Pressemitteilung über die Ergebnisse des Fahrradklima-Test

10.04.19
Kategorie: Aktuelles, Märkischer Kreis

Miserable Noten für märkische Städte – Rad Fahrende bewerten Hemer, Iserlohn, Lüdenscheid und Menden Beim gestern (9. April 2019) in Berlin vorgestellten Fahrradklima-Test des ADFC landeten die märkischen Städte teils im Mittelfeld des Städterankings (Hemer, Iserlohn, Menden), Lüdenscheid erhielt gar wieder die „rote Laterne“ der am wenigsten fahrradfreundlichen Stadt Deutschlands.

Die Noten aber sind alles andere als mittelmäßig: Hemer, Iserlohn und Menden bekamen mit einer Beurteilung von 4,0 nur ein „glatt ausreichend“, Lüdenscheid mit 4,7 ein „mangelhaft“.
In Menden haben sich die Bewertungen im Vergleich zur vorherigen Befragung 2016 sogar verschlechtert, in Iserlohn sogar deutlich verschlechtert_.
Diese Verschlechterung deckt sich mit dem bundesweiten Gesamtergebnis des ADFC Fahrradklima-Tests: Das Fahrradklima, also die Zufriedenheit der Radfahrenden, hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert, ebenso das Sicherheitsgefühl. Bundesweit bewerten Radfahrerinnen und Radfahren ihre Städte mit der Note 3,9. Falschparker auf Radwegen, die schlechte Führung des Radverkehrs an Baustellen und die mangelnde Breite von Radwegen sind die am häufigsten kritisierten Probleme. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass man Kinder nur mit schlechtem Gefühl allein mit dem Rad fahren lassen kann

Detaillierte Auswertung für die märkischen Städte

Hemer
Nach 2014 konnte Hemer zum zweiten Mal die Mindestteilnehmerzahl (50) erreichen. Die Bewertung durch die 71 Teilnehmenden hat sich dabei von 3,8 auf 4,0 leicht verschlechtert, dies hat für den Rangplatz 177 von 311 Städten dieser Größenkategorie (20.000-50.000 Einwohner) gereicht.
Im Städtevergleich besonders positiv wahrgenommen werden das geringe Ausmaß an Fahrraddiebstahl, die Oberfläche und die Breite der Radwege; vergleichsweise negativ hingegen wurde bewertet, dass nur bestimmte Gruppen Rad fahren, das geringe Angebot öffentlicher Leihfahrräder und dass zu wenig Werbung für das Radfahren gemacht werde.
In der offenen Frage äußerten die Teilnehmenden sehr häufig, Hemer habe „nur einen einzigen Radweg“ und sonst keine angemessene Infrastruktur.


Iserlohn
Für Iserlohn liegen nun Daten von vier Fahrradklima-Tests vor. Da sich von 2014 über 2014 bis 2016 die Bewertung durchgehend verbessert hat bis auf 3,5, wurde Iserlohn zweimal hintereinander als zweit- bzw. drittbester „Aufholer“ in dieser Städtegrößenkategorie ausgezeichnet. Dieser Aufwärtstrend wurde nun unterbrochen, die Bewertung (jetzt nur noch 4,0) fiel deutlich und fast auf das Maß von 2014 (4,1) zurück. Nahezu bei jeder Frage verschlechterte sich Iserlohn deutlich, dies hat gerade einmal für den Rangplatz 54 von 106 Städten dieser Größenkategorie (50.000-100.000 Einwohner) gereicht.
Im Städtevergleich etwas positiver wahrgenommen werden das geringe Ausmaß an Fahrraddiebstahl, die Oberfläche der Radwege und sogar die regelmäßige Reinigung der Radwege; vergleichsweise negativ hingegen wurde bewertet, dass nur bestimmte Gruppen Rad fahren, die schlechte Erreichbarkeit des Stadtzentrums und dass zu häufig Umwege nötig sind.
In der offenen Frage weisen viele Teilnehmenden darauf hin, dass es mit Baarbachtal und Bahntrasse zwar schöne Freizeitwege gebe, allerdings kein wirkliches Netz für den Alltagsverkehr vorhanden sei. Die mangelnde Erreichbarkeit des Stadtzentrums ist weiterhin eines der größten Probleme


Lüdenscheid
Auch für Lüdenscheid liegen nun Daten von vier Fahrradklima-Tests vor. Die Beurteilung wurde nochmals schlechter (von 4,6 auf 4,7), was erneut den bundesweit letzten Platz dieser Größenkategorie (50.000-100.000 Einwohner) bedeutet. Der Abstieg zieht sich durch fast alle 27 Fragen.
Im Städtevergleich etwas positiver wahrgenommen werden das geringe Ausmaß an Fahrraddiebstahl, die Oberfläche der Radwege und wenig Konflikte mit Fußgängern; vergleichsweise negativ hingegen wurde bewertet, dass nur bestimmte Gruppen Rad fahren, die schlechte Erreichbarkeit des Stadtzentrums und dass nur wenige Einbahnstraßen für Rad Fahrende geöffnet sind.
In der offenen Frage äußerten die Teilnehmenden sehr häufig, in Lüdenscheid gebe es „quasi nur zwei Radwege“ und kritisieren den mangelnden Ausbau von Radwegen. Sogar bei Neubauprojekten werde der Radverkehr nicht berücksichtigt.


Menden
Für Menden liegen nun Daten von drei Fahrradklima-Tests vor. Während man sich zunächst von 4,4 (2014) auf 3,8 (2016) verbessern konnte, wurde Menden nun mit der Note 4,0 wieder schlechter beurteilt – insbesondere in den Kategorien „Stellenwert des Radfahrens“ und
„Sicherheit beim Radfahren“. Im Städteranking hat dies gerade einmal für den Rangplatz 52 von 106 Städten dieser Größenkategorie (50.000-100.000 Einwohner) gereicht.
Im Städtevergleich etwas positiver wahrgenommen werden das geringe Ausmaß an Fahrraddiebstahl, kaum Konflikte mit Kfz und die Falschparkerkontrolle auf Radwegen; vergleichsweise negativ hingegen wurde bewertet das geringe Angebot öffentlicher Leihfahrräder, die schlechte Erreichbarkeit des Stadtzentrums und die fehlende Öffnung von Einbahnstraßen für Rad Fahrende.
In der offenen Frage kritisieren die Teilnehmenden vor allem den nicht stattfindenden Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur, der Radverkehr habe einen zu geringen Stellenwert und die Stadt verschlafe den Trend zum Fahrrad.

 

ADFC-Bilanz

Für den ADFC Märkischer Kreis zieht der Kreisvorsitzende Martin Isbruch Bilanz: „Fahrradfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für attraktive Städte – deshalb ist es besonders Besorgnis erregend, dass sich die Menschen in Hemer, Iserlohn, Menden und Lüdenscheid auf dem Rad derart unwohl fühlen. Der Fahrradklima-Test zeigt bei anderen Städten, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung auch honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt.“ Die märkischen Städte seien dabei jeweils getrennt zu betrachten, so Isbruch: „Während sich Hemer, Iserlohn und Menden wenigstens mit der Erstellung eines Radverkehrskonzeptes auf den Weg gemacht haben, muss in Lüdenscheid selbst dazu noch die Einsicht reifen. Die Nordkreis-Städte müssen jetzt aber auch endlich die Planungen aus der Schublade holen und umsetzen. Die Menschen wollen jetzt Rad fahren und sind genervt vom Status Quo!“ Dabei bedarf es Isbruch zufolge mutiger politischer Entscheidungen: „Ohne Flächenumverteilung wird es nicht gehen, wir brauchen mehr Platz für’s Rad!“ und weist damit zugleich auf die bundesweite ADFC-Kampagne im 40. Jahr seines Bestehens hin: Unter dem Hashtag #MehrPlatzFürsRad beteiligen sich ADFC-Gliederungen im ganzen Land, auf den fehlenden Platz für Rad Fahrende aufmerksam zu machen.

 

170.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bundesweit

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2018 zum achten Mal durchgeführt. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit rund 195.000 Euro gefördert. Rund 170.000 Menschen stimmten bundesweit ab – eine Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem letzten Test. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück.


© 2019 ADFC Kreisverband Märkischer Kreis e. V.