Dauerregen, Eiskeller und ein GPS-Logger

05.08.16
Kategorie: Münster, Münster (OG), Presse, Tourismus

Wetter unten - Laune oben



Gänsefüßchen auf der (Gänsestiege) Gasselstiege



Nepomuk grüßt die Brückennutzer



Bei Erding-Oerdel haben wir die Gaststube dem nassen Biergarten vorgezogen


Feierabendtouren des ADFC Münsterland sind beliebt. Nicht selten sammeln sich zwei bis drei Dutzend sportliche Radfahrerinnen und -radfahrer, um unter kundiger Streckenleitung den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen. Viele wollen neue Pättkes erkunden, die Heimat mit anderen Augen sehen oder kleine Sehenswürdigkeiten in ihrer Umgebung oder am Wegesrand kennenlernen:

Vielleicht ein Waschmaschinen-Museum, ein Eiskeller, alte Baumriesen, Adelssitze wie Haus Borg und Haus Bisping – oder ein paar (fast) vergessene Skulpturen. Meist gibt es mehr oder weniger Wissenswertes, Schnurren und Anekdötchen von Radtourenleiterinnen und -leitern als Zugabe. Natürlich kennen diese auch alle Bauerncafés, Eisdielen oder versteckten Biergärten. Denn Feierabendtouren sind ungezwungene, kommunikative Vergnügungsfahrten – kostenfrei für ADFC-Mitglieder. Alle anderen zahlen einen kleinen Beitrag von wenigen Euro.

Inzwischen möchten viele Hobbyradler die Touren allein oder mit Freunden nachfahren. Dank Navi(gationsgerät) oder Smartphone kein Problem mehr. Der ADFC Münsterland wird in Zukunft interessante Touren mit einem sogenannten GPS-Logger aufzeichnen und den Streckenverlauf auf seiner Website zur Verfügung stellen. (Mehr dazu im nächsten Leezenkurier. Wer sich für technische Einzelheiten interessiert oder begeistern kann, sollte in der Navithek von Jutta Schlagheck vorbeischauen. Termin: der letzte Mittwoch im Monat; Ort: Dortmunder Straße 19.)

Feierabendtour am 3. August: Gasselstiege (MS) – Altenberge (ST) – Hohenholte (COE)

Die Weg nach Altenberge (im Kreis Steinfurt) ist reizvoll und trotz kleiner Anstiege wohl für jeden gut zu bewältigen. Entlang der Gasselstiege geht es durch das Waldgebiet Vorbergs Hügel (vorbei an Münsters höchster Erhebung mit 98,8 m ü.N.N.), durch die Bauerschaft Hansell und dann zunächst in den Eiskeller von Altenberge. Hier kühlte die Brauerei Beuing bis 1927 ihr Bier. Aus sogenannten Eisteichen wurden im Winter auf umliegenden Feldern Eisblöcke gebrochen. So ließ sich das Gewölbe im Sommer auf 8 bis 10 Grad heruntertemperieren. Nachdem der Keller jahrzehntelang in Vergessenheit geriet, kann er heute über den Heimatverein besichtigt werden.

Danach, üblicherweise bei höheren Temperaturen, wird Altenberge in südlicher Richtung verlassen; stets in der Nähe: die Münstersche Aa. Über eine Brücke, von der die beiden Sandstein-Patrone Nepomuk und Franziskus grüßen, erreicht man das beschauliche Hohenholte (gehört zu Havixbeck) und befindet sich unvermutet im Kreis Coesfeld. (Direkt an der Brücke übrigens noch einer alter Grenzstein mit der Inschrift: „Kreis Münsterland“.) Nach kaum 30 Radelkilometern bietet sich die Einkehr in der „Kaffeewirtschaft Oeding-Erdel“ an – bei sommerlichem Wetter auch gern im Biergarten. Frisch gestärkt geht es dann weiter; vorbei an der alten Klostermühle, die schon im 13. Jahrhundert an der Aa klapperte. Von hier aus gibt es zahlreiche reizvolle Varianten um zurück nach Münster zu gelangen: etwa über Schonebeck, Mecklenbeck, Hülshoff, Rüschhaus, Haus Vögeding, Haus Spital oder, oder … eine gute Feierabendtour sollte stets ein paar Überraschungen bereithalten.

Ergiebiger Schwachregen über den ganzen Nachmittag

An diesem Mittwoch ist nicht nur das Wetter überraschend. Ergiebiger Schwachregen über den ganzen Nachmittag verteilt, der sich pünktlich zur Abfahrt um 17:30 Uhr noch steigert. Der bewährte Tourenleiter Bernhard L. hat das wahrscheinlich geahnt und mich um Vertretung gebeten. Meine gelbe Warnweste trieft schon auf dem kurzen Weg zum Treffpunkt am Marktcafé. Dort wartet niemand auf mich. Doch halt! Unter den Bäumen vor dem Dom drängt sich ein Häuflein Unerschrockener. Zwei Radler, eine wackere Radlerin. Zitronengelb und tropfnass trifft zudem meine Schlussfahrerin ein. Wir beratschlagen. Der Regengott legt noch mal nach, unsere Fünfergruppe ist unentschlossen. Wetter-Apps werden befragt, Alternativtermine erwogen. Herr S. gibt auf … und entschwindet zur Gaststätte Kruse Baimken.

Nass wie alte Pudel

Schließlich brechen wir doch zu viert auf – Richtung Steinfurter Straße, Ecke Gasselstiege. Von manchem übersehen steht hier seit bald zwei Jahrzehnten eine Skulptur von Kirsten Kaiser. Wer es weiß, erkennt ein Satzzeichen: Gänsefüßchen-Unten. Die Künstlerin setzte eine der ältesten Straßen der Stadt, die Gasselstiege, sozusagen in Anführungsstriche. Die schließenden Gänsefüßchen-Oben befinden sich ein fast fünf Kilometer stadtauswärts … am Hof Schulze Gassel, dem diese Straße ihren Namen zu verdanken hat. Dieser lässt sich wahrscheinlich vom Wort „Gössel“ (für: Junggans) ableiten. Als wir dort ankommen, sind wir nass wie alte Pudel, doch der Himmel klart auf. Keiner aus dem kleinen Quartett will eigentlich weiterfahren; keiner will der erste sein, der es zugibt. Außerdem plaudert es sich nett über Funktionskleidung und Imprägnierung. Und so pedalieren wir tapfer über schmale Waldwege Richtung Häger und weiter. In der Nähe der Kraftfahrerkapelle „Madonna der Landstraße“ (an der L 510) entscheiden wir uns gegen den Eiskeller in Altenberge und für die Einkehr in Hohenholte. In der westfälischen Gaststube ist es ruhig; der rüstige Mitfahrer – 9.000 Radkilometer im Jahr – trinkt ein Radler.

Den munter einsetzenden Regen auf den letzten Kilometern nehmen wir gar nicht mehr wahr. Wir kennen alle Schwachstellen unserer Regenhosen und norwegischen Outdoorjacken. Vorbei geht es am „Dialog mit Johann Conrad Schlaun“, dem rostroten massiven Stahlquader von Richard Serra am Rüschhaus. An der Promenade löst sich die kleine Schar schließlich auf. Bis nächsten Mittwoch?

PS. Danke an Christiane, Martina und Friedhelm für eine stimmungsvolle frühherbstliche Regentour. Wer die Strecke bei Sonnenschein nachfahren möchte, findet die GPS-Daten demnächst hier. Sie wurden mit einem GPS-Logger GT-730FL-S aufgezeichne. Bilder: Andreas K. Bittner

Andreas K. Bittner

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