Von Ruhr zur Ruhr - Radfahren, Gucken, Schlemmen

Der ADFC steht nicht nur für schöne Radtouren, er bemüht sich auch stets um gutes Wetter. So geschehen auch am Sonntag, den 21.05.2017. Unser erfahrener Tourenleiter Dieter Wileczelek hatte nach Wetter an der Ruhr eingeladen, um vom dortigen Bahnhof aus die beliebte Rundfahrt „Von Ruhr zur Ruhr“ zu starten. Die 25 Teilnehmer aus Iserlohn und Menden konnten aus 3 verschiedenen Anreisemöglichkeiten auswählen: Entweder mit dem Zug von Iserlohn, bzw. Letmathe aus oder mit dem Auto und dem Rad Huckepack oder gleich die Anfahrt nur per Rad. So standen bei manchem bei der Ankunft in Wetter schon die ersten 30 Kilometer auf dem Tacho, was aber bei Sonnenschein und den schönen Routen kein Problem darstellte. Um auch eine garantierte Fahrradmitnahme in den Zügen zu gewährleisten, teilten sich die Bahnfahrer vorab in 2 Gruppen auf, die jeweils kurz vor 10, bzw. kurz vor 11 Uhr am Zielbahnhof eintrafen. Wir wären ja nicht Radfahrer, wenn wir solange auf die im wahrsten Sinne „Nachzügler“ nur gewartet hätten. So setzte sich die erste Gruppe mit Flynn, dem 4-jährigen Enkelkind des Tourenleiters als Schrittmacher an der Spitze, schon in Bewegung. So gesehen waren wir eine echte 3-Generationen-Tour: Oma, Opa, Kinder und Enkelkinder. Langsam, aber stetig, denn der kleine Nachwuchsradler musste mit seinem Kinderrad wesentlich schneller trampeln als wir anderen, ging es auf dem Ruhrtalradweg zuerst nach Wengern und von dort aus weiter entlang der Bahngleise der Ruhrtalbahn zur Zeche Nachtigall. Wer wollte, konnte sich dort im Bistro am Eingang ein zweites Frühstück genehmigen oder die Außenanlage der Zeche anschauen. So ließ sich die Zeit bis zur Ankunft der Nachfolgegruppe gut verbringen.

Nach einer erfolgreichen Wiedervereinigung aller Teilnehmer ging es nun gemeinsam weiter bis zur Ruhr-Fähre Hardenstein. Eine eigene Überfahrt hatte unser Tourenleiter zwar nicht bestellt, das hätte das kleine Boot bei dieser Gruppengröße wohl auch nicht heile überstanden, aber mit 2-maligen Übersetzen war auch dieses gelungen. So konnte man sich wenigstens gegenseitig fotografieren. Apropos fotografieren: Um das Durchschnittstempo wieder anzuheben, durfte Flynn nun die weitere Strecke zusammen mit seinem Kinderrad bei Tourenleiter Dieter in der Familienkutsche mitfahren. Dieses grüne Lastenrad, welches durch den Mendener Zweiradhändler Dünnebacke und den dortigen Stadtwerken gesponsert wurde, war nicht nur für uns ein echter Hingucker. Wäre der Kopf nicht angewachsen, hätte sich dieser bei manchen Zuschauerwohl im Kreis gedreht. Trotz der Größe, aber auch auf Grund des unterstützenden E-Antriebs, kam unser Tourenleiter damit gut zurecht und flott voran. Eines machte sich aber hier wieder deutlich: Enge Umlaufgitter haben auf Radwegen aber auch rein gar nichts zu suchen. Schließlich müssen auch solch große Fahrzeuge oder Radfahrer mit Anhänger diese Stellen problem- und gefahrlos passieren können.

Zurück zur Tour. Nächstes Zwischenziel war der Kemnader See. Obwohl hier immer viel Publikumsverkehr herrscht, lässt es sich dank baulicher Trennung von Fußweg, Inliner- und Radspur gut fahren. Hinter dem Stauwehr ging es meist in Ufernähe der Ruhr weiter bis nach Hattingen. Die zweitgrößte Stadt des Ennepe-Ruhr-Kreises hat nicht nur eine schöne Altstadt, sie ist auch Beginn des Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse der Strecke nach Wuppertal-Wichlinghausen samt Fortführung als Nordbahntrasse in Richtung Düsseldorf. 1884 eröffnet, wurde diese 100 Jahre später schon wieder stillgelegt und später dann zum jetzigen Radweg ausgebaut.

Plattdeutsch, Sauerländer Platt? Kennst du? Hattinger Platt? Noch nie gehört? Wir auch nicht, aber gesehen, und zwar vorne. Einer unserer Mitfahrer hatte sich am Vorderrad einen Plattfuß eingefangen. Aber dank Ersatzschlauch und just einer Tankstelle am Ort des Geschehens war dieses keine große Angelegenheit. Mit einer Steigung von maximal 2 Prozent ging es nun bergauf. Und hindurch, und zwar durch den 195 Meter langen Schulenbergtunnel. Im Tunnel war es zwar feucht und kühl, aber Geister haben wir leider keine gesehen. Denn Geister mögen keine Beleuchtung und fürchten sich höllisch vor Fahrradklingeln.

Energie tanken

 

Egal ob zu Hause oder unterwegs, für manche von uns gibt es feste Essenszeiten. Da mag kommen was will. Was lag also näher, als nach einem Lokal Ausschau zu halten. Und wenn wir schon auf einer Bahntrasse unterwegs sind, dann darf sich dieses auch in einem der ehemaligen Bahnhöfe befinden. Gesagt, getan. Dann ist Bossel genau der richtige Ort für uns. In diesem historischen Bahngebäude befindet sich im Inneren ein kleines, aber feines Restaurant und draußen ein uriger Biergarten mit rustikalen Holzbänken und Tischen. Und wo haben wir wohl gesessen? Natürlich im Freien. Ein Radler, ein Kaffee, eine Apfelschorle oder ein Stück Kuchen, ein Wurst- oder Frikadellenbrötchen? Egal, jedem das, was ihm schmeckt und mundet. Denn auch ein Fahrrad fährt nicht so von alleine. Braucht ein Auto Öl und Benzin, so benötigt der gemeine Radler leckere Getränke und Kalorien. Gut gestärkt und erholt ging es nun noch ein kurzes Stück weiter bergauf bis nach Schee. Hier zweigt unter einer alten Brücke ein weiterer Bahntrassenradweg ab. Während der bisherige Radweg geradeaus durch den 722 Meter lange Scheetunnel weiter nach Wuppertal führt, fuhren wir im spitzen Winkel zurück auf der so genannten „Kohlenbahn“ in Richtung Silschede. Kohle gibt es hier schon länger nicht mehr (außer vielleicht bei manchem im Portemonnaie), aber den Namen erhielt die Bahnstrecke durch den Anschluss der Zechen „Vereinigte Trappe“ und „Deutschland“, die beide mit zu den größten im Ruhrgebiet zählten. Durch den Bahnanschluss 1889 ließ sich das „schwarze Gold“ damals endlich viel besser abtransportieren und vermarkten. 1989 fuhr auch hier schließlich der letzte Zug. Fast, denn ab und an fahren hier immer noch Züge. Auch Personen werden noch gerne mitgenommen. Jedoch nicht mehr von der großen Bahn, sondern vom Dampf-Bahn-Club Sprockhövel in Dellwig. Direkt neben dem Radweg fahren zwischen April und September an jedem 3. Sonntag von 11 bis 17 Uhr Vereinsmitglieder oder Gastfahrer mit ihren Modelllokomotiven viele Besucher über das große Vereinsgelände. Nicht nur Diesel- oder Elektroloks gibt es dort zu bestaunen, sogar richtige Dampflokomotiven drehten dort zu unserer Freude an dem Tag dort ihre Runden. Zwar war Flynn unser jüngster, aber hier zeigte sich auch bei den Älteren das Kind im Manne. Oder der Frau.

Mittlerweile war es schon nach 17 Uhr und manch einer fürchtete, nicht mehr pünktlich den letzten durchgehenden Zug nach Hause zu bekommen. Also wurde wieder aufgesattelt. Noch ein kurzes Stück über die Bahntrasse, dann ging es über Leveringhausen und die Albringhauser Straße wieder hinunter ins Tal. Eigentlich hätte man sich schön rollen lassen können, aber „dank“ der vielen Straßenschäden war hier eher erhöhte Aufmerksamkeit angebracht. Kurz vor Albringhausen erreichten wir die ehemalige Elbschebahn von Witten nach Schwelm. In diesem Bereich noch total zugewachsen, soll hier bis zum Jahr 2020 auf dem Trassee ebenfalls ein Radweg entstehen, um so die Route „Von Ruhr Zur Ruhr“ vollständig abseits von Straßen führen zu können. Nachdem wir das alte Bahnhofsgebäude von Albringhausen passiert hatten, erblickten wir hinter einer Bahnunterführung den fast fertigen Umbau des alten Bahndamms zum Radweg in Richtung Wengern. Der ADFC hat es sich nicht nehmen lassen, auf diesem Abschnitt eine inoffizielle Vorabnahmefahrt durchzuführen und hat den Weg für gut und empfehlenswert eingestuft. Die Offizielle Eröffnung soll in Kürze stattfinden.

Wieder in Wengern angekommen, ging es die gleiche Route wie auf dem Hinweg über den Ruhrtalradweg wieder zurück nach Witten. 65 Kilometer landschaftlich schöne Strecke lang hinter uns. Wir haben viel gesehen, erlebt, gegessen und getrunken. Und auch viel Spaß unterwegs gehabt. Es war eine tolle Tour, die uns Tourenleiter Dieter Wileczelek da geboten hatte. Eine Tour, die der ADFC Iserlohn nun schon zum dritten mal gefahren ist. Auch, wenn es einige nach der Rückkehr in den Knochen gespürt haben, so sind 4 Teilnehmer trotzdem noch die 30 km wieder bis nach Iserlohn zurückgefahren.

Kurzes Fazit zum Schluss:

Alles TOP, 5 Sterne, es darf die Tour auch noch ein viertes mal gefahren werden.

 

Fotos zur Tour "von Ruhr zur Ruhr"

Warten auf die ADFCler aus Menden an der Zeche Nachtigall
Kaffee und Kuchen. Ein Muss auf ADFC-Touren
Hingucker Lastenrad
Drängelgitter erfordern Geschick
Urig und gemütlich pausieren
Die ersten Meter auf der Bahntrasse
Manche hatten auch noch die Ruhe zum Lesen
Manchmal ist geballte Expertenmeinung gefragt.
Tuff tuff Eisenbahne, wer will mit dem ADFC fahre?
Der Fahrtag beim Dampfbahnclub ist wirklich einen Besuch wert!
Gruppenbild auf der Elbschetaltrasse
Tourende: lauter zufriedene, aber auch erschöpfte Gesichter

© 2019 ADFC Kreisverband Märkischer Kreis e. V.