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Bauernhöfe „auf der Insel“

20.05.19
Kategorie: Aktuelles, Presse, Radtouren

Haus Steinhorst (Schulze Pellengahr) mit neuer Brücke



Dirk Schulze Pellengahr berichtet über den Hof



Informationen im Wald



Ludger Schröer (3. v. l.) gibt Informationen



Am Pastorat Venne


ADFC Lüdinghausen besucht Gräftenhöfe im Münsterland

Die vom ADFC Lüdinghausen und dem Zentrum für historische ländliche Baukultur im Münsterland e.V. entwickelte Gräftenhof-Radtour wurde bereits im letzen Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Beginn der Radsaison 2019 führten jetzt Tourenleiter Heinz Wolle und Wilhelm Beckmann eine große Gruppe interessierter Radler auf diese besondere, 54 km lange Pättgestour. Der Mitentwickler der Tour, Historiker Dr. Ludger Schröer, wusste spannend über die Geschichte der Gräftenhöfe zu erzählen.

Bauernhöfe, die wie eine Insel mit einem breiten Wassergraben umgeben waren, der sogenannten Gräfte, waren typische Elemente der Kultur- und Siedlungslandschaft des Münsterlandes. Nur große Bauern, z.B. die Schulten- bzw. Schulzenhöfe, konnten sich eine Gräfte zum Schutz ihres Gutes, z.B. vor Bandenüberfällen und Tieren, und nicht selten in Nachahmung der Adelssitze, als Prestigeobjekt leisten. Die Hofinsel, auf der das Haupthaus, der Speicher und kleinere Nebengebäude Platz finden konnten, wurde über eine Brücke oder durch ein Torhaus erschlossen. In der landwirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen 200 Jahre störte oft die Einengung der Hoffläche durch die Ringgräfte oder schmale Torhäuser. Deshalb gab man ihren Unterhalt auf, schüttete sie ganz oder teilweise zu und überbaute sie. Von den ehemals über 200 Gräftenhöfen im südlichen Münsterland sind daher heute nur noch wenige als solche erhalten.

Die Fahrradtour zu den verbliebenen „Wasserschlössern der Bauern“ startete bei warmem, somerlichem Wetter auf dem Markt in Lüdinghausen, vorbei an der Wasserburg Kakesbeck, in Richtung Senden. Hier wurde der historische Hof Schulze Messing besucht, dessen Wurzeln bis ins 8. Jahrhuntert zurückreichen. Die viereckige Planform der stattlichen Gräfte, die Alleebäume und die  Hofkapelle gaben ein prächtiges Bild ab.

Der Hof Schulte Tomberge präsentierte sich mit einem Halbrund, das von der fast kreis-runden und bis zu 12 Meter breiten Gräfte noch vorhanden ist.

Die nächste Station lag in der Venne. Hier hatte die Stadt Münster, zur Zeit der Kreuzritter ein Hospital für Leprakranke Ritter eingerichtet. Der im Obergeschoss bewohnte Speicher und die Gräfte rund um das Pastorat belegen, dass der Pfarrer damals für sich und den Unterhalt der Leprastation einen landwirtschaftlichen Betrieb führte.

Nach einer Mittagsrast an der Nabu-Plattform in der Davert ging es weiter zum früheren Hof Schulte Steinhorst, der ebenfalls ein eindrucksvoller Gräftenhof ist. Hinter dem Torhaus von 1764 wurde die Radgruppe vom heutigen Besitzer Dirk Schulze Pellengahr empfangen. Er gab einen Überblick über die spannende Geschichte seines Hofes und wies auch auf die Probleme bei der heutigen bäuerlichen Bewirtschaftung eines solchen Hofes hin. Zum Abschluss wurde die gerade renovierte Hofkapelle besichtigt, die über eine hölzerne Brücke mit dem Hof verbunden ist.

Vorbei an Haus Romberg ging es zum Kaffeetrinken ins Gasthaus Zur Davert. Hier erwischte die Radler dann doch  noch das kräftige Gewitter, das am Sonntagnachmittag über das Münsterland zog. Nachdem der Regen nachgelassen hatte wurde am Hof Schulze Hobbeling noch ein kurzer Stop eingelegt. Bemerkenswert ist hier die prächtige Eichenallee, die direkt auf das das Torhaus und die Hofinsel zuführt.  

Vorbei am Alpaca-Hof „Abolengo de Alpaca“ ging es am späten Nachmittag wieder nach Lüdinghausen zurück. Am Marktplatz gab es dann viel Applaus für Ludger Schroer und die beiden Tourenleiter.

Neben den sehenswerten Gräftenhöfen, führt die Tour durch schöne, abwechslungsreiche Landschaften des Münsterlandes und eignet sich als Tagestour zum Nachradeln im kommenden Sommer.

Herbert Baur

© 2019 ADFC Kreisverband Münsterland e. V.