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Markus Lewe im Sommergespräch

16.08.19
Kategorie: Aktionen, Aktuelles, Kreisverbände, Münster, Presse, Verkehr

Markus Lewe Bild - Thorsten Knnölke



Markus Lewe mit Gazelle Bild - Thorsten Knölke



Leezenchaos vor dem Hauptbahnhof. 10.000 Plätze wären nach Verkehsplaner Michael Milde nötig.



Hamburger Tunnel



Unschöne Abstellanlage zur Nutzung mit Schwerbehindertenausweis



Selbst die Einfahrt zur Radstation wird zugestellt. Wo ist das Ordnungsamt



Buskunden am Hauptbahnhof müssen weite Wege machen und eine Ampel queren



Der Busbahnhof ist zerschnitten durch die Bahnhofstraße



Ein attraktiver Busbahnhof sieht anders aus



Neue Hauptbahnhof Münster



Musterbeispiel Hamm, so geht Busbahnhof heute



DEK Radroute


Karlsruher kann sich warm anziehen! Mit Oberbürgermeister Markus Lewe trafen sich am 14. August Thorsten Knölke und Peter Wolter in der ADFC Geschäftsstelle zum Meinungsaustausch über Radverkehrspolitik und mehr.

Gleich am Anfang stellte Lewe, in Bezug auf den gewonnen ADFC-Fahrradklimatest 2018 durch die Stadt Karlsruhe, die These auf: Karlsruhe kann sich warm anziehen! Begründung: „Mit unserem Radverkehrskonzept - Münster 2025 und dem Masterplan „Mobilität Münster 2035+“ gibt es künftig ein ganzes Bündel von Maßnahmen, mit dem wir an Karlsruhe wieder vorbeiziehen werden. Wir streben darin das Ziel an, den Modalsplit von jetzt schon stolzen 40 auf 50% Fahrradanteil zu steigern.

Bei dem vorhandenen „Tempo“ der Umsetzung dürfte das aber noch lange dauern.

 

Nein, die ersten Dinge werden bald sichtbar werden. Die Bauarbeiten zur Veloroute nach Telgte sollen dieses Jahr noch beginnen. Des Weiteren sind wir mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt einig über die Veloroute am Kanal Richtung von Greven bis Senden. Diese bedürfen keiner großen Vorplanung, so dass auch hier bald losgelegt werden kann. Die Fahrbahn der Veloroute wird dazu im Veloroutenstandard ausgebaut, u. a. durchgängig asphaltiert und mit intelligenter Beleuchtung versehen, die sich via Bewegungsmelder bei Bedarf einschaltet. Wir wollen so den Pendlerverkehr bis etwa 16 Kilometer auf das Fahrrad holen. Vor allem bei Nutzung von Pedelecs ist das eine akzeptable Entfernung. Zudem bauen wir an vielen Velorouten abschnittsweise gleichzeitig, immer dann wenn Planungs- und Baurecht vorhanden ist, um den Fortgang zu beschleunigen.

 

Sie sind bald 10 Jahre Oberbürgermeister von Münster, haben Sie sich als Vielfahrradfahrer vorgestellt, dass es so schwer sein wird die Situation der Fahrradfahrer nachhaltig zu verbessern?

 

Zugegeben, es ist nicht immer einfach, man muss sich aber auch vor Augen halten, dass Münster eine unglaublich schnell wachsende Stadt ist. Die Stadtinfrastruktur ist für 250.000 Einwohner ausgerichtet. Heute sind wir 314.000 Einwohner, da kommt Planung und Bau oft nicht hinterher.

 

Polizeipräsident Hajo Kuhlisch hat im Interview mit der WN gesagt, die Stadt solle sich den Vorrang für Fahrradfahrer auf der Promenade nochmal genau überlegen.

 

Solche Aussagen finde ich deplatziert, denn ich mache dem Polizeipräsidenten auch keine öffentlichen Vorhaltungen zu seiner Polizeiarbeit. Zu verkehrspolitischen Fragen kann er sich gerne als Bürger äußern aber nicht als Polizeipräsident.

An den vier unstrittigen Stellen, wie Salzstraße, Hörster Straße, Kanalstraße und Am Kreuztor werden wir anfangen. Mit diesen Erfahrungen können wir dann auch die anderen Kreuzungsstellen ins Auge fassen. Klar - an den Querungsstellen für die Bundesstraßen muss es andere Lösungen, wie Unter- oder Überführungen, geben. Ich bin sicher, wenn wir die Anfangsphase überwunden haben, werden mit den Erfahrungen danach alle schnell zufrieden sein.

 

Das ist auch unsere Meinung! Vor allem wenn man berücksichtigt, dass es heute schon Abschnitte auf der Promenade gibt, wo der Fahrradverkehr mit über 20.000 Rädern / Tag den weitaus größten Anteil stellt. Auch Mitarbeiter des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke sehen die Planungen zur Promenade unkritisch.

 

Gut! Ergänzend möchte ich sagen, dass der Promenadenring, wenn wir die 50% Modalsplit anstreben und die 13 Velorouten dort angebunden sind, noch einen weit höheren Radverkehr bekommen wird.


50% Fahrradanteil im Verkehr in Münster ist unser erklärtes Ziel!


Herr Kuhlisch hat aber auch sehr viel positives gesagt, wie die Stadt braucht mehr Mut um z.B. die Altstadt im Promenadenring, außer für Anlieger- und Lieferverkehr, weitestgehend autofrei zu machen.

 

Mut ist richtig und eine autofreie Innenstadt, das habe ich bei meinem diesjährigen Fahrradurlaub in Italien wieder gesehen, ist eine erstrebenswerte Sache, die Altstädte sind dort vielfach autofrei. In Padua habe ich sogar eine sehr innovative einspurige Räderbahn gesehen, die auf Reifen fuhr aber von einer Schiene in der Mitte geführt wurde. Zudem habe zu meinem Erstaunen gelesen, dass sogar die „Interessengemeinschaft starke Innenstadt“ mit Herrn Tobias Viehof sich für eine Reduzierung des Autoverkehrs in der Innenstadt ausgesprochen hat. Betonen möchte ich aber auch, dass wir als Politik immer versuchen müssen, mit guten Argumenten alle mitzunehmen, um eine größtmöglich Akzeptanz zu erreichen, sonst haben wir hier auch bald „Gelbwesten“. Dies gilt z.B. auch für die immer strittige Parkplatzreduzierung. Klar – am Ende muss eine Entscheidung her, denn allen kann man es zuletzt nie recht machen.

 

Wir plädieren mit dem Domplatz zu beginnen, denn dort fahren selbst am Samstag zum Wochenmarkt, vom Navi getrieben, Autofahrer aus weit entfernten Städten nach einem Parkplatz suchend herum.

 

Ich denke, es war damals ein Fehler, alle Parkhäuser in der Innenstadt anzusiedeln. Heute würde man diese am 1. Tangentenring ansiedeln und mit Bushaltestellen und einem Fahrradverleihsystem versehen, mit denen die Menschen dann in Minuten die Innenstadt erreichen. Ein Fahrradverleihsystem ist auch für Münster jetzt angedacht, weil es über die touristische Ausleihe von Rädern für einen ganzen Tag auch ein Bedarf für eine kurzzeitige Ausleihe gibt.

 

Was halten Sie mit Blick auf den Klimawandel und dem drohenden Verkehrskollaps in den Städten von dem vierspurigen Ausbau der B 51 zwischen Handorf und Telgte? Bei der Vorstellung in Handorf durch StraßenNRW stieß den Bürgern die arrogante Einstellung des Behördenvertreters auf, der zigmal betonte, es ist alles gerichtsfest, nach dem Motto, ihr könnt machen und sagen was ihr wollt, wir ziehen das hier durch.

 

Dazu kann ich nichts sagen. Ich sage nur, auch wenn die Zahlen im Verkehr zurückgehen sollten, so bleibt immer noch eine nicht unerhebliche Restmenge, die auch in Zukunft für alle verträglich abgewickelt werden muss. Gerade Münster als Wissenschaftsstandort, neu auch mit dem Batterieforschungszentrum, muss die adäquate Erreichbarkeit sicherstellen um weiter als Standort attraktiv zu bleiben.

 

Sie sollen nach Zeitungsaussage zum Ausbau gesagt haben, dass es sich um eine neue Umwelttrasse handeln soll?

 

Nein – kann schon nicht stimmen, allein weil es schon in der Zeitung stand. Ich habe nur gesagt, dass die Bahnübergänge davon profitieren, weil sie dann alle signaltechnisch gesichert würden.

 

Dies lässt sich aber auch ohne den Ausbau der B 51 und im weiteren Verlauf der B 64 realisieren.

 

Würde nur erheblich länger dauern. Die Bäume dürften natürlich dafür nicht gefällt werden. Der Ausbau muss auch nicht überall vierspurig erfolgen. Wir stehen hier erst ganz am Anfang, sicher wird noch vieles angepasst und anders gebaut als es heute geplant ist.

 

Wir befürchten zudem, dass die Bemühungen mit dem Bau der Veloroute nach Telgte damit konterkariert werden.

Anderes Thema: Wir haben einen neuen schönen Bahnhof, aber die Abstellsituation für Fahrräder ist weiter dramatisch.

 

Sehe ich auch so, aber wir schaffen gerade 1000 neue Abstellplätze im Parkhaus Bremer Platz. Zudem werden mit dem Ausbau des Hansatores auf der Ostseite 2000 neue geschaffen. Das alles wird wahrscheinlich immer noch nicht reichen, daher brauchen wir für den Bahnhofsbereich noch ein Gesamtkonzept.

 

Apropos Bahnhofsbereich, der Busbahnhof in Münster wird durch die Straße davor durchschnitten, was für die Buskunden unattraktiv ist. Könnten Sie sich vorstellen, ähnlich wie in Hamm, eine Businsel zu schaffen, an der gleichzeitig z.B. acht Busse halten und die Fahrgäste von Bus zu Bus überdacht ohne Autoverkehr umsteigen könnten?

 

Das wird ein schwieriges Unterfangen, dazu müsste der Verkehr in die Tieflage gebracht oder anderweitig umgeleitet werden.


Ich freue mich jeden Tag auf meine Radtouren von und zum Dienst!


Immer wieder wabert durch die politische Diskussion der Begriff „Boulevard Hammer Straße“. Wie sehen Sie die Entwicklung?

 

Wir sind mit der Umwidmung der Bundesstraße 54 von der Hammer Straße zur Geiststraße hin, schon einen Schritt weiter gekommen Es bedarf jetzt einer Diskussion aller Anwohner und beteiligter Gruppen, wo die Reise hingehen soll. Ich wünsche mir schon lange den Platz vor der Josefskirche auch als Platz gestaltet zu sehen.

 

Zum Schluss die Frage nach einem Leuchtturmprojekt für Münster, denn Verkehrsplaner fahren schon lange woanders hin, wenn sie danach suchen. Könne Sie sich eins vorstellen?

 

Ja – denn leider hat Münster 1954 schon den Betrieb der Straßenbahn eingestellt, was ein riesiger Fehler war. Daher streben wir jetzt die Münsterland S-Bahn an, die Münster mit dem Umland eng vertakten soll. Zudem wird es eine ganze Anzahl zusätzlicher Haltestellen geben um damit den ÖPNV nachhaltig zu stärken.
Auch eine Seilbahn ist nicht ganz utopisch, z.B. vom Bahnhof zum Domplatz oder zur Universität. Auch vom Hafenplatz zum Domplatz wäre sie möglich. Das wäre sicher ein Leuchtturmprojekt, dass mal wieder Verkehrsplaner nach Münster locken würde.


Zur Person:

Makus Lewe (geb. 1965)
Seit Oktober 2009 Oberbürgermeister in Münster

Seit Mai 2010 ADFC Mitglied

Vizepräsident Deutscher Städtetag

Aufsichtsratsmitglied des Flughafens Münster / Osnabrück

Mitglied im ZDF Fernsehrat

 

Faktencheck zum Gutachten B 51n

 

Hier geht es zur Velorouutenplanung in der Region Münster


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