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Über alle Grenzen

08.02.18
Kategorie: Aktuelles, Radreisen, Presse

Benny und Mandy auf Reisen



Iran: Frauen im Tschador



Pakistan: Plausch mit Einheimischen



Indien: Großstadtverkehr



Tibet: Gebetsflaggen



Tibet: karge Landschaft



Tibet: Zelten in der Kälte



Benny (rechts) beim Vortrag



Blick in den gefüllten Vortragssaal


Radreisevortrag mit Bildern über 31.000 km & 3 Jahre zu zweit auf einem Tandem

Bis zum letzten Sitzplatz und darüber hinaus im Stehen verfolgten weit mehr als 100 Radreise-Enthusiasten am 7. Februar im Sitzungssaal der Burg Lüdinghausen den Radreisevortrag von Benjamin Jacob. Das waren echte Abenteuer zu zweit auf einem Tandem durch die Welt, die Benny und Mandy über 31.00 km in 31 Ländern im mittleren Osten, Indien, Nepal und Tibet über Pässe bis 5400 m Höhe, China Südostasien und Australien erlebt haben.

Träume nicht dein Leben, Lebe deinen Traum - unter diesem Motto sind Mandy und Benjamin Jacob von April 2006 bis Mai 2009 per Tandem um die Welt gefahren. 2006 waren sie in Essen aufgebrochen, um sich einen Traum zu verwirklichen. Sie wollten per Tandem die einzigartigen Landschaften unseres Planeten entdecken und fremde Kulturen kennen lernen.

Überall auf ihrer Reise wurden sie freundlich begrüßt. Die allgemein vorherrschende Meinung, dass eine solche Reise gefährlich, die Begegnung mit Terroristen in den muslimisch geprägten Ländern an der Tagesordnung und mit Diebstahl und Raub zu rechnen sei, bewahrheitete sich nicht. Sie erhielten im Gegensatz vielfältige Hilfe, Einladungen zu privaten Familienfeiern und sogar Hilfe von der zum Teil sehr armen Landbevölkerung, sei es auch nur heißes Wasser in den sehr kalten Regionen von dort lebenden Hirten.

Doch nicht nur sahen sie wunderbare Landschaften und lernten Menschen in allen Kulturkreisen kennen, sondern wurden auch Zeitzeuge von einem geschichtsträchtigen Ereignis, als die Chinesen Aufstände der Tibeter blutig niederschlugen und das Militär Lhasa abriegelte.

Mandy und Benny durchquerten auf ihrem Tandem alle Klimazonen unseres Planeten, von extrem heißen Wüsten im Iran bis hin zum arktisch kalten tibetischen Hochplateau mit klirrender Kälte. Sie waren oft dem höllischen Verkehr in den brodelnden Millionenstädten Asiens wie Bombay oder Kalkutta ausgesetzt. Das Paar durchfuhr aber ebenso den Regenwald in Sumatra in Indonesien sowie traumhaft schöne Buchten in Thailand, mit Kokosnüssen als täglich Brot.

In Tibet passierten die beiden auch den höchsten Pass ihrer Reise: Auf über 5401 Metern quälten sie sich mit ihrem Tandem. Die dünne Luft, welche die Höhenkrankheit auslösen kann, machte Ihnen sehr zu schaffen, und die extreme Kälte bei bis zu minus 25 Grad ebenfalls. Die beiden erreichten mit ihrem Tandem das 5160 Meter hoch gelegene Basislager des Mount Everest in Tibet. In diesem tibetischen Dezember herrschten permanent tiefe Minusgrade. Aufgrund der Kälte war zu dieser Zeit kein einziger Bergsteiger am Mount Everest weit und breit.

Die längste Pause während ihrer Reise machten die Globetrotter in der sagenumwobenen, heiligen Stadt Lhasa in Tibet, in der sie tiefe Einblicke in das Leben der Tibeter gewonnen haben. Die Zeit in Lhasa erreichte leider ihren traurigen Höhepunkt im März 2008, nachdem ein bereits lange schwelender Konflikt zwischen Tibetern und Chinesen eskalierte. Über hundert Menschen kamen zu Tode. Panzer der chinesischen Armee rückten in Lhasa ein, die Stadt wurde komplett von chinesischen Soldaten abgeriegelt, und Mandy und Benny wurden in Tibet während dieser Zeit insgesamt drei Mal verhaftet. Nachdem die Weiterfahrt per Tandem mit einer Verhaftung endete, mussten sie Lhasa per Zug verlassen und ihre Reise in Chengdu durch Südchina fortsetzen. Der weitere Weg führte sie durch Südostasien nach Australien.

Auch mit technischen Problemen hatte das Essener Paar zu kämpfen. Platte Reifen waren eher selten das Problem - nur neun Mal mussten die „Globecyclers“ auf 31.000 km Schläuche flicken. Gebrochene Speichen hingegen beanspruchten mehr Zeit für die Reparaturen: 38 Stück, fast alle im Hinterrad. Sie verschlissen drei Naben, eine Vorderradgabel und selbst der Rahmen brach einmal unter extremer Belastung, tiefen Minusgraden und hunderten tibetanischen Kilometern Holperpiste durch. Auch hier erhielten sie Hilfe von der einheimischen Bevölkerung, z. B. beim Schweißen des gebrochenen Rahmens. Die von der Herstellerfirma Haase erstellte Anleitung zur Reparatur wurde von Deutsch über Englisch und Mandarin bis zum Dialekt des einheimischen Schweißer von verschiedenen Helfern übersetzt. Aber der Rahmen hält bis heute.

Mit ihre Reise auf einem Spezialtandem der Firma Hase Bikes, auf der sie von zahlreichen Sponsoren unterstützt wurden, wollten die beiden Weltenbummler den Guinness-Weltrekord der längsten Tandem-Weltreise brechen! In Australien mußten sie jedoch ihre Reise beenden, da sich Nachwuchs bei den beiden ankündigte.

Wilhelm Beckmann

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