51 Prozent votierten für Radschnellwege
Westfälische Nachrichten ermittelten Stimmungsbild

15.05.11
Kategorie: Münster, Verkehrspolitik, Aktuelles

In der Umfrage der Westfälischen Nachrichten sprachen sich knapp 4/5 der Teilnehmer für bessere Radwege in Münster aus. Grafik: ADFC



Die größten Auswirkungen im Modal-Split der Bevölkerung der Stadt Münster weist im Vergleich der verschiedenen Szenarien das Szenario Elektrofahrräder auf. Die deutliche Zunahme des Radverkehrsanteils geht einher mit den deutlichsten Abnahmen im Kfz-Verkehr. Quelle: Stadt Münster, Expertise „Mobilität Münster / Münsterland 2050“ (Nov. 2010)



Auch das Kfz-Verkehrsaufkommen Auswärtiger in Münster reduziert sich im Szenario Elektrofahrräder. Quelle: Stadt Münster, Expertise „Mobilität Münster / Münsterland 2050“ (Nov. 2010)


Münsters auflagenstärkste Tageszeitung „Westfälische Nachrichten“ (WN) hat sich des Themas „Radschnellwege“ angenommen. Auf der ersten Lokalseite machte WN-Redakteur Klaus Baumeister Anfang Mai mit der Frage auf „Braucht Münster Radfahr-Schnellwege?“. Die parallel dazu gestartete Onlineumfrage brachte anderthalb Wochen später ein erfreuliches Stimmungsbild: 51 % der Teilnehmer votierten für Radschnellwege.

Wenngleich es sich auch um keine repräsentative Umfrage handelt, so wird doch eines deutlich: Mehr als vierfünftel der Teilnehmer wünschen sich bessere Bedingungen zum Rad fahren in Münster. Denn zusätzlich zum eindeutigen Votum für die Radschnellwege sprachen sich immerhin noch 28 % für breitere Radwege aus. In seinem Artikel beleuchtet der Autor die stetig wachsende Anzahl motorunterstützter Fahrräder (Pedelecs) und die damit verbundenen neuen Anforderungen an die städtische Verkehrsinfrastruktur. Mit Wegbreite, Oberflächenbeschaffenheit und sozialer Sicherheit nennt er zentrale Eckpunkte der ADFC Forderungen.

Neben Hajo Gerdemann, dem Experten unserer ADFC Fachgruppe Radverkehr, zitiert Baumeister in einem weiteren Bericht auch den städtischen Verkehrsplaner Michael Milde mit den Worten: „Entweder wir reagieren, oder die Entwicklung wird uns überrollen.“ Hintergrund für diese Aussage ist die Expertise „Mobilität Münster / Münsterland 2050“. Darin prognostizieren die Gutachter beim Szenario „Elektromobilität“ eine Steigerung des innerstädtischen Radverkehrsanteils von 37,6 % (2007) auf 44 % im Jahre 2050. Werden in diesem Szenario auch die auswärtigen Verkehrsteilnehmer betrachtet, gehen die PKW-Nutzung um 4,6 Prozent und der Öffentliche-Personen-Nahverkehr um 1,9 Prozent zu Gunsten des Fahrradanteils zurück. Laut Verkehrsplaner Milde ergebe sich eine „Chance, den Autoverkehr zu entlasten und Pendlerströme von vier auf zwei Räder zu verlagern“. Deutlich wird in Baumeisters Interview auch, dass die Verkehrsplaner noch „gewaltige Probleme und handfestes Konfliktpotential“ sehen.

Baumeisters Frage „Braucht Münster Radfahr-Schnellwege?“ ist rhetorischer Natur, denn natürlich braucht Münster Radschnellwege. Was aber noch viel mehr gebraucht wird, ist der Mut zur Umsetzung. In der Verkehrspolitik bekam bislang jeder etwas: der Autofahrer die Autobahnen, die Parkhäuser und die Umgehungsstraßen, der Schiffsverkehr die Kanalverbreiterung, der Flieger den Flughafen einschließlich Autobahnanschluss. All das ging und geht auf Kosten von Naturverbrauch: hier ein Feld, dort ein paar Bäume oder ein ganzer Wald weg. Das tut nur wenig weh. Der Radfahrer bekam ein Fahrradparkhaus und Lorbeer für seinen Beitrag zum kommunalen Klimaschutz. Bei Radschnellwegen jedoch heißt es in Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit Farbe bekennen: Bleibt die faktische Dominanz des PKW oder nimmt man ihm Raum? Denn wie anders will man innerhalb des zweiten Tangentenrings Radschnellwege umsetzen? Eine Häuserzeile flachlegen wie an der Steinfurter Straße in den 1970ern oder zuletzt an der Grevener Strasse ist keine ernsthafte Option. Also wird das fahrende oder parkende Kraftfahrzeug Raum abgeben müssen. Denn ein Radschnellweg, von Pedelecs genutzt, muss sich zu den gegenwärtigen Radschleichwegen verhalten wie ein ICE zur Dampflok. Das Geheule wird groß sein, aber man wird es durchstehen müssen. Vom Nichts- oder Wenigtun bleibt der Münsteraner Nimbus als „Fahrradhauptstadt“ nicht erhalten.“


Weitere Informationen

Links:
Zum Bericht der Westfälischen Nachrichten „Braucht Münster Radfahr-Schnellwege?“ gelangen Sie hier:
www.westfaelische-nachrichten.de/lokales/muenster/wirtschaft/1541664_Debatte_um_Radfahrschnellwege_entbrannt.html
 
Näheres über unsere Vorstellungen zu Radschnellwegen für Münster können Sie auf diesen Seiten im Netz nachlesen:
www.adfc-ms.de/radverkehrsanlagen
 

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