30 Jahre Engagement rund ums Fahrrad: Der ADFC Krefeld - Kreis Viersen e.V. im Rückblick

Gründungssitzung des ADFC Krefeld

Im August 1985 gründete Gerd Maas die Ortsgruppe Krefeld des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. Erste Aktionen waren eine geführte Radtour und im Jahr darauf ein Gebrauchtfahrrad-Markt. Es folgten Vorschläge an die Stadtverwaltung zur fahrradfreundlichen Gestaltung der Dionysiusstraße als Alternative zur stark befahrenen St. Anton-Straße. Da dies aber mit einer Verlegung von Autoparkplätzen verbunden gewesen wäre, gab es dagegen zunächst starken Widerstand in der Politik und bei den Anwohnern.

Plakat "Krefeld steigt um" von 1986

Inzwischen war der Verkehrsplaner Jürgen Monderkamp zu dem noch jungen Verein gestoßen und ein Jahr später begleitete der ADFC die SPD-Kampagne "Krefeld steigt um". Das Kampagnenlogo zeigte die historische Krefelder Figur Meister Ponzelaer auf dem Fahrrad. Es war eine der ersten Aktionen, die wieder zur vermehrten Nutzung des Fahrrads im Stadtverkehr aufrief und den Fahrradverkehr stärker in das Bewußtsein der Stadtplaner rückte. 1987 wurde der Ingenieurstudent Andreas Domanski Ortsgruppensprecher. Es folgte eine systematische Aufnahme der Radwegschäden (Mängelkataster), die aber aufgrund der damals schon knappen städtischen Finanzmittel nur sehr langsam behoben werden konnten. Jürgen Monderkamp kultivierte zur gleichen Zeit in Krefeld den Begriff der Veloroute (heute Radachse).

1990 war dann mit dem Eintritt der Stadt Krefeld in das Förderprogramm "Fahrradfreundliche Städte in NRW" ein wichtiger Schritt getan. Auch wenn die Radwege damit nicht automatisch besser wurden, konnten unkonventionelle Maßnahmen wie Furtmarkierungen ("rote Teppiche"), Fahrrad-/Bus-Spuren und Freigaben von Einbahnstraßen umgesetzt werden, die damals noch nicht in der Straßenverkehrsordnung verankert waren.

Mit dem von Jürgen Monderkamp (ADFC) und Hans Kösters (Stadt Krefeld) initiierten Niederrheinischen Radwandertag wurde 1991 ein touristischer Dauerbrenner gezündet, der inzwischen zur größten überregionalen Veranstaltung am Niederrhein gehört. Als Ergänzung zu den geführten Tagestouren startete Uwe Ziebold 1992 die erste Feierabendradtour in St. Tönis. Im nächsten Jahr wurde in Kooperation mit dem Krefelder Verkehrsverein die Auszeichnung "Radler des Jahres" an den radelnden Immobilienmakler Frans Koning vergeben - ebenfalls eine Idee von Jürgen Monderkamp. Radelnde Politiker, Polizisten, Ärzte, Künstler und "normale" fahrradfreundliche Bürger wurden in den Folgejahren mit diesem Titel ausgezeichnet.

Rad am Rhein

Die Eröffnung des ADFC-Fahrradbüros im Beisein von Oberbürgermeister Willi Wahl war 1994 ein weiterer wichtiger Schritt. Kartenmaterial und Reiseliteratur, aber auch Planungsunterlagen konnten endlich aus verschiedenen privaten Wohnzimmern und Kellern zusammengeführt und allen Aktiven zugänglich gemacht werden. Zugleich beschilderte die Stadtverwaltung unweit des Fahrradbüros die erste "Radachse" als fahrradfreundliche Route zwischen Linn und der Innenstadt. Nach zehn Jahren verkehrspolitischer Überzeugungsarbeit wurde 1995 die Dionysiusstraße zur "Fahrradstraße" umgewidmet und ein "Rot-Grünes" Programm zur Öffnung weiterer Einbahnstraßen in der Innenstadt umgesetzt. Nach der Jahrtausendwende wurde der ADFC Krefeld Mitherausgeber des Fahrradmagazins "Rad am Rhein".

Karin Schröer, eine Teilnehmerin der "gemütlichen" Feierabendtouren initiierte 2002 die "sportlichen Abendradtouren". Ab 2003 ist der Verein auch in der Radverkehrsplanung des Kreises Viersen aktiv und macht umfangreiche Verbesserungsvorschläge zum Radverkehrskonzept.

Infoladen in der Dreikönigenstraße

20 Jahre nach der Gründung - also 2005 - schwangen Vorstand und aktive Mitglieder in Krefeld Pinsel und Tapetenmesser und bezogen einen neuen Geschäftsraum in zentraler Lauflage an der Dreikönigenstraße. Das Behindertenrad Rollfiets vervollständigte die Ausstattung und wird über die Radstation im Bahnhof vermietet.  Nach einjähriger Vorbereitung gab der Verein 2007 zusammen mit dem Katasteramt den ersten Fahrradstadtplan für Krefeld heraus, der sofort großen Zuspruch fand. 2008 wurde das Veranstaltungsangebot vor allem im Kreis Viersen mit Touren, Technik-Seminaren und Gebrauchtfahrrad-Märkten durch den zweiten Vorsitzenden Hartmut Genz weiter ausgebaut.

Gebrauchträdermarkt

2010 zählt der Kreisverein über 1000 Mitglieder, wobei das Veranstaltungsprogramm von etwa 20 Aktiven organisiert wird und jährlich über 100 Termine von der Tagestour über GPS-Seminare und Gebrauchtfahrradmärkte bis zum geselligen Radlertreff umfasst. Ein regelmäßiger Informationsaustausch und gemeinsame Aktionen mit der Polizei dienen der Unfallvorbeugung bzw. der Beseitigung von Unfallschwerpunkten. In Zukunft will sich der Verein weiter für die Modernisierung des Radverkehrsnetzes und die Anerkennung des Fahrrads als leistungsfähiges und vollwertiges Verkehrsmittel in der Stadt einsetzen.

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