Der Sicherheitsabstand zwischen PKW und Fahrrad

25.11.14
Kategorie: Aktuelles, Verkehr

Radfahrerin und PKW auf der Jakobistraße, westlicher Straßenabschnitt (Copyright: Stadt Soest)


Zu geringer Sicherheitsabstand zwischen PKW und Fahrrad führt zu vielen gefährlichen Situationen. - Was lässt sich tun? Mit Polizei und rechtlichen Schritten dagegen vorgehen?

 „Justitias stumpfes Schwert“
titelt Roland Huhn in der aktuellen Radwelt.

Zu Sicherheitsabständen gibt es einen detaillierten ADFC-Ratgeber,  der Deutsche Fahrradpreis geht 2013 für ein solches Projekt an die Stadt Soest.
Insgesamt wird jedoch wenig dazu geschrieben
und wenig gehandelt.

Der Artikel unseres Rechtsreferenten war deshalb fällig.
(in der aktuellen Radwelt des ADFC, 5-2014)   


„Eine der unangenehmsten Erfahrungen beim Radfahren ist es, von einem Auto mit hoher Geschwindigkeit und zu geringem Abstand überholt zu werden.“

Und ich ergänze: „Das gleiche gilt, wenn plötzlich die Tür eines geparkten Autos geöffnet wird.“

Müssen wir als Radfahrer mit diesen unangenehmsten Erfahrungen dauerhaft leben? 

Was können wir selber machen? Helfen uns Strafrecht, Fahrausbildung, technische Lösungen, Infrastrukturmaßnahmen?

Beim fahrenden Begegnungs- und Überholverkehr geht es um das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch des Autofahrers, schnell vorwärts zu kommen, und dem Sicherheitsbedürfnis des Radfahrers. Letzteres hat für mich selbstverständlich Vorrang. Aber im Alltag ist Sicherheit leider überhaupt keine Selbstverständlichkeit.

Huhn zeigt detailliert, dass das Strafrecht praktisch ein stumpfes Schwert ist. Die Verstöße liegen vor, können aber bisher nicht wirksam von Polizei und Staatsanwalt geahndet werden.

Als einzige Sanktion bleibe häufig nur das „lächerlich niedrige“ Verwarnungsgeld von 30 Euro. Nicht viel, aber immerhin. Hier könnte die Polizei zumindest exemplarisch tätig werden, auch, damit die Gefährdung des Radfahrers wieder in den Blick des Autofahrers rückt.

Lange habe ich gedacht, Sicherheitsabstände gegenüber Radfahrern spielten in der Fahrschulausbildung keine Rolle, so eng wie Radfahrer ständig überholt werden. An meinen eigenen Unterricht erinnere ich mich zu wenig, außerdem gab es sehr viel weniger parkende und fahrende Autos, so dass es eben mehr Platz gab, der schleichend, aber stetig kleiner wurde. Inzwischen weiß ich: Sicherheitsabstände sind im Fahrschulunterricht Thema, in der Fahrschulpraxis wird deutlich darauf geachtet und in einem Fahrschulbuch für die Klasse B heißt es, 1,5 m Abstand, sonst ist nichts mit Überholen. Aber kaum haben wir den Führerschein, ist nichts mehr mit Sicherheitsabstand - und das gilt nicht nur für jugendliche „Draufgänger“, sondern gerade auch für Ältere und „Erfahrene“.

Radfahrer können bei parkenden Autos selbst die Gefahren minimieren, was auch dringend nötig ist. Wir haben in Münster durch plötzliches Türöffnen schwerste Unfälle. Also sollten wir mit mindestens 1 Meter Sicherheitsabstand an parkenden Autos vorbeifahren, bei den heutigen Türbreiten muss sogar meist etwas mehr Abstand einkalkuliert werden.

Technische Lösungen
können helfen: Schiebetüren reduzieren bei parkenden PKWs die Risiken. Beim fahrenden Verkehr könnten Sensor gestützte Warnsysteme für den Fahrer - künftig für selbst fahrende Autos eine Automatik - den Sicherheitsabstand berücksichtigen.

Zur Verbesserung der Infrastruktur bieten sich z.B. folgende Maßnahmen an:
Parkplätze umwidmen in Fahrradparkplätze, weniger Parken am Straßenrand, Radfahrstreifen in der Mitte der Fahrbahn markieren. So bleibt genügend Abstand zu parkenden Autos, und die Autos können nicht mehr überholen. Damit wird auch der Druck vom Radfahrer genommen, sich an die Seite drängen zu lassen und sich dadurch selber bei parkenden Autos in Gefahr zu bringen. Das Beispiel Jakobistraße in Soest zeigt diese Sicherung für eine Einbahnstraße. Und es gibt nicht nur in Holland, sondern auch in Deutschland Beispiele, dass ähnliche Lösungen auch in anderen Straßen praktiziert werden können.

Die Höchstgeschwindigkeit zu senken, verhindert meist nicht das Überholen, senkt allerdings das Unfallrisiko und die Schwere eines Unfalls. Eine weitere Möglichkeit, die ich in Frankreich gesehen habe: Warnschilder markieren mit einem Strich zwischen Radfahrer und Auto und mit dem Hinweis“ 1,5 Meter“ den einzuhaltenden Sicherheitsabstand. (ähnlich auch schon in Italien oder Österreich oder so gesehen).

Nichtstun ist bei der Münsteraner Unfallstatistik jedenfalls keine Alternative. Daher der Appell an die Stadt: Nutzt die Möglichkeiten, die es gibt! Und an die Radfahrer: Nutzt den Raum, der Euch sichert und zusteht!

Fachgruppe Radverkehr
Elmar Post

hamburgize.blogspot.de/2013/07/deutscher-fahrradpreis-2013-geht-soest.html

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