Gewählter Aktueller Beitrag aus den Ortsgruppen

Tourenleiter Überraschungstour 2018

02.10.18
Kategorie: Aktuelles, Presse, Radreisen

Vor dem Hotel



Burg Vischering



Burg Lüdinghausen Renaissance-Flügel



Schloss Nordkirchen



Schloss Westerwinkel Bauhaus



Haus Ittlingen



Haus Venne



Haus Vornhelm



Haus Geist



Burg Nienburg



Haus Vornholz



Haus Dieck


Von Burgen und Schlössern – eine Fahrt ins östliche Münsterland

Ein Dutzend Burgen und Schlösser, das war unser Thema für die 2 tägige Überraschungsfahrt, die Norbert Beisenkroll und Heinz Reuter für die Tourenleiter des ADFC Lüdinghausen ausgesucht hatten. Auf dem Weg von Lüdinghausen bis Ennigerloh – Ostenfelde und zurück sollte die Entwicklung adeligen Wohnens auf dem Lande zwischen 1521 und 1771 an insgesamt 12 Beispielen veranschaulicht werden.
15 Radler und Radlerinnen hatten sich am Samstag Morgen zur Abfahrt auf dem Marktplatz in Lüdinghausen zusammengefunden.

Schon nach wenigen 100 Metern fand der 1. Stopp an der Burg Vischering statt. Die 1271 gegründete Ringmantelburg wurde 1521 nach einem Brand erneuert und war insgesamt noch sehr auf die Verteidigung ausgerichtet. Mehrere Gräften, Zugbrücken und die fast vollständig geschlossene Ringmauer schützten die auf einer Zwei Insel Anlage errichtete Burg vor Feinden. Der Wunsch nach größerem Wohnkomfort und Repräsentation führte dann 1622 zum Bau der schönen Renaissanceauslucht.

50 Jahre zuvor hatte das Verlangen nach Repräsentation und größerem Wohnkomfort schon zum Neubau der benachbarten Burg Lüdinghausen geführt. 1573-77 ließ der Domherr Gottfried von Raesfeld die baufällige mittelalterliche Burg durch einen wunderschönen Renaissance Neubau ersetzen.

Während die westfälischen Adeligen ihre Wohnsitze auf dem Land selbst nur „Häuser“ nannten, kann man von Schloss Nordkirchen, das wegen seiner Größe auch „Westfälisches Versailles“ genannt wird,  wirklich von einem Schloss sprechen. Als Fürstbischof von Münster wollte Friedrich Christian von Plettenberg seiner Familie ein bleibendes Denkmal setzen. Dazu ließ er die, seiner Meinung nach wenig repräsentative Burg der Herren von Morrien abreißen und durch seinen Hofarchitekten Gottfried Laurenz Pictorius einen repräsentativen Neubau mit 90 m Frontlänge zum Garten errichten. Das achsiale System mit der spiegelbildlichen Ausrichtung der Bauten, die im Ehrenhof auch ihren architetonischen Höhepunkt fanden, ist wahrlich eine Augenweide, doch litt seine Familie in den folgenden Jahrhunderten sehr stark unter der drückenden Schuldenlast. Über die Familie von Esterhazy und den Herzog von Arenberg kamen Schloss und Park schließlich in den Besitz des Landes Nordrhein Westfalen.

Einen ganz anderen Eindruck vermittelten die folgenden kleinen „Schlösser“, von ihren Bewohnern „Häuser“ genannt. Sie dienten dem westfälischen Adel während des Sommers als Aufenthaltsort auf dem Lande. Ganz deutlich wird die wirtschaftliche Basis dieser „Häuser“ in dem mehr oder minder großem Umfang der Ökonomiegebäude, die die Versorgung der Familie ganzjährig übernehmen mussten. So wurden möglichst alle Lebensmittel, die die adelige Familie während des Winters in ihren Stadthäusern in Münster benötigte, zum Ärger der Stadt Münster vom Land in die Stadt Münster mitgebracht. Damit es aber während des Sommers auch auf dem Lande nicht langweilig wurde, wiesen manche „Häuser“, wie z.B. Haus Ittlingen, die Hälfte aller Schlafräume für die angereisten, oft mehrere Wochen bleibenden Besucher auf.

Schloss Westerwinkel in Herbern wurde für die Herren von Merfeld kurz nach dem 30 jährigen Krieg gebaut. Die auf einer 2 Inseln liegende Vierflügelanlage ist durch den Wall, die Steinkreuzfenster und die doppelte Gräftenanlge noch stark von dem mittelalterlichen Festungscharakter geprägt.

Erst nach dem Umbau durch Johann Conrad Schlaun im Jahre 1755 erhielt Haus Ittlingen sein heutiges Aussehen. Es ist eine idyllische Perle, die sich, verdeckt in einem kleinen Wald, normalerweise in einer Gräfte wiederspiegelt. Doch leider erschreckten uns hier ebenso, wie im benachbarten Haus Venne, die trockengefallenen Gräften, die hoffentlich keinen bleibenden Schaden an den auf Pfählen errichteten Mauern anrichten.

Als nächstes Herrenhaus wurde Haus Vornhelm im gleichnamigen Ort angeradelt wurde. Die weit verzweigte Anlage mit dem aus verschiedenen Jahrhunderten stammenden „Haus“ der Familie Vischering liegt, inclusive mehrerer Gärten, auf insgesamt 6 Inseln. Auch heute ist es noch von einem Zweig der Familie von Vischering bewohnt.

Das schon zu Oelde gehörende Haus Geist ist heute nur noch ein schlichter Barockbau von 1750-55, der leider kaum noch erkennen lässt, wie großartig der Renaissancesbau von 1560-68 gewesen war. Nur einige Überreste im Torhaus und in der Vorburg lassen den ursprünglichen Glanz des Gebäudes ahnen.

Auf einem abwechselungsreichen Weg durch das Geisterholz erreichten wir Burg Nienburg in Ostenfelde. Nur noch einige Mauerreste zeugen von der 1675 zerstörten Burg. Während des Mittelalters war die bedeutende Burg wurde von einem doppelten Gräftensystem gesichert. Heute liegt die Burgruine im Wald versteckt und das ehemalige Gäftensystem ist nur noch schwer erkennbar.

Direkt am Ortsrand von Ostenfelde liegt Haus Vornholz. 1655 war die Vorgängeranlage abgebrannt und die Freiherrn von Nagel ließen sich das überraschend schlicht ausgefallene Wohnhaus als Dreiflügelanlage errichten. Zusammen mit den später entstandenen großen Ökonomiegebäuden ist es ein ansehnliches Anwesen. Der ehemalige Garten ist heute leider total verwildert, lässt aber noch seine ursprüngliche Größe ahnen. Das nach dem 2. Weltkrieg bekannte Pferdegestüt – es stellte bei den olympischen Spielen in Helsinki das Pferd für die Gewinnerin der Silbermedaille – ist heute nicht mehr aktiv. Stattdessen gibt es neben dem Schloss einen großen Golfplatz.

Haus Dieck in Westkirchen war das jüngste Schloss auf unserer Radtour. 1771 war es nach dem Vorbild von Haus Beck in Kirchhellen errichtet worden. Die Baupläne für dieses Landhaus ( Maison de Plaisance ) hatte Johann Conrad Schlaun entworfen. Die leitende Idee dieses Herrenhaustypus, der aus Frankreich kam, war die Angemessenheit, Bequemlichkeit und Schönheit. Die Ökonomiegebäude waren daher auch weniger wichtig. Obwohl aus unterschiedlichen Materialien erbaut - die West- und Nordseite = Wetterseiten aus Bruchsteinmauerwerk, die Ost- und Gartenseite aus Fachwerk – macht Haus Dieck doch einen einheitlichen Eindruck, die durch den Putz hervorgerufen wird. Während im Inneren die Raumfolge seit dem 18. Jhd. unverändert blieb, ist die ehemalige Gräfte schon lange verschwunden.

1707 - 09 errichtete Lambert Friedrich von Corfey Haus Steinfurt, das ursprünglich von einer eigenen Gräfte umgeben war, für den Freiherrn Johann Matthias von den Recke. Der Zugang erfolgte aber weiterhin durch das seitlich zum Schlosshof angeordnete Renaiaissance Torhaus. Erst 1830 wurde der achsiale Zugang zu Haus Steinfurt durch die Brücke und die beiden im klassizistischen Stil erbauten Torhäuser geschaffen.

Nachdem der beginnende Regen immer stärker wurde, machte sich die Gruppe nun direkt zu Kaffeepause in Drensteinfurt auf. Weitere geplante Besichtigungen von Herrenhäusern wurde auf eine spätere Tour verschoben. Nach einer Stärkung ging es dann ohne Unterbrechung durch den Regen zurück nach Lüdinghausen.

Hier können die GPS-Tracks zu den Touren der beiden Tage abgerufen werden.

Bilder: W. Beckmann

Heinz Reuter

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