Rollende Fahrradschule

Verkehrsunterricht aus der Kiste
ADFC bietet seit 1993 kostenloses Unterrichtsmaterial an - Stets große Nachfrage

Erzieher an Grundschulen und Kindergärten können Unterstützung für den Rad- und Verkehrsunterricht anfordern: Die "Rollende Fahrradschule" des ADFC Münster, eine Aktion der Arbeitsgruppe "Verkehrs- und Umweltpädagogik", ermöglicht praktischen Verkehrsunterricht, der nicht nur im Klassenzimmer stattfindet.

Konzipiert für den Primar- und Vorschulbereich, sind neben allen Schulen und Kindergärten in Münster auch andere Institutionen eingeladen, das Gefährt auszuleihen. Per Lastendreirad - praktisches Beispiel für eine umweltfreundliche Transportmöglichkeit im Nahverkehrsbereich - kann die große Kiste voller Materialien überall hingebracht werden. In der Leichtmetallbox ist jede Menge Literatur zum Thema Radfahrunterricht, ferner enthält sie Arbeitsmateriallen wie einen Videofilm, eine Lehrtafel und Arbeitsmappen. Nützliche Hilfsmittel für das Radfahrtraining, Werkzeug und Fahrradhelm sollen helfen, die Theorie in die Praxis umzusetzen.

Mit der "Rollenden Fahrradschule" will es der ADFC den Schulen ermöglichen, im Hinblick auf die Fahrradprüfung spannende und abwechslungsreiche Unterrichtsreihen im Freien, in der Turnhalle oder in der Klasse zu gestalten. Ansprechpartner ist Matthias Wüstefeld (Tel.: 0251 9871105). Auch für den Vorschulbereich liefert das Material Anregungen für Eltern und Pädagogen, mit den Kindern motorische Übungen für den Umgang mit der Leeze zu gestalten. So stellt der Arbeitskreis nicht nur seine Unterrichtshilfen zur Verfügung, sondern bietet außerdem Mitarbeit bei der Gestaltung von Elternabenden an. Ermöglicht wurde die Anschaffung der "Rollenden Fahrradschule" durch einige münstersche Institutionen, die die Aktion sponserten.

VSF-Verkehrspreis
für die "Fahrradschule"

Der ADFC Münster/Münsterland hat sich mit der "Rollenden Fahrradschule" um eine umweltbewußte Alternative zum herkömmlichen Verkehrsunterricht verdient gemacht. Für unsere Fahrradschule und die damit verbundene Idee, ökologische und soziale Themen rund um den Verkehr und das Fahrrad mit dem Lastenfahrrad in die Schulen zu transportieren, hat der ADFC Münster den Verkehrspreis 1994 des Verbundes selbstverwalteter Fahrradbetriebe (VSF) erhalten.

Die Jury des VSF-Verkehrspreises hält die Bemühungen des ADFC für vorbildhaft. Sie weiß: Die derzeitige Verkehrspolitik kann nur durch viele kleine Aktionen und fortschrittliche Initiativen verändert werden. Und gerade wenn Kinder die Ansprechpartner sind, reicht es nicht aus, nur über die Gefahren auf den von Autos dominierten Straßen zu informieren. Auf kreative und kindgerechte Weise sind Alternativen, aufzuzeigen.

 

Pressespiegel

Münstersche Zeitung, 28.9.1993 (Mit freundlicher Genehmigung)

Foto: Witte

Verkehrserziehung für die Kleinen nach ADFC-Konzept
Gutes Beispiel: Lehrer steigt aufs Lasten-Rad

MUE. Münster. Die bissige Satire der Hittorf-Gymnasiasten, die seinerzeit den "kindgerechten" Verkehrsunterricht auf den Punkt "Hauptsache, das Kind stört den Verkehr nicht" brachte, stand nicht als abschreckendes Beispiel Pate, als der ADFC sein neues Konzept zur Verkehrserziehung an Schulen und Kindergärten entwickelte. Gleichwohl werden jetzt Maßstäbe gesetzt, die vom Kind nicht nur Anpassung verlangen. Schon rein äußerlich nicht: Beim ADFC-Konzept muß der Lehrer den Unterrichtsstoff, aus dem er den Verkehrs-Parcours für die radelnden Youngsters aufbauen will, per Lastenfahrrad zum Schulhof transportieren.

Mit dem Lastendreirad des ADFC, das bei Lehrern, Eltern und Kindern mit dem weitverbreiteten Vorurteil aufräumen soll, nur das Auto sei für Transporte geeignet, wurde gestern eine Kiste zur Pötterhoek-Grundschule gefahren, die es in sich hatte: In der "rollenden Fahrschule" finden sich Verkehrsschilder, Materialien für den Parcours, eine Werkzeugkiste und viel Literatur, die andere Schwerpunkte setzt als das Motto "Kurzer, paß bloß auf".

Und das probierten die Kinder der Klasse 3a gestern unter den Augen ihrer Lehrerin Bettina Busse auf dem Schulhof aus.

Christian Hülsmann von der "Arbeitsgemeinschaft Verkehrs- und Umweltpädagogik" des ADFC schickte die Kleinen auf die Strecke. "Was macht man am Stop Schild?" Die unsichere Gegenfrage "Vollbremsung?" wird im ADFC nicht nur mit einem "bloß nicht" beantwortet. Kinder handeln eben nicht so rational, wie die Erwachsenen das gern hätten. Und daß sich die Erwachsenen etwa bei der Verkehrsplanung darüber Gedanken machen sollen, dazu fordert die "Rollende Fahrschule" eben auch auf.

Das umfangreiche Unterrichtsmaterial ist deshalb nicht nur kompakter Lehrstoff, der den Pädagogen auf den neuesten Stand gebrachte Verkehrsvorschriften an die Hand gibt. Fächerübergreifende Unterrichtsreihen können damit vorgenommen werden, sie fangen beim Fahrradreparieren an und reichen bis zur Überlegung, auf wieviel Autofahrten - verzichtet werden kann, wenn beispielsweise der Einkauf mit einem Lastenrad absolviert würde. "Nicht nur das Kind und den Verkehr isoliert betrachten", erklärt Matthias Wüstefeld das Konzept, "sondern auch deren Perspektiven und die Umweltprobleme berücksichtigen".

 

kaufen & sparen, 30.9.1993 (Mit freundlicher Genehmigung)

Rollende Fahrradschule
Eine wirklich "heiße Kiste"

(ci). Münster. Eine wirklich heiße Kiste konnte der Allgemeine Deutsche Fahrradclub da präsentieren. Denn in dem silbrig glänzenden Blechkasten, der am Dienstag auf dem Schulhof der Pötterhoekschule präsentiert wurde, befindet sich alles, was für den Verkehrs- und Radfahrunterricht notwendig ist. "Unsere 'Rollende Fahrradschule' ermöglicht praktischen Verkehrsunterricht, der nicht nur im Klassenzimmer stattfindet", so Matthias Wüstefeld vom ADFC, "im Mittelpunkt stehen Rad, Kind und Umwelt".

Ob zur Schule oder zum Kindergarten: Problemlos kann die große Kiste mit dem Lastendreirad durch die münsteraner Gassen manövriert werden. In der Kiste befindet sich jede Menge Literatur zum Thema Radfahrunterricht. Da gibt es Lehrtafeln, Videofilme, Arbeitsmappen, aber auch Werkzeug und den heutzutage unentbehrlichen Radfahrhelm. Auch für den Vorschulbereich liefert das Material Hinweise rund um das Kinderrad und Anregungen für Eltern und Pädagogen, motorische Übungen für ihre Kinder im Umgang mit dem Fahrrad zu gestalten.

Und daß mit den Materialien ein praxisnaher, lebhafter und spannender Verkehrsunterricht absolviert werden kann, das bewiesen die Lehrerin Bettina Bosse und Christian Hülsmann von der "Arbeitsgemeinschaft Verkehrs- und Umweitpädagogik" des ADFC. Sie hatten aus allerlei Utensilien der lehrreichen Kiste einen Fahrradparcours zusammengestellt, der es in sich hatte. Da galt es, eine schmale Gasse aus halbierten Tennisbällen zu durchqueren, einen eng gesteckten Slalomkurs zu absolvieren, Vorfahrtsregeln zu beachten und mit der einen Hand das Fahrrad in der richtigen Bahn zu halten, um mit der anderen einen Ständer umzusetzen. Die Klasse 3a machte sich mit viel Engagement und Begeisterung auf den schwierigen Weg - ein Umstand, der mit trockenem Theorieunterricht wohl nicht zu erreichen wäre.

Im September 1992 begann der ADFC Münster damit, das umfangreiche Material für die rollende Leezenschule zusammenzustellen - angeregt durch das gute Beispiel anderer Fahrradclubgruppen und deren guten Erfahrungen. Fertiggestellt werden konnte das gute Stück, übrigens in Münster einmalig, nur mit der finanzkräftigen Hilfe einiger Sponsoren, die ihre Namen auf der rollenden Kiste verewigt haben. Auf den Fahrradtagen am 1. und 2. Oktober wird der ADFC sein Konzept an einem Informationsstand vor dem Stadthaus I vorstellen und im Rathausinnenhof einige Radfahrübungen anbieten. Nach den Fahrradtagen kann man das lehrreiche Gefährt in der Geschäftsstelle des ADFC Münster ausleihen, Ansprechpartner ist unter der Rufnummer 0251/393999 Matthias Wüstefeld.

Außerdem können Lehrer und Lehrerinnen in der Geschäftsstelle noch auf einen großen Fundus weiterer Materialien rund um das Rad zurückgreifen. Vom Kinderbuch über Fachliteratur bis hin zu Unfallstatistiken und Informationsmaterialien werden alle notwendigen Unterlagen angeboten, um Themen zu behandeln, die den Unterricht bereichern und allen Spaß machen:

Beispielsweise zur Verkehrswegeplanung aus Schulkindersicht, eine Umfrage zur Verkehrsmittelnutzung in der Familie oder eine Klassenfahrt mit dem Rad.

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