ADFC-Infostand zu Fahrradstraßen

28.03.15
Kategorie: Verkehr

ADFC-Stand an der Schmeddingstraße



Schmeddingstraße als Fahrradstraße: gut gedacht, doch Autofahrer halten sich oft nicht an die Regeln, obwohl sie hier nur "geduldet" sind


An einem Samstagmorgen im Herbst letzten Jahres standen wir (FG Radverkehr Münster) an einer Kreuzung mit dem ADFC-Inforad.  Meistens wird dieses Rad benutzt,  um Karten und Broschüren für Radtouren zu verteilen. Uns ging es hier um Flyer und Infos zu Fahrradstraßen.

Es gibt in Münster knapp 20 Fahrradstraßen. Diese wurden seit 1990 eingerichtet, um für Radfahrende eine komfortable, zügige und sichere Radverbindung zu schaffen. Münster will damit umweltfreundliche Mobilität voranbringen. Eine gute Einrichtung, die sich bewährt, aber auch noch einige Kinderkrankheiten hat. Im Grundsatz ist eine Fahrradstraße (Höchstgeschwindigkeit 30 km/h) für Radfahrende vorgesehen, die hier auch so viel Platz haben, dass sie nebeneinander fahren können, also sich unterhalten können. Autoverkehr ist zunächst nicht zugelassen. In Münster sind jedoch fast alle Fahrradstraßen mit einem Zusatzschild für KFZ freigegeben. Das erlaubt die Benutzung der Fahrradstraße durch KFZ. Allerdings sind diese nur geduldet, nicht bevorrechtigt. Im Alltag führt jedoch dieses KFZ-Frei wiederholt dazu, dass KFZ zu schnell unterwegs sind, und zwar sowohl über 30 km/h als auch zu schnell, wenn sie in die Nähe von Radfahrenden kommen. Es wird bedrängt, an Engstellen vorgedrängt, Gespräche zwischen Radfahrenden werden unterbrochen. Dass KFZ auf Fahrradstraßen nur geduldet sein sollen und Radfahrende nicht behindert werden dürfen, ist für manche KFZler doch arg gewöhnungsbedürftig.

Und so stellten wir uns an eine Kreuzung (Schmeddingstraße/ Waldeyerstraße), auf die von zwei Seiten Fahrradstraßen zuführen. Erfreulich, doch auch in Münster noch eine  Besonderheit. Alle vier zur Kreuzung führenden Straßen liegen in einer Tempo- 30-Zone.

Unsere Infoflyer sind wir gut losgeworden, Broschüren etwas weniger. Offensichtlich ist, dass manche Radfahrer nicht wissen, dass sie bevorrechtigt sind, erst recht wissen manche Autofahrer nicht, dass sie nur geduldet sind. Die Passanten begrüßten unseren ADFC-Infostand und nahmen die Infoblätter sehr gerne mit. Sehr selten wurden wir damit konfrontiert, dass Radfahrer zu viele Rechte hätten und sich zu viel herausnehmen. Verbreiteter war Kritik an der Masse des ruhenden und fahrenden Autoverkehrs in den beiden Straßen eines Wohngebietes. Mehr Verkehrsberuhigung wird häufig gewünscht.

Fazit: Ein Infostand zum Alltagsradfahren wirkt unüblich, ist jedoch durchaus erwünscht. Einige Monate später ist allerdings auch deutlich: Ein einmaliger Infostand an einem Ort reicht in Münster für eine Verhaltensänderung nicht aus. Alternative Strecken, um die Fahrradstraßen zu umfahren, werden von Autofahrern noch zu wenig gesucht und wahrgenommen. Und Radfahrende nicht zu bedrängen, ist noch nicht allen Autofahrern gegeben. Möglicherweise gibt es noch viel zu wenige Fahrradstraßen in Münster, sodass sich Autofahrende noch nicht ausreichend mit deren Sinn vertraut gemacht haben. Auch deshalb sehr bedauerlich: Die weitere Ausweisung von Straßen als Fahrradstraßen stagniert in Münster inzwischen seit vielen Jahren.

FG Radverkehr Münster Elmar Post   


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