Anzeige Pressemitteilung

Mit dem Fahrrad um die Welt

19.02.17
Kategorie: Aktuelles, Radreisen, Presse

Patrick Pohl erklärt seine "Gisela"



Karte der Tour



Start in New York



Mit Kängurus ist nicht zu Spaßen



Blick in den Vortragssaal



Winter in Kasachstan (Bild: Patrick Pohl)



Zurück in Münster (Bild: Patrick Pohl)


Die Faszination einer Weltreise des Münsteraners Patrick Pohl in einem spannenden Bildervortrag

Einen überaus interessanten Reisebericht einer Weltumrundung des Münsteraners Patrick Pohl über fast 32.000 km mit dem Fahrrad präsentierte der ADFC Lüdinghausen am vergangenen Freitag 70 Besuchern in der Burg Lüdinghausen.

Die Radreise mit seiner „Gisela“, wie Pohl sein Fahrrad liebevoll nennt, liegt inzwischen zwar fünf Jahre zurück, hat aber wie in seinem lebhaften Vortrag deutlich wurde von ihrer Faszination nichts eingebüßt. Zum Start ging es zunächst mit dem Flugzeug über den großen Teich nach New York.

Hier begann der erste Trip mit dem Fahrad quer durch die USA. Übernachtet wurde meistens im Zelt. Überraschungen wie Tornados stellten eine erste große Herausforderung dar. Anhand eindrucksvoller Bilder berichtete Pohl von seinem Weg über die Rocky Mountains, vorbei am Grand Canyon und weiter nach Los Angeles. Hier lernte er zufällig ein deutsches Paar kennen, das er unverhofft am Ende der Reise wieder traf. Hierzu später mehr.

Von Los Angeles führte der Flug mit dem im Karton und Säcken verpacktem Fahrrad und den Gepäcktaschen nach Christchurch auf Neuseeland. Mit seiner „Gisela“ und seinem Freund Marco aus Deutschland ging es jetzt zu zweit rund um die Südhalbinsel. Eindrucksvolle Bilder von der Reise zeigten Landschaften und Tiere der Insel. In Christchurch zurück ging es wieder allein weiter mit seiner „Gisela“ mit dem Flugzeug nach Sydney in Australien.

In Australien führte der Weg über einsame Strecken teilweise mehrere 100 km schnurgeradeaus quer durch den südlichen Bereich des Kontinents, vorbei an Adelaide nach Perth und weiter auf der Westseite und entlang der Küste über Broom nach Darwin. Es gab grandiose Landschaften, aber auch nächtlich im Zelt eingewanderte Spinnen und äußerst giftige Schlangen auf dem Weg zu bewältigen. Auf Grund der Hitze wurde häufig nachts gefahren, um den immensen Wasserverbrauch von bis zu 15 Litern am Tag zu begrenzen. Besonders zu beachten waren auf dem Weg Kängurus, denen man wegen der gefährlichen Krallen besser aus dem Weg gehen sollte. Unterwegs wurde er von Roadtrains mit beachtlicher Länge und vielen riesigen Wohnmobilen begleitet. Die Fahrer berichtigten sich gegenseitig ständig über Funk über den Verbleib des „verrückten“ Weltenbummlers auf dem Fahrrad. So kam es, das Pohl kurz vor Darwin von einem Ehepaar im Wohnmobil bereits mit einem vorbereiteten Menü und einem freundlichen „Hello Patrick“ empfing.

Von Darwin ging es letztmalig mit dem Flugzeug weiter nach Hong Kong. Auf seinem Fahrrad fuhr Pohl jetzt durch das dicht besiedelte südliche China. Hier war eine Verständigung nur noch mit vorbereiteten laminierten Beschreibungen seiner Person und einer Reisebeschreibung sowie einem bebilderten Wörterbuch in verschiedenen Sprachen möglich. Englisch war hier nur sehr wenig bekannt. Dem Weltenbummler sind hier besonders die hohe Lautstärke in den Millionenstädten und der Smog in Erinnerung geblieben. Ein Mundtuch gegen den Smog war abends regelmäßig pechschwarz und nach dem Waschen immer noch grau. Der Weg führte über die Seidenstraße, die als einzige Straße mit römischen Schriftzeichen gekennzeichnet war. Die Orientierung erfolgte über Karten und noch ohne Navi.

In Kasachstan angekommen war inzwischen tiefster Winter. Wichtig war jetzt immer trockene Bekleidung, um zumindest die manchmal bei bis zu 40 Grad Frost in der Nacht in einem Zelt zu überstehen. Zum Problem wurden seine beiden erfrorenen großen Zehen, die mit einer besonders warmen und weichen Umhüllung und ohne Druck durch das Schuhwerk gerettet werden konnten. Die Straßen waren so eisig und verschneit, das Pohl seine „Gisela“ über weite Strecken schieben musste. Beeindruckend war für Pohl die einzigartige Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen auf seinem Weg. Erstaunt war ein Lkw-Fahrer, dessen Angebot Pohl im Laderaum mitzunehmen von ihm abgelehnt wurde. Er wollte schließlich die Erde auf dem Landweg einzig auf seinem Fahrrad umrunden. Es ging nun weiter nach Rjasan, einer Partnerstadt von Münster ca. 200 km südlich von Moskau, wo Pohl aus einer früheren Radreise Freunde besuchte. Der Rückweg führte über die Ukraine. Hier kam es leider zu einem unschönen Ereignis, das die sonst überwältigende Gastfreundschaft einmalig getrübt hat. In einer Nacht wurde sein Zelt von betrunkenen Jugendlichen zerrissen. Noch in dieser Nacht machte er sich auf den Heimweg nach Polen. Hier lässt es sich gut radeln, und der Frühling kündigte sich mit der Kirschblüte an.

So langsam stand das Gefühl an, bald wieder zu Hause zu sein. Als in Polen dann das erste Schild „182 km bis Dresden“ auftauchte berichtete Pohl, dass er erst einen halben Tag brauchte, um sich von diesem komischen Gefühl zu erholen. Es ging nun zügig weiter Richtung Deutschland, zunächst noch über Köln, um Freunde zu besuchen. Hier traf er unerwartet das Paar aus Kalifornien wieder, als auf der Straße plötzlich jemand von hinten „Hallo Patrick“ rief.

Nach 403 Tagen, 31.928 km, 24 Platten und um etliche Kilo leichter und mit langem Bart wurde Patrick Pohl in Münster zurück von Freundin Vanessa und vielen Freunden und Bekannten mit „großem Bahnhof“ begrüßt.

Wilhelm Beckmann

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