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Meint Münster das mit den Velorouten ernst?

10.05.18
Kategorie: Münster (OG), Verkehrspolitik, Mobilität

Impressionen von der Schillerstraße (stadteinwärts).



Rechts im Bild ist keine Fahrradstraße zu sehen ...



... aber so könnte eine Fahrradbrücke aussehen. (Bilder: H. Ockenfels)


Zusammen mit der IG Fahrradstadt.MS hat der ADFC Münsterland eine Einwendung zum Entwurf des Bebauungsplans Nr. 541 gemacht. Grund genug für Hans-Günter Ockenfels, sich ein paar Gedanken zum Umfeld der „Theodor-Scheiwe-Straße“ zu machen.

Die Theodor-Scheiwe-Straße, süd-östlich des Dortmund-Ems-Kanals (DEK), zwischen Albersloher Weg und Lütkenbecker Weg, ist zur Zeit die wohl umstrittenste Straße Münsters. Dabei ist ihr größte Teil noch nicht mal eine „echte“, alos öffentliche, Straße, denn sie befindet sich im Privatbesitz. Vor etwa vier Jahren wurde sie von ihrem Eigentümer für den Durchgangsverkehr aus nachvollziehbaren Gründen gesperrt. Durchlässig ist sie zur Zeit nur für Fußgänger, Radfahrer und Rettungskräfte.

Umstritten ist sie, weil sie eine wichtige Rolle im Urteil gegen den Bebauungsplan zum E-Center am Hansaring spielte. Umstritten ist sie auch, weil ohne sie eine Erschließung des gesamten Plangebiets Stadthafen angeblich nicht möglich ist. Das geht jedenfalls aus der Begründung und der Verkehrsuntersuchung zum Entwurf des Bebauungsplans 541 „Stadthafen 1“ hervor. Der Plan lag bis zum 4. Mai 2018 öffentlich aus.

Geplant ist, die Umwidmung der Privatstraße zu einer öffentlichen Straße (durch Enteignung?). Sodann geplant: der Ausbau zu einem üblichen Straßenquerschnitt mit Gehwegen und Radwegen und der Öffnung zum Lütkenbecker Weg, so dass aus dem damaligen „Schleichweg“ eine Entlastungsstraße mit einer prognostizierten Verkehrsbelastung für das Jahr 2030 von 12.000 Fahrzeugen pro Tag wird. Das entspräche dem Verkehrsaufkommen der heutigen „inneren“ Warendorfer Straße oder Wolbecker Straße!

Velorouten 1. und 2. Klasse?

Nicht berücksichtigt oder erwähnt wurde im Entwurf des Bebauungsplans, dass damit der hohe motorisierte Verkehrsstrom über die geplante Trasse der wichtigen Veloroute „Innenstadt – Gremmendorf/Angelmodde“ geführt wird und damit deren sicherer und störungsarmer Verlauf, entsprechend des Radverkehrskonzeptes, geradezu konterkariert wird. Diese Veloroute ist im städtischen Veloroutenkonzept zwar nur als Zubringer, also als Veloroute zweiter Klasse deklariert. Sie ist indes alternativlos, denn der parallel verlaufende Albersloher Weg, mit seiner Vielzahl an Knotenpunkten, Seitenwechseln und – stellenweise – einem handtuch-schmalen Zweirichtungsradweg bremst den Radverkehr erheblich aus und damit in der jetztigen Form als Veloroute nicht geeignet. Denn: Reisezeit und kontinuierliche Reisegeschwindigkeit sind ein entscheidendes Kriterium für die Akzeptanz einer Route.

Der ADFC Münsterland schlägt daher vor, die Route über den Lütkenbecker Weg als „Veloroute 1. Klasse“ zu priorisieren und den motorisierten Verkehr soweit wie möglich zu reduzieren. Und genau deshalb ist es unabdingbar, dass die Theodor-Scheiwe-Straße zum Lütkenbecker Weg eben nicht für den motorisierten Verkehr geöffnet wird!

Rückwärtsgewandt – oder wie wichtig ist diese Straße tatsächlich?

Zugegeben, nach der Schließung der Privatstraße kochten die Gemüter hoch und insbesondere die Kreuzung Hansaring / Albersloher Weg / Bremerstraße war in den ersten Wochen überfordert. Allmählich hat sich der motorisierte Verkehr wieder auf „natürlichem Weg“ großflächig verteilt und neue Wege gesucht. Dabei scheint die Umgehungsstraße eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen. Mit ihrem weiteren Ausbau, der Verlängerung zum Schifffahrter Damm, wird sie diese Rolle sicher noch besser erfüllen können.

Schaut man sich den Entwurf zum Bebauungsplan genauer an, stellt man fest, dass sich die Verkehrsuntersuchung überwiegend auf den motorisierten Individualverkehr beschränkt. Welchen Einfluss die kommende WLE-Strecke, der Ausbau der Velorouten und alternative Mobilitätskonzepte wie Carsharing, intelligente Bussysteme, Parkraumsteuerung, PKW-armes Arbeiten und Wohnen, etc. haben, blieb vollkommen unberücksichtigt. Gerade bei den anstehenden, massiven Veränderungen der Mobilität, zur Vermeidung eines Verkehrskollaps und zur Erreichung der Klimaziele müssen solche zukunftsorientierte Aspekte in den Verkehrssimulationen berücksichtigt werden. Oberstes Ziel sollte aber die Förderung des Umweltverbundes sein; das bedeutet eine störungsarme, autofreie oder autoarme Veloroute.

Die Schillerbrücke ist zu schmal

Kurioserweise wäre die vor kurzem fertig gestellt Schillerstraßenbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal für die genannten Vorhaben und Verkehrsbelastungen vollkommen ungeeignet, da sie deutlich zu schmal ist. Schon heute ist ihre uneinheitliche Verkehrsführung konfliktträchtig. Eine Erhöhung des motorisierten Verkehrs würde zu einer zusätzlichen Gefährdung von Radfahrenden führen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Erschließung der geplante Bebauung auf dem ehemaligen „Osmo-Gelände“, über die Schillerstraße den Zielen der Veloroute ebenfalls deutlich entgegensteht. Hier sind alternative oder ergänzende Erschließungen zu untersuchen. Insbesondere aber sollte die Stadt Münster für ein solch hochverdichtetes, innerstädtisches Gebiet in Bahnhofsnähe PKW-armes Wohnen und Arbeiten realisieren. Dann könnte das Plangebiet tatsächlich Modellcharakter für zukunftsorientierten Städtebau haben.

Stellungnahme zur Offenlegung "Entwurf des Bebauungsplans Nr. 541 I Stadthafen I / Lütkenbecker Weg / Bundesstraße B 51 / Albersloher Weg"

Der ADFC Münsterland hat, zusammen mit der IG Fahrradstadt.MS eine entsprechende Widerrede gegen den Entwurf des Bebauungsplans eingereicht und hofft, dass die Stadt Münster die Abwägung an ihren selbst gesteckten Zielen, dem Radverkehrskonzept und dem Masterplan Mobilität 2035+ misst.

Die komplette Stellungnahme hier als PDF.


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