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Gräftenhof-Radtour

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Beschreibung

Historisches

Bauernhöfe, die wie eine Insel mit einem breiten Wassergraben – der sogenannten Gräfte – umgeben waren, sind typische Elemente der Kultur- und Siedlungslandschaft des Münsterlandes. Nur große Bauern, z.B. die Schulten- bzw. Schulzenhöfe, konnten sich eine Gräfte zum Schutz ihres Gutes, z.B. vor Bandenüberfällen, und nicht selten in Nachahmung der Adelssitze als Prestigeobjekt leisten. Die Hofinsel, auf der das Haupthaus, der Speicher und kleinere Nebengebäude Platz finden konnten, wurde über eine Brücke oder durch ein Torhaus erschlossen. Diese Torhäuser waren oft bewohnt oder dienten als Getreidespeicher.
Heute finden wir nur noch wenige vollständig erhaltene bäuerliche Gräftenhöfe. In der landwirtschaftlichen Dynamik der vergangenen 200 Jahre störte die Einengung der Hoffläche durch eine Ringgräfte und schmale Torhäuser. Wurde die Hofgräfte als hinderlich, nutzlos und in der Pflege als unnötig teuer eingestuft, gab man ihren Unterhalt auf, schüttete sie ganz oder teilweise zu, überbaute sie.
Wir richten mit dieser Fahrradtour Ihren Blick auf die „Wasserschlösser der Bauern“, damit dieses historische Erbe nicht in Vergessenheit gerät. Nur selten sind Gräftensiedlungen noch geschlossen und in einer stattlichen Wasserbreite erhalten. Architektonisch fallen sie dann besonders ins Auge, wenn sie in ihren Hofgebäuden das Bauen des Adels oder später des städtischen Bürgertums in der typisch münsterländischen Kombination von rotem Ziegelstein und den Tür- und Fenstereinfassungen in Baumberger Sandstein aufgegriffen haben. Und mit Aufmerksamkeit für Details faszinieren Fachwerk, schmiedeeiserne Tore, aufwändiges Ziermauerwerk oder Inschriften. Oft sind noch wertvolle Hofkreuze, Heiligenhäuschen und zum Hof gehörende private Wegekapellen erhalten. Ihre Architektur und ihre Inschriften lohnen ein Innehalten.

 
1  Schulze Messing
Die historischen Wurzeln des Messinghofes gehen weit zurück. Wahrscheinlich gehörte er zu den Besitzungen, die Liudger um 800 n. Chr. im Zuge seiner Missionierung der Sachsen seinem Kloster Werden in Essen übertrug. Seit dem späten 11. Jhd. gehörte er dann dem Stift Mauritz in Münster. Eine solche Planform der Gräfte, Alleebäume und die Lage der Hofkapelle außerhalb der Hofinsel finden sich auch im architektonischen Kanon adligen Bauens des Münsterlandes.
     

2  Schulze Tomberge
Der Hof Schulte Tomberge präsentierte sich bis ins 20. Jhd. hinein idealtypisch mit einer fast kreisrunden bis zu 12 Meter breiten Gräfte. Heute ist nur noch ein Halbrund vorhanden, weil für seine Expansion die südliche Gräfte mit neuen Wirtschaftsgebäuden überbaut wurde. Im 15. und 16. Jhd. nutzten ihn die Brüder des Deutschen Ritterordens als ländliche Burg. Um 1800 musste das Gut der Georgskommende in Münster die enorme Summe von 144 Reichstalern Pacht zahlen, was seine historische Größe belegt.


 
3  Pastorat Venne
Die kleine Gemeinde Venne geht zurück auf die Entscheidung der Stadt Münster, hier in der Einsamkeit der Moorlandschaft ein Hospital für Kreuzritter, die sich im Orient mit Lepra angesteckt hatten, einzurichten. Für sie wurde 1249 auch die Kirche gebaut und ein kleiner Friedhof angelegt. Der Speicher, der im Obergeschoss bewohnt war, und die Gräfte um das Pastorat belegen, dass der Pfarrer für sich und den Unterhalt der Leprosenstation gleichzeitig einen landwirtschaftlichen Betrieb führte. Weil dieser aus ökonomischen Gründen nicht expandieren musste, blieb uns die Gräfte bis auf wenige Veränderungen – ursprünglich war auch der Garten mit einer eigenen Gräfte umgeben – erhalten.  


4  Haus Steinhorst
Ein eindrucksvoller Gräftenhof ist der frühere Hof Schulte Steinhorst. Er hatte einst die Gerichtsbarkeit in der Bauerschaft, für die fürstliche Jagd musste ein Pferd gehalten werden, und zusammen mit Schulze Hobbeling hatte er als Pflichtabgabe, die Mühlensteine für die bischöfliche Mühle in Wolbeck zu liefern. Das Torhaus von 1764 erschließt den Hof und gibt den Blick frei auf den Giebel des Haupthauses (im Kern von 1575) mit Hofglocke. Und weil neue Wirtschaftsgebäude außerhalb der ca. 70x85m großen Hofinsel gebaut wurden, ist auch die Ringgräfte noch vollständig. Die Hofkapelle wurde 1865 außerhalb der Gräfte neu gebaut. Mittels einer hölzernen Zugbrücke war sie mit dem Hof verbunden.
     

5  Haus Romberg
Nur das wuchtige Torhaus (Bj. 1616) erinnert heute noch an eine einst große Gräftenanlage. Die Schießscharten im Torhaus verraten, dass Haus Romberg kein bäuerliches Anwesen, sondern ein Rittergut war.



6  Schulze Hobbeling
Bemerkenswert ist die Eichenallee, die direkt auf das das Torhaus und die Hofinsel zuführt. Urkundlich wird Schulze Hobbeling erstmals 1325 im Heberegister des Domkapitels in Münster erwähnt, dem der Hof bis 1807 abgabepflichtig war. Die Abgabenlast ging danach bis 1842 an die königlich-preußische Domänenkammer über. Die Gräfte wurde 1720 zum Schutz der Vorräte und Abgabegüter ca. 1720 angelegt, Hofgebäude und Wohnhaus wurden im Wesentlichen 1870/71 gebaut, das Torhaus ist jünger. 

 

7  Haus Lindhövel

Die Gräfte von Haus Lindhövel fällt durch ihre gartenarchitektonisch geplante winklig-symmetrische Linienführung auf. Tatsächlich war die große Anlage seit dem 16. Jhd. in Besitz der Adelsfamilie zu Lindhövel und ihrer Erben, bis sie seit dem 19. Jhd. mehrfach verkauft wurde. Aktuell soll die Anlage umfassend renoviert werden.


Darüber hinaus sind weitere interessante Objekte am Rande der Wegstrecke in der Landkarte ver-zeichnet:

  • Burg Kakesbeck mit Blick von der Landstraße
  • Blick von der NABU-Plattform zu Heckrindern und Konik-Pferden
  • Haus Byink mit Blick von der Landstraße   
  • Alpaca-Hof „Abolengo de Alpaca“

Die Tour ist ein Gemeinschaftsprojekt des
ADFC Lüdinghausen und des

Zentrums für historische ländliche Baukultur im Münsterland e.V.

Hier geht´s zum Flyer der Tour

Hier geht´s zur Karte der Tour

Hier gibt´s eine Wegbeschreibung zur Karte

Weitere Informationen

Die Tour führt auf öffentlichen Wegen entlang der Gräftenhöfe. Die Gräftenhöfe sind Privat und können nicht besichtigt werden.

Toureigenschaften

Routenlänge:
54 km
Richtungsempfehlung:

Es wird die vorgeschlage Richtung empfohlen.

Oberfläche:
Asphalt
Feld- und Waldwege
Schotter / Unbefestigt
Schwierigkeitsgrad:
leicht
Steigung:
flach
Tourart:
Tagestour
Umfeld:
Stadt
Wald
Wiesen & Felder
Verkehrsbelastung:
Geringer Autoverkehr
Zielgruppe:
Kulturtour

An- und Abreise

Die Tour startet am Lüdinghaus, der Touristinformation von Lüdinghausen

Borg 4, 59348 Lüdinghausen

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Diese finden Sie beim  Fahrradverleih von Lüdinghausen Marketing

Weitere Einstiegspunkte

Die Tour kann hinter der ersten Autobahnbrücke Richtung Drensteinfurt auf 43 km abgekürzt werden. Die Höfe Steinhorst und Romberg werden dann nicht erreicht.
Ein Einstieg in die Tour ist an allen Punkten möglich (Rundtour).
Die Tour ist in der Landschaft nicht ausgeschildert.

Ansprechpartner

Wilhelm Beckmann

adfc-lh(..at..)t-online.de

Zuständiger Verein

Stand: 17.05.2019, 13:29 Uhr

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