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Unterführung Heroldstraße: Innovation für den Radverkehr? Fehlanzeige!

16.08.18
Kategorie: Münster (OG), Verkehrsplanung, Mobilität, Verkehrspolitik

Baustelle mit Busschild: Heroldstraße in Mecklenbeck (am 11. 08.2018)



Herangezoomt: Die neue Unterführung



Bald auch in Mecklenbeck: Leezenbox nach Hiltruper Vorbild



Umweltverbund: Fahrrad – Bahn (Leezenbox in Hiltrup)


Wie die Frage langer Wartezeiten vor den Bahnschranken an der Heroldstraße lösen? Diese Frage beschäftigt Verkehrsplanung und Bevölkerung schon seit den 1960er-Jahren. Der ADFC hoffte auch auf Verbesserungen für den Radverkehr. Ein Zwischenfazit.

In Mecklenbeck wird die neue Bahnunterführung „Heroldstraße“ gebaut. Dreißig Jahre wurde sich über die Umsetzung gestritten, nun soll sie den niveaugleichen Bahnübergang ersetzen. Dreißig Millionen Euro kostet die Maßnahme, bei der die Heroldstraße umgelenkt wird und in Höhe der Meyerbeestraße unter der Bahn durchgeführt wird. Dies betrifft auch Fußgänger und Radfahrer. Keine Wartezeiten mehr vor Bahnschranken, keine Autoschlange mehr für die Anwohner – den Autofahrer wird es freuen, denn wie bei  fast allen Straßenbaumaßnahmen soll mal wieder der Autoverkehr beschleunigt werden – die übrigen Verkehrsteilnehmer haben das Nachsehen. Ob die Rechnung für den Autofahrer aufgeht, muss man sehen, denn jeder Straßenausbau „zieht Verkehr an“, d. h. das Verkehrsaufkommen an der Heroldstraße könnte sich zum Leidwesen der Anwohner erhöhen und zu längeren Wartezeiten vor der Ampel an der Weseler Straße führen.

Radverkehr im Nirwana

Der Radverkehr wird hingegen ausgebremst. Auch wenn der zu überwindende Höhenunterschied für Radfahrende so gering wie möglich gehalten wurde, müssen diese künftig größere Umwege in Kauf nehmen und die Umlenkung mündet im Bereich der Meyerbeerstraße für Radfahrende im „Nirwana“. Die zügige Verbindung von der Schlautstiege über die Fahrradstraßenachse Am Hof Hesselmann/ Westenkamp und den Meckmannweg zur Heroldstraße wurde im wahrsten Sinne des Wortes zugebaut. Hier muss weiter gedacht werden! Denn, und das ist positiv, es wurde die Gelegenheit genutzt, in Zusammenhang mit der Bahnunterführung einen neuen Bahn-Haltepunkt für Mecklenbeck zu bauen, an der Linie Münster-Coesfeld, der alten Baumbergebahn. An dieser Stelle appelliert der ADFC an die Stadt Münster: Der Bahnhaltepunkt soll für Pendler optimiert werden, von hier müssen auf kurzen Wegen Arbeitsplätze, Schulen etc. erreicht werden können. Von Brillux bis zur Hansalinie zieht sich ein bedeutendes Gewerbegebiet entlang der Weseler Straße. Mit Friedensschule, Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ)  und den neuen Studentenwohnheimen gibt es große Einrichtungen Richtung Mecklenbecker Straße, die von dem Bahnhaltepunkt in kurzer Zeit mit dem Rad erreicht werden können. Am Schwarzen Kamp (ehemals: Beresa-Gelände) entstehen aktuell rund 300 Wohnungen und 34 Reihenhäuser. Auch hier sollte nachhaltige Mobilität nicht aus dem Blick geraten. Das gelingt nur, wenn es dafür eine einladende, großzügige und sichere Radinfrastruktur gibt. Diese fehlt, besonders an der Weseler Straße! Warum also nicht den Radverkehr auf einer einzurichtenden Umweltspur führen (Radfahrstreifen mit Busverkehr frei)? Zwar wäre das nicht besonders innovativ, aber sicherlich eine vernünftige, fahrradfreundliche und bewährte Lösung.

ADFC-Kritik verhallt weitestgehend

Was gibt es sonst noch zur neuen Unterführung zu sagen? Schon im Jahr 2015 befasste sich die Fachgruppe Radverkehr im ADFC Münsterland mit dem Thema. Bei einem Termin mit den Planern der Stadt Münster konnte der Vorentwurf eingesehen werden. Die Pläne versprachen aus Sicht des Radverkehrsexperten nicht viel Gutes. Hatte die damalige Kritik des ADFC Erfolg?

Positiv zu vermerken ist, dass am Bahnhaltepunkt eine Leezenbox nach dem Roxeler, Albachtener und Hiltruper Beispiel gebaut wird. Das war 2015 noch nicht so vorgesehen. Die damals schon geplanten Abstellbügel kommen zusätzlich. Eine sichere und witterungsunabhängige Abstellmöglichkeit wird es also mit der Leezenbox geben. Gut so!

Ansonsten wurde die Planung zwar leicht verbessert, aber die grundlegenden Kritikpunkte bleiben. So wird es weiterhin einen Zweirichtungsradweg parallel zur neuen Unterführung geben, der zudem noch im inneren Teil der Kurve geführt wird und so eine Gefahr für sich begegnende Radfahrer bedeutet. Immerhin soll es jetzt eine Abböschung in der Kurve geben, sodass sich die Sichtbeziehungen der aufeinander zufahrenden Radlern verbessert werden. Aber es bleibt dabei: Ein Radweg auf jeder Seite der Fahrbahn wäre weitaus besser und sicherer gewesen. Auch weil die von Süden kommenden Radfahrenden zweimal die Fahrbahn kreuzen müssen. Das ist unvermeidbar bei Zweirichtungsradwegen und bedeutet immer eine Gefahrenstelle. Und Verlust von Reisezeit. Das Kreuzen ist von den Planern einmal in der Nähe der jetzigen Schranke vorgesehen, zum anderen an der Weseler Straße Richtung Innenstadt; hier mit einer Ampel und der Folge, dass der Radverkehr wieder einmal zugunsten des beschleunigten Kraftverkehrs ausgebremst wird. Moderne Radverkehrsführung sieht anders aus. Radschnellwege bzw. Velorouten auch.

Zusammengefasst: Die Bahnunterführung Heroldstraße ist keine zukunftsweisende Baumaßnahme aus Sicht der Fahrradstadt; aber durch den 3 Meter breiten Radweg werden immerhin die technischen Regeln eingehalten. Und die Leezenbox verbessert die Situation für Radpendler – ein wenig. Als Münsteraner Lobbyistenverband für den Radverkehr ist man seit 20 Jahren leider gewohnt, mit bescheidenen Verbesserungen leben zu  müssen.

Wo bleiben innovative Lösungen für eine moderne Stadt mit hohem Radverkehrsanteil? An der Heroldstraße werden sie jedenfalls nicht zu bewundern sein.


© 2018 ADFC Kreisverband Münsterland e. V.