Vorsicht beim "Gassi fahren"!

01.09.04
Kategorie: StVO

LK Nr. 69 3/2004, Münster. Das Oberlandesgericht Köln hatte jüngst folgenden Fall zu entscheiden: Der Kläger fuhr mit seinem Fahrrad und führte hierbei seinen Hund aus. Die Leine hatte er um den Lenker gewickelt. Auf das "Gespann" lief ein anderer, nicht angeleinter Hund zu. Der Hund des Radfahrers lief ihm entgegen, so dass der Radfahrer stürzte und sich hierbei schwer verletzte.

Das OLG wies die Klage im vollen Umfang ab (Urteil vom 13.8.2002 - 9 U 185/00): Zwar sei das Führen eines Hundes am Fahrrad nach der Straßenverkehrsordnung (§ 28 Abs. 1 Satz 4 StVO) erlaubt. Von einem "Führen" im Sinne dieser Vorschrift könne aber nicht gesprochen werden. Das Umwickeln des Fahrradlenkers mit der Leine berge beim Radfahren besondere Gefahren. Die Leine müsse im Notfall in kurzer Zeit gelöst werden können. Der Fahrradfahrer sei deshalb verpflichtet, besonders aufmerksam zu fahren, um einen Unfall aufgrund der Befestigung der Leine zu vermeiden. Er müsse - falls erforderlich - und stehen bleiben und vom Rad steigen.

Dass der andere Hund nach dem Landeshundegesetz hätte angeleint werden müssen, führe nicht zu einer Haftung des anderen Hundehalters. Diese Regelungen bezweckten nämlich nur den Naturschutz, der im vorliegenden Zusammenhang nicht von Bedeutung sei. Soweit Hunde sich im Blickfeld von Begleitpersonen befänden, bestehe haftungsrechtlich keine besondere Verpflichtung zum Anleinen.

Da der Verursachungs- und Verschuldensbeitrag des Radfahrers bei weitem überwog, musste er seinen Schaden selbst tragen.


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