Umweltforum Münster: Das neue Oxford-Quartier muss an die "Veloroute West" angebunden werden

27.08.19
Kategorie: Verkehrsplanung, Mobilität, Havixbeck, Nottuln, Münster (OG)

Logo Umweltforum – der „Dachverband der münsterschen Umweltgruppen



Ausgangs- und Bahnhaltepunkt Münster-Roxel (Bild: Thorsten Knölke)



Start: Befahrung der "Veloroute West" (am 21. August 2019) – begleitet durch den ADFC Münsterland (Bild: Thorsten Knölke)



Beengte Verhältnisse: Einpendlerströme Richtung Münster (Bild: Thorsten Knölke)



Grüne Welle? (Bild: Thorsten Knölke)



Schmaler Anstieg zur Brücke über die A1 (Bild: Andreas K. Bittner)



Ampel und Seitenwechsel am Dingbänger Weg (Bild: Thorsten Knölke)



Rechts geht es hier nach Mecklenbeck (Bild: Andreas K. Bittner)



Pferde auf dem Radweg? An dieser Stelle im Aa-Tal keine Seltenheit (Bild: Andreas K. Bittner)



Konversionsprojekt "Oxford-Kaserne" – ein sattelloses Fahrrad des IFM weist auf eine Fahrradwerkstatt hin (Bild: Andreas K. Bittner)



Konversionsprojekt "Oxford-Kaserne" – bald neuer Raum für 3.000 Menschen (Bild: Thorsten Knölke)



Am Ziel: Fahrradstraße Schmeddingstraße (v.l.) Matthias Wüstefeld (ist Poolnudel-Spezialist), Udo Puteanus (hat die Bereisung vorbereitet), Andreas K. Bittner (sitzt dem ADFC Münsterland vor) (Bild: Thorsten Knölke)


Die Bezirksvertretung Münster-West wird sich in ihrer Sitzung am 29. August 2019 erneut mit einer öffentlichen Beschlussvorlage (dem B-Plan 579) beschäftigen. Hier stehen wichtige klima- und mobilitätspolitische Aspekte in der „Fahrradstadt“ auf der Agenda. Das Umweltforum Münster drängt darauf, die Vorlage in der aktuellen Form weder in der Bezirksvertretung noch im Planungsausschuss zu verabschieden. Es geht kurzfristig um eine nachhaltig-klimaverträgliche Anbindung des Konversionsprojekts „Oxford-Kaserne“ UND mittelfristig um Vorentscheidungen, die erheblichen Einfluss auf die künftige Gestaltung der „Veloroute West“ in die Stadtregion Richtung Nottuln und Havixbeck haben werden. Beides wird in der Vorlage völlig unzureichend berücksichtigt. Ein Überblick.

 

 

Im September 2016 hat der Rat der Stadt Münster die „Implementierung stadtregionaler Velorouten in der Stadtregion Münster“ (kurz: Veloroutenkonzept) beschlossen. In der Beschlussvorlage heißt es eingangs: „Der Rat bekräftigt die hohe Bedeutung des stadtregionalen Alltagsradverkehrs als integriertes Handlungsfeld in der Kommunalentwicklung.“ Insgesamt geht es um 13 Velorouten in der Stadtregion. Eine ist vom „Grünen Verteiler Promenade“ in westlicher Richtung geplant. Das Umweltforum, der „Dachverband der münsterschen Umweltgruppen“,  hat am 21. August 2019 – zusammen mit den Fachleuten des ADFC Münsterland – ein Teilstück auf dem Stadtgebiet von Münster befahren: Fazit: Die bisher bekannten Planungen müssen dringend radverkehrsfreundlich überarbeitet werden. Das gilt insbesondere für die anstehenden Entscheidungen zur Anbindung des Konversionsprojekts „Oxford-Kaserne“, wo künftig knapp 3.000 Münsteranerïnnen wohnen werden.

Von den westlichen Münsterlandgemeinden Nottuln und Havixbeck plant die Stadt zusammen mit den angrenzenden Kommunen eine Veloroute über Roxel. Sie soll über die die Roxeler Straße – vorbei an der ehemaligen Oxford-Kaserne – über die Fahrradstraße Schmeddingstraße zum Universitätsklinikum und weiter in die Münsteraner Innenstadt führen. Gleichzeitig ist eine Radverkehrsverbindung als Zubringer über die Pienersallee vom Bahn-Haltepunkt Münster-Roxel (im Betrieb seit Ende 2014) zur Ortsmitte Roxel bzw. zur Roxeler Straße vorgesehen.

In der ehemaligen Oxford-Kaserne werden in wenigen Jahren ca. 3000 Menschen wohnen, die ­ voraussichtlich – überwiegend mit dem Fahrrad in die Stadt fahren werden. Allerdings entspricht die von der Planungsverwaltung vorgeschlagene zukünftige Anbindung des Radverkehrs aus der ehemaligen Oxford-Kaserne in keiner Weise den Notwendigkeiten einer zukunftsweisenden Radverkehrsinfrastruktur. Schlimmer noch: mit dem Beschluss soll eine Vorentscheidung getroffen werden, die eine völlig unzureichende Radverkehrsführung von Roxel bis zur Schmeddingstraße auf Dauer festschreiben dürfte. Dies ist nicht akzeptabel, denn dort ist vor allem die Sicherheit der Radfahrenden stark gefährdet:

  • durch viel zu schmale Radwege im Ortskern von Roxel,
  • durch das ungelöste Konfliktpotential mit anderen Verkehrsteilnehmern auf der Brücke über die Autobahn A1 und
  • durch den deutlich zu schmalen Zweirichtungsradweg (Begegnungsverkehr plus Fußgehende) von der Einmündung Dingbängerweg vorbei an der Oxford-Kaserne bis zu Schmeddingstraße.

Zugleich werden Radfahrende mehrfach ausgebremst: Zunächst die erzwungene, doppelt beampelte Straßenquerung am Dingbängerweg; sodann durch die geplanten fünf Ampeln für den motorisierten Individualverkehr. Der hat auf dem rund einen Kilometer Straßenstück „Grüner Welle“ – der Radverkehr hingegen nicht.

Planung ist nicht hinnehmbar

Diese Planung ist aus Sicht des Umweltforums Münster nicht hinnehmbar und konterkariert vollkommen die mit dem Veloroutenkonzept gewünschte Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs. Zur Erinnerung: Für Velorouten sind Standards vorgesehen und politisch beschlossen. Mit dem vorliegenden Konzept, das auf Dauer Fakten schafft, werden diese Standards nicht umsetzbar. Von der Stadt Münster wurden die Velorouten als „Anti-Stauprogramm“ etikettiert. Vor allem Berufspendler, die überzeugt werden sollen, vom Auto auf das umweltfreundlichere Rad umzusteigen, und die bei längeren Entfernungen gern schnellere Fahrräder (E-Bikes) benutzen möchten, können von dieser Planung sicherlich nicht von einem Umstieg überzeugt werden.

Forderungen und Alternativen

Deshalb fordert das Umweltforum Münster von Politik und Verwaltung in Münster:

Die Anbindung der Oxford-Kaserne muss zwingend in ein Gesamtkonzept zur „Veloroute West“ integriert werden. Nachdem die Vorlage mit dem B-Plan Nr. 579: "Gievenbeck-Oxford-Quartier (Roxeler Straße/ Dieckmannstraße/ Gievenbecker Reihe/ Niedenstiege)", Ausbau der Knotenpunkte und der Roxeler Straße im Bereich der Oxford-Kaserne – in der Sitzung  der Bezirksvertretung Münster-West am 27.06.2019 von der Tagesordnung abgesetzt wurde, darf es jetzt kein „Weiter so“ in der Beratungskette geben.

Erforderlich ist stattdessen eine Neuplanung unter Einbindung des Radverkehrs von der Oxford-Kaserne bis zur Schmeddingstraße zu einer qualitativ hochwertigen Radverkehrsverbindung auf der geplanten Veloroute von der westlichen Stadtgrenze bis zur Innenstadt:

  • Vom Ortskern Roxel bis durchgehend zur Schmeddingstraße je eine Radverkehrsanlage auf beiden Seiten der Roxeler Straße auf Veloroutenniveau, dabei sollten folgende Alternativen geprüft werden:
  • Einrichtungsradweg auf der Südseite der Roxeler Straße
  • Zweirichtungsradweg mit vier Metern Breite auf der Nordseite auf Veloroutenniveau (der Zweirichtungsradweg ist hier notwendig, da er die Radfahrenden von den anliegenden Wohngebieten aufnehmen bzw. die Anfahrt der Bushaltestellen ermöglichen muss).
  • Alternativ: Prüfung des Baus einer vier Meter breiten Zweirichtungs-Radverkehrsanlage von der Schmeddingstraße bis zum Ortseingang Roxel auf der südlichen Seite der Roxeler Straße mit Planung  von zwei Brückenbauwerken (über den Gievenbach und die Aa); diese Prüfung soll die finanziellen Kosten sowie die Eingriffe in die Natur berücksichtigen.
  • Anbindung des DB-Haltepunktes Roxel an die Veloroute durch eine für Radfahrende sichere und einladende Radverkehrsführung auf der Pienersallee (der derzeitige Schutzstreifen auf der Pienersallee ist zu schmal und verleitet motorisierte Verkehrsteilnehmer beim Überholvorgang zu einem zu geringen Abstand, insbesondere im Bereich von Verkehrsinseln)

In die Planungen sollte zudem die Anbindung der Oxford-Kaserne sowie der Gievenbecker Reihe durch je einen Kreisverkehr berücksichtigt werden. Dies hätte zwei wesentliche Vorteile: einerseits käme es hier zur Entschleunigung des motorisierten Verkehrs an den von vielen emissionsfrei mobilen Menschen zukünftig genutzten Knotenpunkt (Radfahrende, insbesondere aber Fußgänger auf dem Weg zu den Bushaltestellen); andererseits könnte dadurch die durchschnittliche Reisezeit für Radfahrende auf ein konkurrenzfähiges Niveau auch im ökologisch und klimapolitisch so wichtigen Bereich der mittleren und längeren Distanzen zu bringen.

Aus Sicht des Umweltforums muss auf die jetzt anstehende Beschlussfassung der Vorlage, Entscheidung wahrscheinlich am 5. September 2019 im Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wohnen (ASSWV, Tagesordnung liegt aktuell noch nicht vor) dringend verzichtet werden, damit keine Vorentscheidungen getroffen werden, die eine zukunftsweisende Veloroute West und eine fahrradfreundliche Stadtregion verhindern würden. 

Ergänzende Informationen


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