Aktuelles aus der Ortsgruppe Lüdinghausen

Karte und Gebiet

28.06.18
Kategorie: Lüdinghausen, Radtouren

Gräftenhof Schulze Hobbeling (Bild: ADFC Lüdinghausen)



Das Pastorat in der Venne (Bild: ADFC Lüdinghausen)



Details der Gräftenhof-Radtour im Tourenplaner NRW


Beim Radroutenplaner NRW können auch attraktive und gut dokumentierte eigene Touren eingestellt werden. Mit der "Gräftenhof-Radroute" hat die OG Lüdinghausen im Münsterland nun den Anfang gemacht.

 

Der Radroutenplaner NRW des Verkehrsministeriums ist seit August 2003 im Netz und wird ständig gepflegt und weiterentwickelt. An Spitzentage wird das Angebot deutlich über eine Millionen Mal abgerufen. Eine attraktive Plattform also, um eigene Lieblingsstrecken oder Highlights  aus dem lokalen Tourenprogramm einem größeren Publikum vorzustellen. Weniger bekannt ist, dass auch der ADFC Münsterland (bzw. einzelne  Ortsgruppen) eigene – ganz- oder halbtägige – Themenrouten zur digitalen Veröffentlichung einreichen können (ADFC Touren im Routenplaner). Dazu müssen bestimmte Mindeststandards eingehalten werden. Kriterien für die Auswahl sind u.a. die durchgehende Beschilderung, Pflege, Kartenverfügbarkeit oder eine vorhandene Zielwegweisung. Über eine Aufnahme der Route entscheidet das Verkehrsministerium NRW (Ansprechpartner: Peter London). Weitere Einzelheiten im Aktivenbereich des ADFC-NRW (Intranet mit Passwortzugang.)

Der Ortsgruppe (OG) Lüdinghausen ist es nun als erster im Münsterland  gelungen, dass ihre Gräftenhof-Radtour in den Radtourenplaner aufgenommen wurde. Die Tour über 54 Kilometer  wurde von Mitgliedern des ADFC Lüdinghausen und dem Zentrum für historische ländliche Baukultur im Münsterland e.V. entwickelt und getestet.

Das Wasserschloss des westfälischen Bauern

Eine Gräfte (niederdeutsch: Graft für Graben, verwandt auch mit der niederländische Gracht) ist bekanntlich ein breiter Wassergraben. Dieser umgab ursprünglich einen Adelssitz zu Verteidigungszwecken. In späteren Zeiten konnten Gräften Bestandteil der Gartengestaltung im Umfeld von Wasserburgen oder -schlössern sein. Bei einigen Adelssitzen war die Gräfte gleichzeitig der Mühlenteich für die herrschaftliche Kornmühle. In der Nordhälfte Westfalens waren auch wohlhabende bäuerliche Höfe oftmals von solchen Gräben umgeben. Sie sind typische Elemente der Kultur- und Siedlungslandschaft des Münsterlandes. Nur wenige Bauern waren in der Lage, ihre Höfe mit einer Gräfte zu umgeben. Es lässt sich somit eine deutliche Beziehung zwischen der sozialen Stellung des Bauern und der Existenz einer Gräfte herstellen. Vor allem Schulzen (oder Schulten), die in ihrer Bauerschaft bestimmte administrative und richterliche Aufgaben erfüllten sowie weitere Sonderrechte hatten, verfügten über umgräftete Höfe. Nachgeordnete bäuerliche Schichten (wie z. B. Kötter) konnten sich keine Gräftenhöfe leisten.

Doch die Bedeutung der Gräften nahm zu Beginn des 19. Jahrhunderts ab. Wirtschaftliche Erfordernisse, ausgelöst durch Modernisierung und Technisierung sowie mangelnde Pflege der Gräfte und die damit verbundene Ungezieferplage führten letztendlich dazu, dass die Gräften vielfach verlandeten. Und dann zugeschüttet wurden. Ebenso konnte die typische Bausubstanz des münsterländischen Gräftenhofes mit einem festgelegten Gebäudeprogramm, das sich aus einem Haupthaus und den oftmals zahlreichen Nebenbauten wie Speicher, Torhaus, Brauhaus, Scheune, Schweine- oder Schafstall zusammensetzte, angesichts der wirtschaftlichen Anforderungen  Zeit nicht erhalten werden. Viele der repräsentativen Gräftensiedlungen wurden in den letzten 100 Jahren abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Gräftenhöfe sind in ihrer ursprünglichen Form nur noch selten anzutreffen sind, bleiben jedoch ein wesentliches Element in der Siedlungsstruktur des Münsterlandes.

Es ist das Verdienst der Tour des ADFC Lüdinghausen, dass wir wieder einen Blick für diese „Wasserschlösser der Bauern“ bekommen und  dieses historische Erbe der Region nicht in Vergessenheit gerät. Die münsterländische Kombination von rotem Ziegelstein und Tür- und Fenstereinfassungen in Baumberger Sandstein wird häufig aufgegriffen. Spannend sind zahlreiche Details:  faszinieren Fachwerk, schmiedeeiserne Tore, aufwändiges Ziermauerwerk oder Inschriften. Oft sind auch noch alte Hof- und Wegekreuze, Heiligenhäuschen oder private Wegekapellen erhalten.

Das Pastorat in der Venne

Eine Besonderheit ist das Pastorat in der Venne. Diese Gemeinde bei Senden geht auf die Kreuzfahrerzeit im 13. Jahrhundert  zurück. Ein Bruder des Bischofs Ludolf (1226-1248) schenkte 1242 dem Magdalenenhospital in Münster einen Hof in der Bauerschaft Westendorpe im Kirchspiel Amelsbüren. Auf diesem Hof errichtete der Magistrat ein Hospital zum Heiligen Johannes dem Täufer. Im Jahre 1249 wurde dem Hospital St. Johannes Baptist in der Venne dann das Recht verliehen, die Angehörigen des Hospitals dort zu taufen und zu beerdigen. Der Speicher, der im Obergeschoss bewohnt war, und die Gräfte um das Pastorat belegen, dass der Pfarrer für sich und den Unterhalt der Leprosenstation gleichzeitig einen landwirtschaftlichen Betrieb führte. Weil dieser aus ökonomischen Gründen nicht expandieren musste, blieb uns die Gräfte bis auf wenige Veränderungen – ursprünglich war auch der Garten mit einer eigenen Gräfte umgeben – erhalten.  Seit 1290 ist Venne als Pfarrei urkundlich bezeugt.  Seit ihrer Gründung ist sie mit 130 Mitgliedern die kleinste Pfarrei des Bistums Münster. Zusammen mit dem Friedhof ein stiller Rastplatz am Rande des Venner Moors – und eines der vielen schönen Details der Gräftenhof-Radtour.

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