten Belag für Radwege. Wir brauchen freie Sichtbeziehungen an Kreuzungen und Einmündungen. Wir brauchen mehr Verkehrsberuhigung, mehr Tempo 30. Wir brauchen an allen ÖPNV-Schnittstellen und öffentlichen Einrichtungen Fahrradparkhäuser und komfortable Abstellanlagen. Für den überörtlichen Verkehr brauchen wir in allen Ballungsgebieten vier Meter breite Radschnellwege. Wir brauchen 30 Euro pro Einwohner und Jahr für das Rad – Realität sind unter fünf. Wir müssen uns trauen, den Radverkehr groß zu denken und ihm zulasten des Autoverkehrs Platz einzuräumen. Sonst wird Deutschland immer mehr ein verstopftes, gestresstes Land.“

Und Münster?

Die oft zitierte Fahrradhauptstadt Münster ermittelte bei einer – grundsätzlich repräsentativen – Bürgerumfrage 2013 bei der Frage  „Welches Verkehrsmittel nutzen Sie am häufigsten, wenn Sie in Münster unterwegs sind?“ folgende Zahlen: 45,7% der Befragten waren mit dem Fahrrad unterwegs; hinzu kamen 2,3%, die sich von einem Elektromotor unterstützen liessen. Laut Radverkehrskonzept 2025 (RVK) – Zitat: "Münster ist eine Fahrradhochburg" – liegt der Radverkehrsanteil bei 39,1% . In der Begründung heißt es: "Annähernd 40 Prozent ihrer Wege legen die Münsteranerinnen und Münsteraner mit der Leeze zurück und entscheiden sich so für das umweltfreundlichste aller Fortbewegungsmittel. Auf dieses Mobilitätsverhalten kann die Stadt Münster zu Recht stolz sein. Die Gründe dafür sind so plausibel wie vielseitig: Radfahren ist praktisch, schnell, kostengünstig, gesundheitsfördernd und ökologisch!"

Bei der Finanzierung sind die Aussagen dann eher vage, liegen aber deutlich unter der Forderung des ADFC-Bundesverbandes von 30 Euro. Als grober Schätzwert galten für die Vergangenheit in Münster 10 Euro pro Einwohner*in und Jahr – ohne das dieser Wert belegt worden wäre. Im RVK 2025 wird eine weitere Orientierungsgröße genannt:

"Eine pauschale Kostenschätzung für die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen kann derzeit nur vorläufig erfolgen. Dies ist u.a. auf die Komplexität der Maßnahmen und die Vielzahl der Handlungsfelder zurückzuführen. Zum Vergleich: Der Nationale Radverkehrsplan (NRVP) kalkuliert für Kommunen mit einer Vorreiterrolle im Radverkehr – also zweifelsfrei auch für die Stadt Münster – insgesamt einen Finanzbedarf von ca. 17,00 Euro pro Einwohnerin bzw. Einwohner (z.B. für Radverkehrsinfrastruktur, Abstellanlagen, Kommunikation). So ergäbe sich für Münster in Summe ein jährlicher Kostenansatz von ca. 5 Mio. Euro."

Hashtag zum Weltfahrradtag: #June3WorldBicycleDay

Nachsatz

Wer mit dem World Bicycle Day nicht so viel anfangen kann, feiert vielleicht schon einen Tag früher. Der 2. Juni ist der internationale I-love-my-dentist-day (Ich liebe meinen Zahnarzt-Tag). Für den Autor ist übrigens jeder Tag ein Fahrradtag.


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