Das Fahrrad: Ideal für Training und Verkehr Ist das Fahrradfahren in der Coronakrise zu empfehlen?

15.06.20
Kategorie: Aktuelles, Menden/Sauerland

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WP Artikel vom 24.04.2020 Ehemaliger Lungenfacharzt Günther Reichle gibt Antworten

Menden Das Coronavirus sorgt seit Wochen für viele Fragen und Unklarheiten. Einige von ihnen betreffen auch das Sportmachen – vor allem, wenn man dafür das Haus verlassen muss. Joggen und Fahrradfahren – das klingt nach einem guten Fitnessstudio-Ersatz. Doch ist diese Art von Sport gerade überhaupt empfehlenswert? Wie sieht das aus medizinischer Sicht aus – und wo sind die Risiken?

Günther Reichle ist nicht nur Ortssprecher des ADFC Menden, sondern auch Lungenfacharzt im Ruhestand. Er gibt Antworten auf die Fragen – und erklärt auch, warum das Fahrradfahren nach der Coronakrise vielleicht sogar noch wichtiger wird.

Fahrradfahren? Ja, unbedingt!

„Ist es überhaupt sinnvoll, in dieser Zeit Fahrrad zu fahren?“ ist wohl mit die erste Frage, die viele beschäftigen dürfte. Reichle hat dazu eine klare Meinung: „Wir haben Gott sei Dank die Möglichkeit, uns draußen zu bewegen, und das sollten wir auch tun! Also Leute, fahrt Fahrrad!“, appelliert der Radler an die Mendener.

„Gerade für die, die sich eigentlich ständig in Sportvereinen bewegen, ist das unglaublich wichtig, eine Alternative zu finden“, erklärt der Arzt. Und da biete sich ja das Fahrrad optimal an – denn das kann als Trainingsmittel dienen, aber auch im Verkehr genutzt werden. „Es kann zur Zeit auch gut den ÖPNV auf kurzen Strecken ersetzen, bei dem ja gerade das Infektionsrisiko höher sein könnte“, schildert Reichle.

Doch das ist nur einer der Vorteile eines Fahrradfahrers. Denn der Sport in der freien Natur sei nicht nur als Training gut – auch den Kreislauf und das Immunsystem stärkt diese Art von Fitness schließlich. „Es gibt so viele Studien, die belegen, wie gerade Fahrradfahren gesundheitsfördernd wirkt“, so Reichle. Und man kann von vielen positiven Effekten sprechen: Auch der Psyche tut der Sport in der freien Natur nämlich gut. „Das wirkt antidepressiv“, erklärt der Mediziner. „Man kann sich von den vielen schlechten Nachrichten im TV ablenken – und positiv denken.“

Das spürt der begeisterte Fahrradfahrer auch am eigenen Leib. Alle zwei Tage macht er eine Fahrradtour und „kommt mit Endorphinen angereichert zuhause an“. Ein befreiendes Gefühl.

Erholung, Fitness, Gesundheit. Drei Dinge, die sich Reichle vom Radeln verspricht. Und er merkt, dass auch viel mehr Menschen als sonst auf den Rädern unterwegs sind. „Ich habe noch nie so viele Radfahrer wie jetzt unterwegs gesehen“, freut sich der Arzt. „Es ist hocherfreulich, wie viele Kinder auch zu sehen sind.“

Für den ADFCler ein Anlass, auch an die Politik zu appellieren. „Das Fahrradfahren in der Stadt muss endlich sicherer gemacht werden – auch für Kinder besonders auf dem Weg zu Schule in der Zukunft.“ So könne die Bereitschaft, diese sportliche Aktivität zu betreiben, auch von der Stadt gefördert werden. „Wir brauchen Schutzstreifen, Fahrradstraßen und Co.“, fordert er. Denn dieses Thema – so verdeutlicht Reichle – wird auch nach Corona noch wichtig sein. „Wir müssen das Radfahren fördern, das ist auch fürs Klima wichtig.“ Denn sobald die Coronakrise vorbei sei, rücke wieder ein anderes Thema ins Licht: Der Klimaschutz. „Und dazu brauchen wir auch eine Verkehrswende“, erklärt Reichle.

Worauf man aufpassen sollte

Doch bis dieses Thema die Kommunalpolitik wieder in dem Ausmaß beschäftigen kann, wie es vor Corona der Fall war, wird es wohl noch etwas dauern. Und bis dahin können die Bürger durchs Fahrradfahren zeigen, wie sinnvoll solche Maßnahmen der lokalen Politik wären. Aber auch hier gibt es momentan einige Tipps, die man beachten sollte.

„Auf jeden Fall sollte man das organisierte Fahrradfahren in Gruppen meiden“, verdeutlicht der Mediziner. Denn erstens ist das verboten und zweitens steigt das Infektionsrisiko. Dementsprechend legt auch der ADFC seine Touren für Mai und Juni auf Eis.

„Und auch gerade diese Fahrrad-Autobahnen wie zum Beispiel den Ruhrtalradweg sollte man, wenn sie zu voll sind, vielleicht meiden“, beteuert Reichle. Hier komme es durch Überfüllung vielleicht sogar zu Schlangen – einen Mindestabstand gibt’s dann nicht mehr. „Dann kann man besser Nebenrouten nehmen.“ Außerdem warnt der Radler, vorsichtig und achtsam zu fahren, um Unfälle zu vermeiden.

Und dann? Aufs Fahrrad schwingen und los geht’s!


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