Unfälle durch Türöffner

13.06.10
Kategorie: StVO

LK Nr. 92 2/2010, Münster | Unfälle von Radfahrern werden häufig durch unvorsichtiges Öffnen von Autotüren verursacht. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Jena aus dem Herbst 2008 (Az. 5 U 596/06) muss sich der Radfahrer zwar in einer solchen Situation ein Mitverschulden anrechnen lassen, wenn er lediglich mit einem Seitenabstand von 80 bis 90 cm an dem parkenden Auto vorbeifährt. Denn er müsse zumindest mit einem spaltweisen Öffnen der Fahrzeugtür rechnen, sofern das Fahrzeug nicht erkennbar leer sei.

Der einzuhaltende Seitenabstand richte sich dabei nach den Umständen des Einzelfalles. Ein genereller Sicherheitsabstand von einem Meter könne lediglich bei dichtem Verkehr oder beengten Straßenverhältnissen unterschritten werden, wofür im entschiedenen Fall keine Anzeichen vorlagen. Das geringe Mitverschulden durch Unterschreitung des Sicherheitsabstandes von 10 bis 20 cm trete aber hinter dem gravierenden Verstoß des Autofahrers zurück. Denn dieser sei beim Aussteigen verpflichtet gewesen, sich so zu verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen sei. Damit dürfe er die Tür nur öffnen, nachdem er sicher sein konnte, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährde. In der Rechtsprechung macht es im Übrigen keinen Unterschied, ob der Radfahrer gegen die geöffnete Tür prallt, oder ob er bei dem Versuch der Tür auszuweichen stürzt. In beiden Fällen ist der Unfall vom Autofahrer verursacht worden (OLG Celle, Urteil vom 28.01.1988 - Az. 5 U 327/86).

In der Reihe „Fachwissen für den Fahrradalltag“ hat der Fachausschuss Radverkehr des ADFC zu diesem Thema im Frühjahr 2010 ein Papier veröffentlicht. Es erläutert ausführlich Hintergründe und Zusammenhänge rund am die seitlichen Sicherheitsabstände. Dieses Hintergrundwissen trägt zum richtigen Verhalten und gegenseitigem Verständnis im Verkehrsalltag bei.

Falk Schultz

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