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Sicher durch Münster: Westenverteilaktion im Herbst

04.11.18
Kategorie: Münster (OG), Sicherheit

#MachtEuchSicherer die letzte von 300 #Kultwesten für heute! Morgen geht’s weiter an der Friedrich-Ebert-Str. Höhe Finanzamt! Einen schönen Tag Euch. (Tweet der Polizei Münster vom 7.12.2017)



Die "Sicher-durch-Münster"-Weste bei gedämpftem Licht.



ADFC-Weste aus Viersen. Unklar allerdings, warum sollten Radfahrende um Abstand BITTEN?



Ordnungspartnerschaft 2011: Hauptunfallursache ist zu geringer Abstand.



Köln: Direktionsleiter Martin Lotz und ADFC-Vorstand Christoph Schmidt zeigen reale 1,5 Meter Abstand. (Bild ADFC Köln)



Einfach und sicher – Abstand.


Die Ordnungspartnerschaft Verkehrsunfallprävention (OPUV) informiert und verteilt auch in der zweiten Novemberwoche 2018 wieder reflektierende Westen. Pressewirksamer Auftakt der Aktion „Sicher durch Münster – auch in der dunklen Jahreszeit“ ist am 5. November, an der St. Josephskirche. Der ADFC Münsterland unterstützt diese Aktion.

Die Ordnungspartnerschaft erinnert seit sechs Jahren daran, in der Dunkelheit helle, gut sichtbare Kleidung zu tragen und verteilt an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet die „Sicher durch Münster“-Weste. Auftakt der pressewirksamen Aktion ist am Montag, 5. November, ab 8 Uhr am Josefskirchplatz an der Hammer Straße. Jeweils von 7 bis 8 Uhr geht es in der 45. Kalenderwoche an folgenden Standorten weiter:

  • Dienstag, 6. November: Steinfurter Straße / Neutor und Grevener Straße* / Friesenring
  • Mittwoch, 7. November: Warendorfer Straße* / Hohenzollernring und am Albersloher Weg (Höhe Stadthaus 3)
  • Donnerstag, 8. November: Weseler Straße / Moltkestraße und Hammer Straße / Schützenhof

* Aktive des ADFC Münsterland beteiligt.

Die Westen werden an Radfahrende und Passanten verteilt (so lange der Vorrat reicht). Auf Twitter wird das zeitlos-modische Kleidungsstück – je nach Perspektive – mit dem Hashtag #Kultweste oder #Wahnweste ergänzt. Im Straßenbild von Münster sind sie angesichts der hohen verteilten Auflage – 4.000 Stück sollen es in diesem Herbst sein – eher selten zu sehen. Andererseits finden auch Kutscher in den Karparten die Kultwesten kommod.

Schützen Westen wirklich?

Gelbe Westen, Warnkleidung, Helme – schützen sie wirklich? Regelmäßig im Herbst flackert diese Diskussion erneut auf. Die Wirkung der Westen wird wahrscheinlich überschätzt, dürfte aber zum subjektiven Sicherheitsgefühl von Radfahrenden beitragen. Dem aktuellen Blogbeitrag "Warnwesten nützen nichts" können wir deshalb nicht uneingeschränkt zustimmen (Im übrigen stützt der Beitrag seine eigene These nicht.) Wer gesehen werden will, sollte besser reflektierende Stulpen an den Unterschenkeln tragen, denn im Unterschied zur Weste sind diese beständig in Bewegung – was vor allem auf finstern Landstraßen ein Vorteil sein kann.

Die Position des ADFC Münsterland ist ohnehin eindeutig. Bekleidungsvorschriften ersetzen keine (gute) Infrastruktur.  Der Verkehrspädagoge Matthias Wüstefeld, langjähriges Mitglied im ADFC Münsterland, sieht das Thema kritischer:

Bisweilen gewinnt man den Eindruck, dass Radfahrenden, die keine Warnweste tragen, unterschwellig eine Mitschuld unterstellt wird. Autofahrer, die keine Rücksicht nehmen, finden für sich die Ausrede ‚Ohne Warnweste konnte ich den Radler doch gar nicht sehen’!

Bei dem ein oder anderen mag dies auch das schlechte Gewissen beruhigen; unstrittig ist jedoch, dass als oberste Richtschnur das Sichtfahrgebot gilt. So steht es im Gesetz:

Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. (...) Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.“ (ausführlicher in der StVO, hier § 3 Geschwindigkeit)

Wüstefeld glaubt sogar, dass Autoverkehr gesellschaftlich nur deshalb durchsetzbar ist, weil dem Unfallverursacher ein Weg aus schuldhaftem Verhalten eröffnet wird. Auch sprachlich hätten wir uns seit Jahrzehnten daran gewöhnt: Ein Autofahrer tötet keinen anderen Verkehrsteilnehmer oder verletzt sie schwer; vielmehr ist diese ein Opfer des Straßenverkehrs oder widriger Umstände.

Keine staatliche Regulierung nötig

Selbstverständlich soll jeder Helm und Weste oder andere Warnkleidung tragen dürfen. Genau wie beim Thema Helm, setzen wir als ADFC Münsterland nicht auf  Bevormundung, Regulierung oder staatliche Vorschriften (deren möglich Einführung in unschöner Regelmäßigkeit die Runde machen – oder lanciert werden?). Stattdessen setzen wir auf Eigenverantwortlichkeit und individuelles Verantwortungsbewusstsein. Und  – vor allem in der dunklen Jahreszeit – auf eine gute Beleuchtung. Vorne wie hinten. Deshalb hier noch der Link zu unserer Anleitung zur Scheinwerfereinstellung.

Anderthalb Meter Abstand

Der ADFC Münsterland verbindet die Sicherheitsfrage mit  Sichtbarkeit und Abstand. Die Ordnungspartnerschaft, deren Website aktuell runderneuert wird, fragte und antwortete übrigens schon im Jahr 2011: „Wussten Sie schon ... dass die häufigste Unfallursache in Münster im Jahr 2011 der zu geringe Abstand war?“ Diesen Aspekt wollen wir in diesem Herbst mehr in den Fokus stellen. Zusätzlich zur „beliebten Sicher-durch-Münster-Weste“, stellen wir ein eigenes Motiv vor, dass den Mindestabstand von 1,50 Meter ­– zwischen Auto und Fahrrad – thematisiert. Die ADFC-Aktiven in Köln (und anderswo) sind schon einen Schritt weiter. Denn hier ist das Abstandsmotiv schon auf den Polizeiwagen zu sehen. Unsere Idee für ein sicheres Jahr 2019: ein "Kultaufkleber" für Münster – dann beruhigen sich die kontroversen Diskussionen um die Westen vielleicht?


© 2018 ADFC Kreisverband Münsterland e. V.