Ampelschaltung für Radfahrer in Münster: Ausbremsen

01.09.15
Kategorie: Verkehr

Nur noch eine kurze Grünphase für Radfahrer zur Beschleunigung des Autoverkehrs. Das Nachsehen haben die Radfahrer.


Das Beispiel Torminbrücke / Mecklenbecker Straße

Abbiegefehler von Autofahrern sind eine häufige Ursache für oftmals schwere Unfälle, die Radfahrende erleiden. Beim Rechtsabbiegen muss der Lenker des KfZ darauf achten, dass er den geradeaus fahrenden Radfahrer nicht behindert oder gar umfährt. Dies erfordert langsames und vorsichtiges Rechtsabbiegen. Die Zeit nehmen sich nicht alle Autofahrenden. Und so kommt es immer wieder zu den tragischen Unfällen, die gerade in Münster leider sehr häufig sind. Vielfach sind auch die schlechten Sichtbeziehungen zwischen der KfZ-Lenker und dem Radfahrenden die Ursache für die Unfälle. Hier könnten die Verkehrsplaner durch vernünftige Radverkehrsführung einiges verbessern.

Doch in Münster wird oftmals ein anderer Weg eingeschlagen, und der heißt: Radverkehr ausbremsen. Ein aktuelles Beispiel: Wer als Radfahrer über die Torminbrücke Richtung Koldering fährt, hat die Mecklenbeckerstraße an einer Ampel zu überqueren. Den rechtsabbiegenden Autofahrern fällt es schwer, den auf dem Hochbordradweg fahrenden Radfahrer zu sehen, da zwischen Fahrbahn und Radweg eine Baumreihe die Sicht erschwert. Immer wieder kommt es hier zu brenzligen Situationen, wie der Autor dieser Zeilen aus eigener Erfahrung bei der täglichen Fahrt zu Arbeit berichten kann. Dies ist auch den Verkehrsplanern der Stadt Münster seit Jahren bekannt.

Die seit neustem gefundene Lösung: Statt wie bisher eine gleich lange Grünphase vorzusehen, Verkürzung der Grünphase für Radfahrende. Konsequenz: Ausbremsen des Radverkehrs bei gleichzeitiger Beschleunigung des (rechtsabbiegenden) Autoverkehrs. Das war die billigste Lösung. Alternativ hätte man stattdessen dem rechtsabbiegenden Autoverkehr eine kürzere Grünphase verordnen können. Doch das hätte die Installation einer Rechtabbiegeampel bedeutet und noch schlimmer: es hätte den Autoverkehr ausgebremst. Und so etwas ist dem Autofahrer in Münster, der „Fahrradhauptstadt“ Deutschlands, wohl doch nicht zuzumuten.

Es ist immer wieder erstaunlich und bewundernswert, dass die Menschen in Münster trotz aller täglich neuen Behinderungen das Fahrrad nutzen. Wann endlich wird die Verkehrspolitik dieser Stadt dem Radverkehr das zugestehen, was notwendig ist, um eine gesunde, lebenswerte Stadt zu schaffen mit Vorfahrt für den Radverkehr, wo immer es geht.

Udo Puteanus, FG Radverkehr Münster


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