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Geheimnisvolle Asphaltbrücken oder: Was wir von den holländischen Nachbarn lernen können

30.12.19
Kategorie: Münster (OG), Verkehrsplanung, Mobilität

Münster: Asphaltbrücke der 2. Generation – mit Gelbmarkierung (Bild: Andreas K. Bittner)



Utrecht: Die Rinne endet am Radweg und nicht umgekehrt



Utrecht: Hier wird die querende Straße aufgepflastert und der Radweg störungsfrei weitergeführt.



Utrecht: Einmündung ohne Rinn- oder Bordstein (3 Bilder: Hans-Günter Ockenfels)


Immer wieder tauchen an Münsters Bord- und Randsteinen kleine Asphaltflicken auf. Ein unbekannter Fahrradfreund ist seit geraumer Zeit nächtens in der Stadt unterwegs und verlegt diese kleinen Bitumen-Brücken. Doch die Stadt entfernt die willkommenen Hilfen für Radfahrer, denn sie möchte den Abfluss von Regenwasser gewährleisten. Wie machen das eigentlich die Niederländer?

Der Höhenunterschied zwischen Bordstein und Fahrbahn beträgt manchmal nur ein bis zwei Zentimeter ­ bisweilen aber deutlich mehr. Doch Radfahrenden (und noch mehr die Insassen eines Kinderanhängers) sind sensibel, sie spüren fast jeden Unebenheit unter ihren Reifen.  Doch meint es jemand seit geraumer Zeit gut mit den Leezenrittern in Münster. Das städtische Tiefbauamt betrachtet die Idee auf den münsterischen Straßen aber eher skeptisch. In der Lokalpresse wurde das Thema schon mehrfach „gespielt“ – auch als Pro und Contra – zusammenfassend: „Nicht schön, aber sinnvoll“ vs „Ein Akt der Selbstjustiz“.

Über einen großen Unbekannten, der mit klingenden Namen wie „Bituman“, „Robin Hood“ oder – weniger heroisch –  „Asphaltkleckser“ gewürdigt wird, ist in Münster in letzter Zeit viel geschrieben und spekuliert worden. Für die einen stört der geheimnisvolle Asphaltsponsor die öffentliche Ordnung, für die anderen, und dazu gehören nicht nur Radlobbyisten, setzt er sich für umweltfreundlichen Fahrkomfort ein und hält der selbstproklamierten Fahrradstadt den Spiegel vor. Weiterhin bricht das Tiefbauamt die Flecken weg, weiterhin baut die Stadt Radwege, die mit einer modernen Radinfrastruktur nichts zu tun haben. Den Radfahrende werden durch Rinnen, über Bord- und Rampensteine sowie schrundiges Pflaster geführt. Unebenheiten die jeglichen Fahrkomfort vermissen lassen und nicht nur bei Dunkelheit zu Unfällen führen. Das Gegenteil wäre die Nullabsenkung, die andererseits (und auf den ersten „Blick“ überraschenderweise) nicht immer ein gutes Beispiel für Barrierefreiheit ist.          

Ginge es auch anders?

Ein aufmerksamer Blick über den Zaun, hinüber zu den holländischen Nachbarn lässt staunen. Zugegeben, es ist auch dort nicht alles perfekt, aber es gibt großartige Beispiele wie man es besser machen könnte. Die Fachgruppe Radverkehr im ADFC Münsterland hatte Gelegenheit, die dortige Infrastruktur besser kennenzulernen – kundig geführt von langjährigen Aktiven Ria Glas vom Fietsersbond Utrecht.

In den Niederlanden ist der Belag für moderne Radwege grundsätzlich aus glattem Asphalt, rot eingefärbt, nicht aus unebenem Pflaster. Und diese Asphalt-Radfahrbahnen werden ohne Unterbrechung fortgeführt, auch an Einmündungen und Querungen, ohne störende Rinnsteine, Bordsteine oder andere Mikrohindernisse. Kurzum: ein durchgehend störungsfreies Wegenetz. Und mehr noch, an Straßeneinmündungen wird der Autoverkehr durch höhergelegten Schwellen, sogenannte Aufpflasterungen, ausgebremst, während der Radverkehr niveaugleich und bequem queren kann. An solchen Details zeigt sich welchen Stellenwert der Radverkehr hat, welche Wertschätzung den Alltagsradfahrenden entgegengebracht wird.

Übrigens, Utrecht hat annähernd die gleichen Niederschlagsmengen wie Münster. Mit dem holländischen Ausbau kann offensichtlich das anfallende Niederschlagswasser geordnet abgeführt werden. 


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