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In die Sommerfrische

30.07.19

Vortrag "Alte Emsbadeanstalt" (Foto: Klaus-Herbert Schafberg)



Waldhütte Telgte (Foto: Klaus-Herbert Schafberg)



Landhaus "Telgterheide" (Foto: Klaus-Herbert Schafberg)


Halbtagestour zu Bootshäusern, Wochenendhäusern und Badeanstalten

Eine Landpartie per Rad. Dazu hatte die ADFC-Ortgruppe Telgte-Ostbevern eingeladen. Unter dem Titel „Sommerfrische“ unternahmen die Teilnehmer mit der Radtour-Leiterin Anne-Katrin Schulte eine Zeitreise in das Freizeitvergnügen in Telgte und Münster von vor 100 Jahren.

Telgte bot auch schon in historischer Zeit viele Möglichkeiten zum Zeitvertreib für Einheimische und Auswärtige. Dabei spielten die Ems und die schöne Landschaft oft die Hauptrolle. Aber auch die Wallfahrt brachte viele Besucher in die Stadt.

 Die vielen Ausflügler und Wallfahrer benötigten Unterkunft und Verpflegung, so dass es in Telgte eine Vielzahl von Hotels, Gaststätten und Schankwirtschaften gab. Aber auch die Telgter selbst pflegten ein reges und vielfältiges Vereinsleben zur Zerstreuung und sportlichen Ertüchtigung.

Beginnend mit der alten Emsbadeanstalt, die als eine der ersten im weiten Umkreis  errichtet wurde und lange Jahre dafür sorgte, dass fast alle Telgter Mädchen und Jungen schwimmen lernten, über die Alte Rennbahn, deren Besuch ein beliebtes  gesellschaftliches Ereignis war, führte der Weg die Radler in die Klatenberge.

Ursprünglich als Flußdünenlandschaft eine landwirtschaftlich wenig genutzte Heidefläche, entwickelten sich die Klatenberge durch die Aufforstungen im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Wandergebiet mit Einkehrmöglichkeit im heute noch bestehenden Heidehotel Waldhütte. 

Einen besonderen Aufschwung als Ferienort nahm Telgte mit der Errichtung des Bahnhaltepunktes „Jägerhaus“ im Jahr 1888. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurden südlich entlang der Chaussee Münster-Telgte, der heutigen B51, eine Reihe von Sommerhäusern wohlhabender Münsteraner Bürger errichtet, die zusammen mit ihren Familien ihre Sommerfrische dort verbrachten. Dies erfuhr die Radelgruppe bei ihrem nächsten Halt beim Haus Telgterheide, wo sie von Ulla Woltering, der Schwester des heutigen Eigentümers, herzlich begrüßt wurden. 1904 wurde das Haus Telgterheide vom Münsteraner Kaufmann Wilhelm Rawe als Sommerhaus errichtet und ein großzügiger Park mit Schwimmteich und Tennisplatz angelegt. Nach dem 2. Weltkrieg zog die Familie dauerhaft nach Telgte und baute die heutige Gärtnerei auf. 

Weiter gings Richtung Münster. Nach einer Einkehr in der Pleistermühle, laut dem westfälischen Heimatdichter Augustin Wibbelt ein schönerer Ort als der Golf von Neapel und das Goldene Horn von Konstantinopel, erreichte die Gruppe schließlich Wolbeck. Dort besichtigten die Radler das ehemalige Kurhaus, das 1892 von Dr. Lackmann eröffnet wurde und eine Vielzahl von Leiden nach den Methoden des Dr. Kneipp behandelte. Die Kurgäste speisten in im Jugendstil gehaltenen Saal und lustwandelten zur Erholung im großen Kurpark. Überaus beliebt war das Kurhaus und die Zahl der Gäste stieg. Mitte der 1960er Jahre war Wolbeck kurze Zeit sogar als Kneippkurort anerkannt. Doch leider blieb der dauerhafte Erfolg aus, das Kurhaus wurde zum Wohnhaus umgebaut. In jüngster Zeit wurde der Abriss des ehemals so mondänen Kurhauses beschlossen.

Mit einer Vielzahl von Eindrücken kehrten die Zeitreisenden nach Telgte zurück.

Anne-Katrin Schulte

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