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Destatis: Zahl der getöteten Radfahrer steigt im 1. Halbjahr weiter an

22.08.19
Kategorie: Sicherheit, Mobilität, Verkehr

Heatmap – Visualisierung von Rohdaten der Verkehrsunfallstatistik Münster (Screenshot von crashes.codeformuenster.org)



Beispiel einer geschützten Kreuzung (protected intersection) in Vancouver/ Kanada (Bild: ADFC/ Madi Carlson)


Die Verkehrssicherheit für Radfahrerïnnen hat sich auch im 1. Halbjahr 2019 weiter verschlechtert, das zeigen die in dieser Woche vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Zahlen. Während im Autoverkehr weniger Menschen starben, stieg unter den Radfahrenden die Zahl der Getöteten um 11,3% noch einmal drastisch an. Der ADFC fordert neue Konzepte für sichere Kreuzungen.

 

Auch wenn es in Münster bislang im Jahr 2019 nur einen tragischen tödlichen Baustellenunfall gegeben hat, deuteten die inoffiziellen Zahlen der hiesigen Polizei auf keinen Rückgang der erschreckend hohen Unfallzahlen mit Beteiligung von Radfahrenden hin. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht halbjährlich die aggregierte, polizeilich erfassten Unfallzahlen (die Dunkelziffer und Zahlen von „Schattenstatistiken“ dürften – gerade bei Fahrradunfällen –weitaus höher liegen.)

Im 1. Halbjahr 2019 sind laut Destatis in Deutschland 1.465 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben gekommen. Das waren nach vorläufigen Ergebnissen 40 Personen oder 2,7 % weniger als im 1. Halbjahr 2018. Die Zahl der Verletzten ging um 5,1 % auf rund 178.500 Personen zurück. Für den Zeitraum Januar bis Mai 2019 liegen tiefer gegliederte Ergebnisse vor. Danach kamen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer ums Leben (+16 Personen beziehungsweise +11,3 %).

Hauptunfallsituation: Kreuzungen, Einmündungen

Etwa zwei Drittel aller Fahrradunfälle sind Kollisionen mit Autos. Hauptschuld trägt in den allermeisten Fällen (75 Prozent) der Autofahrer bzw. die Autofahrerin. Die häufigste Unfallkonstellation für Radfahrende sind Kollisionen mit Kraftfahrzeugen beim Einbiegen, Kreuzen oder Abbiegen. Der ADFC fordert daher beim Ausbau der Radinfrastruktur besonders Augenmerk auf Kreuzungen und Einmündungen zu legen.

Der Fahrradclub ADFC erneuert zugleich seine Kritik am schleppenden Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur und fordert neue Konzepte für den fahrradfreundlichen Umbau insbesondere von Kreuzungen.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagte:

Deutschland muss jetzt einen Zahn zulegen beim Ausbau der Fahrradinfrastruktur, sonst werden wir ständig solche Hiobsbotschaften bekommen! Die Wege für Radfahrende sind nach wie vor erbärmlich – gleichzeitig ist mehr Radverkehr als Lösung für unsere verstopften Städte ja hocherwünscht! Wir brauchen sofort mehr Tempo 30 in den Städten, schnelle Ausbauprogramme für geschützte Radwege an Hauptachsen und vor allem: Geschützte Kreuzungen! Kreuzungen sind die gefährlichsten Punkte für Radfahrerinnen und Radfahrer. Deutschland braucht – wie die Niederlande und Nordamerika – ein neues Konzept, wie man die gefährlichen Kreuzungspunkte zwischen Rad- und Autoverkehr beispielsweise durch Betoninseln und getrennte Grünphasen entschärft!“    

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