Aller guten Dinge sind drei:
Fahrradparkhaus Stubengasse eröffnet

04.12.10
Kategorie: Münster, Verkehrspolitik, Aktuelles
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Das "Radlager", Münsters drittes Fahrradparkhaus, bietet 360 Stellplätze.



Aus einem hässlichen Autoparkhaus ist eine nobele Adresse für Einkaufen, Wohnen und Fahrradparken geworden.



Der helle, freundliche Eingangsbereich ist von außen bestens zu erkennen.



Dauerkunden ist das 2. Obergeschoss vorbehalten.



Ein Aufzug befördert die Leeze nach oben.



Interessierte Blicke auf das niederländische Parksystem, dass erstmals in Deutschland zum Einsatz kommt.



Der Betrachter fühlt sich an ähnliche Systeme aus der Reinigung oder Wäscherei erinnert.



Kurzparker stellen ihre Leezen im Erdgeschoss ab und deponieren Fahrradhelm, Einkäufe o. Ä. in einem von 60 Schließfächern.



Im Doppelstockparker findet die Leeze Halt und Sicherheit.



Am massiven U-Bügel lässt sich das Rad bequem anschließen.


In Münsters guter Stube hat ein neues Fahrradparkhaus eröffnet. Mit dem „Radlager“ steht den Bürgern und Besuchern der Stadt jetzt eine dritte hochwertige Fahrradabstellanlage zur Verfügung. Während die Radstationen am Bahnhof und in den Münster Arkaden zusätzlich mit persönlichem Service und weiteren Dienstleistungen glänzen, bietet das „Radlager“ einen automatisierten Zugang und dient ausschließlich dem Fahrradparken.

Das „Radlager“ liegt im Erdgeschoss des umgebauten ehemaligen Autoparkhauses Stubengasse. Der Zugang erfolgt über einen großzügigen, verglasten Eingangsbereich, der sich über zwei Geschosse erstreckt. Ebenerdig werden 240 manuell zu bedienende Stellplätze und 60 Schließfächer erreicht. Die Abstellebene im zweiten Stockwerk wird vollautomatisch erschlossen. Sie bietet in einer ersten Ausbaustufe 120 Fahrrädern Platz.

Dauerparker per Aufzug vollautomatisch ins zweite Geschoss

Das vollautomatische Parksystem mit dem Namen „Velominck“ ist eine Entwicklung aus den Niederlanden. Dort ist das System bisher nur am Bahnhof in Amsterdam realisiert und hat im vierjährigen Praxisbetrieb seine Tauglichkeit unter Beweis stellen können. In den Genuss der Vollautomatik kommen vorerst allerdings nur Dauerparker, die eine Schlüsselkarte für 7 Euro (Monat) oder 70 Euro (Jahr) erworben haben und deren Gefährt nicht mehr als 25 kg wiegt. Damit lässt sich die Übergabebox öffnen und das Fahrrad aufgeben. Alles Weitere übernimmt die Automatik. Sie befördert die Leeze in die obere Etage und hängt das Vorderrad an einer langen Förderkette auf. Der Betrachter fühlt sich unwillkürlich an ähnliche Systeme aus der Reinigung oder Wäscherei erinnert.
Identifiziert sich der Besucher bei Abholung mit seiner Dauerkarte, wird der Rückgabevorgang ausgelöst. Im Idealfall öffnet sich nach einer Minute eine der beiden Übergabeboxen und die Leeze kann entnommen werden.

Im Erdgeschoss für 0,10 Euro in der Stunde kurzparken

Der Zugang zu den manuellen, doppelstöckigen Fahrradständern im Erdgeschoss erfolgt über Drehkreuze und eine Sicherheitsschleuse. In dem für Kurzparker vorgesehenen Bereich, den unser örtliches ADFC-Fördermitglied ADFC-Fördermitglied Josta-Metallbau ausgestattet hat, gilt eine Entgeltregelung von 0,10 Euro je Stunde bei einem Tageshöchstsatz von 0,50 Euro. Das Tagesticket wird am Eingang gezogen, eine Tür öffnet die Fahrradschleuse und die Leeze kann abgestellt werden. Zur Abholung muss zunächst das Ticket am Kassenautomaten bezahlt werden. Dann holt man seinen fahrbaren Untersatz aus dem Parker und öffnet am Ausgang mit dem Ticket die Fahrradschleuse.

Damit alles mit rechten Dingen zugeht und im Störfall schnelle Hilfe vor Ort ist, wird die gesamte Anlage von mehreren Kameras fernüberwacht. Über sechs Sprechstellen besteht Kontakt zum Servicepersonal des benachbarten Autoparkhauses. In der Betriebszentrale kann auch der Mietvertrag abgeschlossen werden, um in den Genuss einer Dauerkarte zu gelangen, mit zeitlich unbeschränktem Zugang zum "Radlager".

Die Öffnungszeiten für Kurzparker sind dem Autoparkhaus angepasst und reichen werktags von 7:00 bis 23:00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr. Betreiber des "Radlagers" ist die Westfälische Bauindustrie GmbH (WBI), eine kommunale Gesellschaft der Stadt Münster. Ihre Hauptaufgabe ist die "Bewirtschaftung des ruhenden Verkehrs". Die WBI ist derzeit verantwortlich für acht Autoparkhäuser (3.900 Stellplätze) und zwei Fahrradabstellanlagen (3.500 Stellplätze).

Neuordnung des Stubengassen-Areales abgeschlossen

Mit der Eröffnung des „Radlagers“ findet die Neuordnung des Stubengassen-Areales ihren vorläufigen Abschluss. Mitten in der Innenstadt Münsters ist eine Einkaufsmeile mit mehr als 25.000 qm neuer Gewerbeflächen entstanden. Besucher die mit dem Auto anreisen, finden unterhalb des Einzelhandels- und Dienstleistungszentrums Stubengasse im neuen Parkhaus 322 Einstellplätze. Durch die in Wertsetzung des umgenutzten ehemaligen oberirdischen Parkhauses Stubengasse hat der mit dem Westfälischen Preis für Baukultur 2010 ausgezeichnete Geschäfts- und Wohnkomplex Hanse-Carreé jetzt einen gleichwertigen Nachbarn bekommen und Münsters Fahrräder eine neue Bleibe.

Stellplatzangebot bleibt 25 % hinter den Erwartungen des ADFC zurück

Ende gut, alles gut? Aus Sicht von Hajo Gerdemann (ADFC Fachgruppe Radverkehr) leider nicht: „Bei unserer aktuellen Bestandsaufnahme im Stubengassen-Areal haben wir innerhalb und außerhalb der Gebäude 821 Fahrradstellplätze gezählt“, so Gerdemann. „Damit bleibt das Stellplatzangebot mehr als 25 Prozent hinter unseren Erwartungen zurück.“ Bei dieser Feststellung stützt sich die ADFC Fachgruppe Radverkehr auf eine städtische Erhebung aus dem September des Jahres 2008 und die Verwaltungsvorlage „Bauvorhaben Stubengasse 22 / Umbau und Umnutzung des Parkhauses (V/0720/2008)“.


Weitere Informationen

Links:
Grundlegende Informationen zum ruhenden Radverkehr und die münsterischen Verhältnisse im Besonderen können Sie in unserer gleichnamigen Rubrik nachlesen:
www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-muenster/radverkehr/grundsaetzlich/ruhender-radverkehr.html

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