Verkehr muss intuitiv erfassbar sein!

06.12.13
Kategorie: Sicherheit, Münster (OG), Münster

Udo Weiss, Peter Wolter, Thomas Wellers, Albert Schetter, Matthias Wüstefeld (v.l.n.r.)


Darin war sich die Runde zwischen Polizei und ADFC schnell einig, der Mensch ist einer sehr großen Komplexität an Eindrücken und Informationen im Verkehr ausgesetzt und dabei leider oft auch einfach überfordert. Wenn dann noch schlechte Sicht, Dunkelheit herrschen und eine schnelle Reaktion erforderlich ist, reagiert der Mensch häufig falsch und der Verkehrsunfall ist vorprogrammiert. Daher fielen immer wieder im Gespräch die Worte von Normenklarheit, Normenwahrheit und dass der Verkehr intuitiv, ohne viel nachzudenken und Verkehrsschilder erfassbar sein sollte. Die Realität ist leider anders!

Was ging voraus: Der ADFC Münster trifft sich seit einigen Jahren regelmäßig mit der Direktion Verkehr im Polizeipräsidium. In diesem Jahr war das Treffen turnusmäßig mal wieder im Infoladen des ADFC Münster. Der Leiter der Direktion Verkehr seit 2007, Leitender Polizeidirektor Udo Weiss, Polizeihauptkommissar Thomas Wellers, Verkehrssicherheitsberater und stellv. Leiter Prävention/Opferschutz, Polizeihauptkommissar Albert Schetter, Sachgebietsleiter Unfallanalyse und Controlling , sowie auf der Seite des ADFC Peter Wolter, als 1. Vorsitzender des ADFC Münster / Münsterland e.V., Matthias Wüstefeld als 2. Vorsitzender, Ernst Metzler als Radfahrtrainer und Paul Rainer Trüb, als Testfahrradlehrer für Pedelecs. Weiss konnte zum Gesprächsbeginn mit erfreulichen vorläufigen Unfallzahlen für 2013 aufwarten. Durchweg fielen die Zahlen in allen Bereichen besser aus, außer bei den Dauerbrennern Ring, Bült und Wolbecker Straße. Dennoch ergab sich bis jetzt ein Minus von rund 7%. Auch die Zahlen bei den Fahrradkontrollen, die verstärkt von 11. bis 21. November im Bezug auf die Beleuchtung durchgeführt wurden, waren erfreulich. So sind bei 3591 Kontrollen gerade 123 Radfahrer ohne Licht (3,4%) aufgefallen. Schetter erläuterte mit Schaubildern die Unfallhäufigkeiten an der Wolbecker Straße, die sich extrem im Bereich Schaumburgstraße bis Bremer Straße und im Bereich des Rings ereignen. Wellers ging intensiv auf die Fahrradschulung bei den 9 und 10-jährigen Schülern an Grundschulen ein. Besonders stolz ist er darauf, den Anteil der Eltern bei der Schulung in den letzten Jahren durch Beharrlichkeit auf 75% erhöht zu haben. Wobei Eltern auch Oma und Opa sein können. Wolter erläuterte die Gefährlichkeit an der Hüfferstraße durch die westlich angebrachten Pfostenreihe zwischen Promenade und Himmelreichallee. Des Weiteren wurde die Radwegebenutzungspflicht am Max-Klemens-Kanal bei teilweise nur 1 Meter Breite für einen Zweiwegerichtungsradweg inkl. Fußgänger erörtert. Die Gefährlichkeit wurde von der Polizei geteilt. Man will sich in weiteren Gesprächen mit der Verwaltung in gleicher Weise einsetzen.

Weitere Themen waren u.a.

  • die Abbiegesituation Ägidiistraße in Richtung Weseler Straße und die kreuzenden Fahrwege zwischen Radfahrern und Kfz,
  • das zu geringe Nachtbusangebot Freitag und Samstag in die Wohngebiete der Studenten,
  • der hohe Anteil an Pedelecs mit Fahrern, die nicht die nötigen Anforderungen mitbringen,
  • Raddiebstähle mit rückläufiger Tendenz,
  • Runder-Tisch-Radverkehr und das angedachte Bürgersymposium zum Radverkehr in 2014
  • Alkohol am Lenker und die gemeinsame Forderung dem Strafrecht (1,6 Promille) eine Bußgeldverordnung vorzuschalten die bei 1,1 Promille ansetzen könnte, 
  • 3-0 wie es Wüstefeld prägnant auf den Punkt brachte, also viele Radler sollten im Alter oder bei einem Handicap nicht auf ein Pedelec sondern besser gleich auf ein Dreirad umsteigen, 
  • verworrene Ampelschaltungen
  • Schutzstreifen und Großversuch dazu im Rheinland
  • Fahrradstraßen, deren Funktion Autofahrer oft nicht kennen. Hier sind sie nur geduldet und haben sich dem Radverkehr anzupassen. Leider wird aber von Autofahrern hier oft gedrängelt. Daher wurde hierzu fest vereinbart, zum Beginn der Fahrradsaison 2014, gemeinsame Aktionen ADFC + Polizei in Schwerpunktfahrradstraßen wie z.B. der Schillerstraße und Waldeyerstraße durchzuführen.                                            pw
Peter Wolter

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