Münster im Fahrradklima-Test wieder auf dem Treppchen

21.02.15
Kategorie: Aktuelles, Münster, Münster (OG), Mobilität, Verkehrsplanung, Verkehrspolitik, Sicherheit, Verkehr, Presse, Kreisverbände

Die strahlenden Gewinner mit StS Bomba (mitte) und ADFC Bundesvorsitzenden Ulrich Syberg (rechts).



Preisverleihung im historischen Erich-Klausener-Saal im Bundesverkehrsministerium. Fotos, Peter Wolter, 19.02.2014


103.000 Bundesbürger haben im Herbst 2014 am großen ADFC-Fahrradklima-Test teilgenommen und die Fahrradfreundlichkeit ihrer Wohnorte bewertet. Am 19. Februar wurden zwölf Städte als „Spitzenreiter“ und „Aufholer“ in Sachen Fahrradfreundlichkeit ausgezeichnet. Die Urkunden überreichten Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), und Ulrich Syberg, Bundesvorsitzender des ADFC, im Bundesverkehrsministerium in Berlin.

Die „Spitzenreiter“, also die Bestplatzierten im ADFC-Fahrradklima-Test 2014, sind Münster, Karlsruhe, Freiburg, Erlangen, Oldenburg, Ingolstadt, Bocholt, Nordhorn, Wesel, Reken, Ketzin und Rhede. Fünf davon aus NRW und davon wiederum alleine vier aus dem Münsterland. Das spiegelt den hohen Fahrradstandard in der Region wider. Bomba: „Mein Anliegen ist es, gemeinsam mit allen Akteuren die Rahmenbedingungen für den Radverkehr weiter zu verbessern. Deshalb fördern wir den Fahrradklima-Test des ADFC im Zuge der Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020. Fahrradfreundlichkeit ist aber auch ein guter Gradmesser für die Lebensqualität einer Stadt. Wir können den Anteil des Radverkehrs weiter erhöhen, wenn sich Radfahrerinnen und Radfahrer gut und sicher im Straßenverkehr fühlen. Der Fahrradklima-Test gibt genau darüber Aufschluss. Er zeichnet Kommunen aus, die den Radverkehr besonders vorantreiben, und bietet den anderen zugleich konkrete Anhaltspunkte für Verbesserungen – sei es bei der Sicherheit, dem Wegenetz oder auch bei den Abstellmöglichkeiten. Die Auszeichnung ist damit Dank und Ansporn zugleich.“

Für Münster nahm die Urkunde Michael Milde, Abteilungsleiter Verkehrsplanung der Stadt Münster, in Berlin entgegen. „Ich hatte schon sorge, ich wäre hier der erste Vertreter, der nur Blech empfangen würde“, strahlte Milde erleichtert! Es war nicht zu erwarten, dass sich im Vergleich zum Fahrradklima-Test 2012, in nur zwei Jahren allzu viel ändern würde. Die Schulnote hat sich für Münster leicht von 2,61 auf 2,5 verbessert, bei 1497 Teilnehmern. Jedoch lag Münster 2003 aber auch schon mal bei 1,88! In dieser Zeit hat sich der Radverkehrsanteil weiter gesteigert auf heute 39,1% und der Umweltverbund (Fuß, Bahn, Bus, Rad) insgesamt auf 71% und gleichzeitig hat sich baulich an den Radverkehrsanlagen nicht viel verändert. „Daher fordern wir endlich eine Verkehrswende, wo sich dieser vorbildliche hohe Anteil der Verkehrsteilnehmer auch in Raum und Geld auf den Straßen widerspiegelt“, so Peter Wolter, 1. Vorsitzender des ADFC Münster / Münsterland e.V. Die drei Hauptkritikpunkte sind die Diebstahlrate, Medienberichte und Konflikte mit den Kraftfahrzeugen. Letzteres wird von der neusten Statistik des Landes untermauert, nach der die Unfälle mit Radfahrern 2014 um 7,4% gestiegen sind. Zudem gab es seit September bis Februar allein vier getötete Radfahrer. Damit ist Münster das traurige Schlusslicht in NRW. „In Kopenhagen hat sich der Radverkehr in 10 Jahren verdoppelt und die Unfälle sind gleichzeitig über alle Verkehre hinweg um 50% gesunken! Dies sollte alle Politiker endlich zum Nachdenken und Handeln anregen, wenn sie sich nicht wegen Untätigkeit zukünftig mitschuldig machen wollen. Wir werden nicht müde werden, hier beständig den Finger in die Wunde zu legen. Für den ADFC zählt als Maßstab nur der Mensch und nicht das Auto“, unterstreicht Wolter eindringlich. Burkhard Storck, der ADFC Bundesvorsitzende brachte es am Ende seines Vortrages in Berlin bei der Preisverleihung treffend auf den Punkt: „Radverkehrsförderung ist Förderung zu einer lebenswerten Stadt!“

mehr: adfc-ms.de pw

Stärken und Schwächen in Münster

Stärken

- alle fahren Fahrrad = 1,4

- Erreichbarkeit des Stadtzentrums = 1,4

- zügiges Radfahren = 1,5

- geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung = 1,6

- Wegweisung für Radfahrer = 1,9

Schwächen

- Fahrraddiebstahl = 4,9

- Konflikte mit Kraftfahrzeugen = 3,2

- Medienberichte = 3,1

- Abstellanlagen = 3,0

- Breite der Radwege = 3,0


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