Das Fahrrad – Verkehrsmittel mit Zukunft

Ohne Zweifel ist das Fahrrad eine der wenigen Erfindungen des Industriezeitalters, dessen weltweite Verbreitung keine verheerenden Folgen für die Umwelt mit sich brachte, denn das Fahrrad hat einen phantastisch niedrigen Energieverbrauch. Für eine gegebene Distanz benötigt ein Radfahrer im Vergleich zum Auto gerade ein Hundertstel an Primärenergie ohne schädliche Abgase.  Erstaunlich ist auch, dass es das Fahrrad, obwohl die in ihm wirksam werdenden physikalischen Gesetze schon im Altertum bekannt waren, erst recht spät erfunden wurde und in seiner jetzigen Form erst gute 100 Jahre alt ist. Wesentlich kompliziertere und aufwendigere Maschinen wurden schon weit früher entwickelt. Die Genialität des Fahrrades liegt in seiner Einfachheit.
Das Fahrrad kann natürlich nicht alle Transportleistungen übernehmen. Aber vor allem im Nahverkehr aber  hat es ein riesiges Potential, denn über die Hälfte aller Autofahrten enden nach spätestens fünf Kilometern. Eine als repräsentativ angesehene Verkehrserhebung im Kreis Borken hatte ergeben, dass 9% aller Privat-Pkw-Fahrten nach 1km, 44% nach 3 km, 64% nach 5 km und 85% nach 10km enden. Anders gesagt, nur 15% aller Fahrten gehen über 10 km hinaus. Hier liegt die ideale Reichweite für das Fahrrad.  Durch die flächige  Siedlung in unserer Region kommen bei Alltagsfahrten schnell mehrere  Kilometer zusammen.
Manch einem mag das auf dem Fahrrad mühselig scheinen. Mit den neuen Elektrofahrrädern ist eine Alternative auf dem Markt. Es handelt sich hier meist um echte Hybrid-Fahrzeuge, denn der Motor unterstützt nur, solange man in die Pedale tritt. Die Motorkraft kann in verschiedenen Prozentstufen zugeschaltet werden. Trotzdem bewegt man sich und tut etwas für seine Gesundheit. Man kann es nutzen seinen Radius zu erweitern, beim bergauf fahren und Gegenwind oder dem Ziehen eines Anhängers.
Bei vielen Interessenten besteht aber Unsicherheit darüber was für eine Klasse von Fahrzeugen man hier vor sich hat. Da ist das meistens gekaufte Pedelec mit einer Unterstützung von max. 250 Watt bis zu einer Geschwindigkeit von höchstens 25 km/h. Dieses kann ohne Altersbegrenzung und ohne Führerschein benutzt werden. Es gilt nach EU-Vorschriften als Fahrrad. Daneben gibt es noch das schnelle Pedelec mit einem Motor, der bis zu 500 Watt leistet und das mit Tretunterstützung eine Geschwindigkeit bis 45 Km/h ermöglicht. Dieses Fahrzeug gilt als „Kleinkraftrad mit geringer Leistung“. Es braucht einen Fahrzeugschein, eine Haftpflichtversicherung und ein Mofa-Nummernschild. Es darf als Leichtmofa ohne Motorradhelm ab 15 Jahren gefahren werden. Wer nach 1965 geboren ist benötigt mindestens einen Mofa-Führerschein. Der ADFC empfiehlt auf jeden Fall einen guten Fahrradhelm auf einem solchen Fahrzeug zu tragen.  Ferner gibt es noch das E-Bike. Dieses kann mit einem Motor bis 500 Watt ohne eigenen Tritt mit Hilfe eines Drehgriffes bis 20 km/h fahren. Dieses gilt als Kleinkraftrad und hat die gleichen Betriebsbedingungen wie das schnelle Pedelec.
Außerorts darf man mit allen 3 Versionen Radwege uneingeschränkt benutzen. Innerhalb geschlossener Ortschaften dürfen das schnelle Pedelec und das E-Bike  nur auf für Mofas freigegebenen Wegen ihre Motorkraft nutzen.
Allen Interessenten ist eine Probefahrt zu empfehlen. Pedelec fahren ist nicht nur praktisch und umweltfreundlich, es macht auch Spaß. Für die nicht gerade niedrigen Anschaffungskosten gilt wie überall :Qualität hat ihren Preis , ist auf längere Sicht  aber billiger. Da die zu bewegende Masse im Vergleich zu der eines Autos gering ist, sind die Energiekosten beim Pedelec minimal. Im Prinzip gilt  das auch für andere Elektro-Kleinfahrzeuge, zum Beispiel Elektro-Roller, oder die Elektro-Solex im Retrolook, als Alternative zu den extrem Schadstoffe emittierenden Kleinfahrzeugen mit Zweitaktmotoren. Den höheren Anschaffungskosten stehen dann auf Dauer aber nur geringe Energiekosten und praktisch Wartungsfreiheit gegenüber.

Lothar Kostrzewa-Kock, ADFC Lüdinghausen, Mai 2011

Beispiel für ein Pedelec

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