ADFC testet dritte Umweltspur in Düsseldorf

09.12.19
Kategorie: Verkehr, Verkehrsplanung, Verkehrspolitik

Die Darstellung zeigt die beiden vorhandenen und die geplante dritte Umweltspur in der Landeshauptstadt Düsseldorf. (Grafik: Amt für Kommunikation)



Am Beginn der neuen Umweltspur in Düsseldorf (Bild: Elmar Post)



Mit dem ADFC unterwegs auf der neuen Umweltspur (Bild: Elmar Post)



Düsseldorf. Ein eigenes Schild für die Umweltspur (Bild: Andreas K. Bittner)


Am 28. Oktober 2019 befuhren rund 50 Radfahrende die neu eingerichtete Umweltspur im Düsseldorfer Süden. Es war der erste Werktag nach Ende der Herbstferien. Der ADFC Kreisverband Düsseldorf hatte frühmorgens zur Testfahrt aufgerufen. Elmar Post aus Münster war mit von der Partie – und berichtet.

 

Zum Hintergrund

Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat wie viele andere Großstädte mit schlechter Luft zu kämpfen; Auch hier drohen Fahrverbote, die Stickoxidbelastung an den Messstationen ist höher als beispielsweise in Bonn oder Gelsenkirchen (siehe auch: Bilderstrecke RP-Online) Die Corneliusstraße zeigt bundesweit höchste Belastungswerte. Die neue (dritte) Umweltspur wird künftig als Pilotstrecke über diese Straße geführt. Auch in der Stadt Münster gibt es schon seit vielen Jahren kurze Abschnitte als sogenannte  Umweltspuren, die von Bussen und Rädern genutzt werden dürfen. Zwei Unterschiede in Düsseldorf: Die Umweltspuren sollen zum einen auf einer Länge von bis zu 10 km das Zentrum Düsseldorfs von und nach außen erschließen (zur Orientierung die Grafik rechts). Zum anderen sollen die Umweltspuren in Düsseldorf auch für Taxis sowie zusätzlich für private E-Autos und Fahrgemeinschaften (Kfz ab drei Mitfahrenden) frei gegeben sein. Dafür gibt es ein eigenes Verkehrsschild.

Mit diesen Maßnahmen will Düsseldorf ein Dieselfahrverbot verhindern. Umweltfreundlichere Alternativen sollen für private Autofahrerïnnen attraktiver werden: Mehr Radfahrende, mehr Busse, mehr voll besetzte Privatautos. Busse aus Solingen, Haan und Langenfeld kommen über die Umweltspur im staugeplagten Düsseldorf zügiger zur Universität und ins Zentrum. Radfahrende fuhren bisher entweder auf einem freigegebenen schmalen und holperigen Gehweg oder sie standen zu Verkehrsspitzenzeiten zwischen Autos im Stau und wurden außerhalb der Rush Hour von sehr schnell fahrenden Fahrzeugen bedrängt und gefährdet. Nun haben sie eine eigene Fahrspur, zumindest ohne die Massen der solofahrenden Kfz. 

Testfahrt war erfolgreich

Am Montag, 28. Oktober um 8 Uhr hat der ADFC Düsseldorf die dritte Umweltspur im Berufsverkehr getestet. Treffpunkt war am Beginn der markierten Umweltspur an der Straße "In den großen Banden", schräg gegenüber dem U-Bahnhof Südpark.

Es ging zügig an den Autokolonnen vorbei über die Werstener-, Witzel-, Mecumstraße bis zur Corneliusstraße. In der morgendlichen Rush Hour werden Busse wohl nicht überholen, doch können sie hinter Radfahrenden trotzdem schneller vorwärtskommen. Außerhalb dieser Zeiten können sie auf eine der Fahrspuren ausweichen. Eine Win-win-Situation für Radfahrende und Busse. Ob allerdings einzelne Radfahrende von Taxen, E-Autos, 3+Kfz nicht bedrängt werden?

Lerke Tyra vom ADFC Düsseldorf meinte:

"Ob das als Süd-Nord Achse interessant und gut fahrbar auch für den Radverkehr wird, bleibt abzuwarten. Die Menge von ÖPNV-Fahrzeugen - dazu werden auch die Taxis gezählt – und das Fahrtempo werden für Alltagsradlerïnnen entscheidende Faktoren für die Bereitschaft sein, die neue Umweltspur zu nutzen. Ob und wie das Miteinander auf der Umweltspur funktioniert, ebenso wie Schlussfolgerungen für künftige Planungen, werden wir positiv kritisch begleiten."

Und in Münster?

Auch wenn Münster keine Corneliusstraße hat: Von weit außerhalb ins Zentrum führende und verlängerte Umweltspuren für Busse oder für Busse und Fahrräder an der Bahnhofstraße/Eisenbahnstraße kann auch Münster dringend gebrauchen, und ebenso am Übergang zum Hansaring, die Engstelle der beiden Bahnbrücken.

Eines erscheint offensichtlich: Umweltspuren machen den Umweltverbund ein wenig attraktiver und den notwendigen Kfz-Verkehr ebenfalls, wenn genügend Menschen umsteigen. 

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