Neuplanung Hüfferstraße widerspricht Radverkehrskonzept 2015

30.03.17
Kategorie: Verkehrspolitik, Verkehrsplanung

Bushaltestelle an der Hüfferstraße - Bild: Martin Kamps



Bürgersteigparken auf der Hüfferstraße - Bild: Martin Kamps


Die Hüfferstraße ist nach Vorstellung der Verwaltung ein wichtiges Element im Veloroutennetz der Stadtregion Münster.

 

 

 

Sie soll die Radverkehrsströme von Havixbeck, Schapdetten und Roxel gebündelt an den Promenadenring und in die Stadtmitte führen. Für den Radverkehr von den Kliniken, der Sentruper Höhe und Teilen von Gievenbeck hat sie bereits jetzt erhebliche Bedeutung.

Die Neugestaltung der Hüfferstraße ist wohl die erste größere Radverkehrsplanung, die nach der Verabschiedung des Radverkehrskonzeptes (RVK) 2025 durch den Rat der Stadt Münster zur Entscheidung im Bauauschuss  des Rates der Stadt Münster ansteht. Die Fachgruppe Radverkehr im ADFC hat daher die Beschlussvorlage der Verwaltung für den Bauausschuss unter den Maßgaben des RVK betrachtet.

Wir erinnern uns: nach dem RVK soll „mehr Radverkehr generiert“ werden, soll „ein kommunikatives Nebeneinanderfahren, das notwendige Überholen aufgrund unterschiedlicher Fahrgeschwindigkeiten und die Nutzung von Lastenfahrrädern als Transportmittel sowie von Fahrradanhängern“ möglich sein; außerdem sollen „Radverkehrsstandards“ eingeführt werden, die für Radwege eine Breite von 2 Metern, bei „hoher Belastung“ sogar von 3 Metern vorsehen.

Auf der Hüfferstraße fuhren an Werktagen im November und Dezember (!) 2016 in jeder Richtung zwischen 3000 und 4500 Radler. Bei 300 Radlern pro Stunde besteht laut „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA), dem Standardwerk der Planung, ein hoher Nutzungsanspruch durch den Radverkehr. Dies trifft bei der Hüfferstraße zweifelsohne zu, da sich die Radler im Wesentlichen auf die 12 Stunden zwischen 6.00 und 18.00 Uhr konzentrieren. Also müssten Radwege oder Radstreifen 3 Meter breit sein, wenn die Verwaltung den Ratsbeschluss ernst nehmen würde; 2 Meter Breite müssten in jedem Fall geschaffen werden. Aber was beinhaltet die Planung?

Hüfferstraße: Planung und Fazit

Die geplante Breite des Radwegs beträgt mal 1,20 ( sic!!!), mal 1,55, mal 1,6, mal 1,8, mal 2 Meter und unterschreitet damit abschnittsweise noch das Maß von 1,6 Meter, das die ERA bei geringer Radverkehrsstärke vorsieht. Vom „Münsterstandard“ von 3 Metern, den der Rat beschlossen hat, träumt der Radler nur.

Der Schutzstreifen entspricht mit einer Breite von 1,5 Meter dem Regelmaß der ERA, wobei diese notiert (S. 16): „Bei sehr starkem Radverkehr und bei häufiger Nutzung durch mehrspurige Räder sind größere Breiten zweckmäßig".

Die riskante Führung der Radwege durch 4 Bushaltestellen oder die kraftraubende gepflasterte Oberfläche wollen wir hier nicht vertiefen, auch reden wir nicht über eine sichere, zu Fußgängern konfliktfreie, zügige Verbindung der Promenade zwischen Schlossplatz und Stadtbad Mitte…

Fazit 1: Überholen? Vergessen! „Kommunikativ nebeneinander fahren“? Wovon träumt ihr Radler!? Anhänger? Vergessen! Neue Verteilung der Verkehrsfläche zugunsten des Radverkehrs (Bürgersymposium 2016)? Dem Autoverkehr gehört der Verkehrsraum vorrangig! Sicher, zügig, komfortabel? Abhaken!

Fazit 2: Wofür hat der Rat das Veloroutenkonzept  und das RVK beschlossen, wenn die Verwaltung keine 3 Monate später solche Beschlussvorlagen produziert?

Fazit 3: Wofür werden Veranstaltungen wie  Bürgersymposium und „Runder Tisch Radverkehr“ durchgeführt, wenn durch solche Planungen die Mitwirkenden hinter die Fichte geführt werden?

Was fordert die Fachgruppe Radverkehr?

Die Verwaltung legt eine neue mit dem RVK 2025 konforme Planung vor. Sie beherzigt damit auch das einmütige Votum des Bürgersymposiums, ernsthafte Veränderungen im Straßenraum umzusetzen. Die Hüfferstraße könnte zur Fahrradstraße werden mit Maßnahmen, die den Autoverkehr so weit wie möglich ausschließen (z. B. nur für Busse und Anlieger in beide Richtungen frei). Damit würden die isolierten Fahrradstraßen Waldeyerstraße und Schmeddingstraße an das Stadtzentrum angebunden und die Stadt würde so einen ersten Schritt in Richtung „Fahrradstraßennetz“ anstoßen.

Wenn die Verwaltung sich nicht um Ratsbeschlüsse schert, wird gemäß StVO mangels nachweisbarer Gefährdung keine Radwegebenutzungspflicht angeordnet, so dass ein dem RVK 2025 konformes schnelles Radeln möglich wird („Duales System“).

 

 

 

M. Kamps (FG Radverkehr Münster)

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